„Ein Amazon für Oldtimerfans“

Die neue Onlineplattform Retromotion vereinfacht die Suche nach Oldtimer-Ersatzteilen

Wer einen Oldtimer sein Eigen nennt, der hält diesen fit – Schrauben und Basteln gehört für die meisten Besitzer einfach dazu. Was jedoch viele Privatleute sowie Werkstätten vor ein immer größeres Problem stellt, ist die Ersatzteilbeschaffung für ihre Klassikfahrzeuge. Wie kommt man also an die begehrten Teile? Direkt auf die Hersteller zugehen? Als Privatperson ist es häufig schwierig, mit diesen Kontakt aufzunehmen. Sich durch den Dschungel an Kleinhändlern schlagen? Erst einmal muss man die richtigen Händler kennen, und welche Teile sie im Bestand haben, ist meistens erst vor Ort ersichtlich. Doch alle diejenigen, die jetzt schon die Hoffnung aufgegeben haben, können aufatmen.

Ein junges Team von engagierten und kreativen Köpfen hat genau dieses Problem erkannt und eine Lösung entwickelt: Retromotion. Im März ist die Plattform für hochwertige Ersatzteile von Old- und Youngtimern online gegangen.

In Gang gesetzt

So stellt man sich ein Start-up vor: flexibles Arbeiten, Co-Working-Spaces, und das natürlich im angesagten industrial Style des Wizemann-Areals in Stuttgart, einer ehemaligen Produktionshalle. „Insgesamt wird unsere Plattform von fünf festen Mitarbeitern betrieben“, so Artur Oswald, Gründer von Retromotion, „im Bereich Entwicklung und Marketing arbeiten nochmals zehn Leute als Freelancer.“ Mit einer Art Amazon für Oldtimerfreunde soll die Ersatzteilsuche für Endkunden und Werkstätten vereinfacht werden. Gefragt sind vor allem Verschleißteile wie Zündkerzen, Lichtmaschine, Motorteile und Öle.

Aber auch wer auf der Suche nach Tachos, Zierleisten und Karosserieteilen ist, wird fündig. Selbst für den Fall, dass ein einzelnes Teil einfach nicht mehr zu beschaffen ist, bietet das Team eine clevere Lösung. „Im Rahmen eines Drei-Stufen-Modells finden wir für jeden Kunden das passende Ersatzteil.“

Beim Hersteller anklopfen

Die erste Stufe des Geschäftsmodells bindet die Hersteller bzw. Zulieferer direkt mit ein. „Wir gehen dabei auf Firmen wie Bosch oder Mahle zu und fragen an, ob sie ein Portfolio an Ersatzteilen für Klassikfahrzeuge im Bestand haben, das sie uns zur Verfügung stellen können“, erklärt der Retromotion-Gründer. „Diese Teile können dann über unsere Plattform bestellt werden.“ Für den Endkunden ist es oft wichtig, dass die Originalteile verbaut werden. „Das können wir nicht ausschließlich über zweit- oder Dritthändler lösen“, sagt Artur Oswald, „aus diesem Grund ist der Weg über die Originalhersteller für uns sehr wichtig.“

Die „Ludolfs“ dieser Welt

Spezialhändler, Schrotthändler und Privat-Verkäufer – oder wie Oswald sie nennt: „Die Ludolfs dieser Welt“ – sind Ansprechpartner in der zweiten Vertriebsstufe. „Das Problem für den Endkunden ist, dass deren Bestände kaum einsehbar sind“, so Artur Oswald. „Die Händler führen in der Regel keine Listen über ihren Bestand und sind auch nicht online unterwegs.“ Das macht den Suchvorgang natürlich kompliziert – und genau dort möchte Retromotion Abhilfe schaffen. „Wir können den Suchvorgang automatisieren, wir besitzen eine Datenbank mit Kontakten, welche stetig erweitert wird. Kundenanfragen werden von uns an diese Kleinhändler weitergeleitet und bearbeitet. Wenn ein Teil verfügbar ist, schicken wir es – mit einem Preisaufschlag direkt an den Endkunden.“ Der Aufschlag bemisst sich dabei am Suchaufwand und am Seltenheitswert des
Ersatzteils.

Frisch aus dem Drucker

Die dritte Vertriebsstufe war der eigentliche der Ideengeber für das Start-up. Ersatzteile für Oldtimer werden knapp – was also tun, wenn es für den geliebten Wagen kein passendes Ersatzteil gibt? Man kann sich ja nicht einfach eines drucken – oder doch? Der Retromotion-Gründer besitzt bereits ein anderes Unternehmen für 2-D- und 3-D-Print, daher kam ihm die Idee, Oldtimerteile auf diese Art zu produzieren. „Die Technologie ist bereit, aber für die Masse noch zu teuer. Im Oldtimerbereich sind die Besitzer jedoch bereit, einen hohen Preis für Ersatzteile zu zahlen.“ Teile aus dem 3-D-Drucker – ob sich gestandene Oldtimer-Fans auf dieses hoch technologisierte Verfahren einlassen?

„Wenn es das Teil nicht mehr als Original gibt, tritt dieser Anspruch in den Hintergrund“, erzählt Artur Oswald. „Für den Besitzer eines Ferrari Mondial haben wir bereits einen Türgriff in diesem Verfahren angefertigt.“

Auch wenn das Geschäftsmodell noch in den Kinderschuhen steckt, sieht sich Retromotion für eine größere Anzahl von Anfragen gewappnet. „Momentan haben wir ca. 13.000 Artikel in unserem Portfolio“, so Oswald, „Ende nächster Woche sind es schon 150.000.“ Diese können dann im Retromotion-Onlineshop erworben werden. Das junge Unternehmen scheint also gut zu gedeihen.

Evelyn Becker

Weitere Informationen:

Retromotion GmbH

artur.oswald@retromotion.com

www.retromotion.com


Artur Oswald:
„Im Rahmen
eines Drei-Stufen-Modells finden wir für
jeden Kunden
das passende
Ersatzteil.“

Foto: Retromotion