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Ein Her(t)z für Felgen

Karosseriearbeiten Technik
Ein Her(t)z für Felgen

Mit Felgenaufbereitung das Portfolio erweitern – die Firma Hertz ist diesen Schritt gegangen. Worauf es dabei ankommt, erläutert uns Firmenchef Dietmar Hertz.

Etwa ein Viertel aller Pkw in Deutschland ist mit Kratzern oder Schrammen an den Felgen unterwegs. Es passiert ja schließlich schnell, dass man den Bordstein touchiert. So richtig störend ist das vor allem, wenn man ein Auto mit zerkratzten Felgen verkaufen möchte. Dann wird der kleine Schönheitsfehler für die „Gegenseite“ schnell zum Argument, um den Verkaufspreis zu drücken. Schlimmer noch: Für viele potenzielle Käufer sind die Felgen so etwas wie die Visitenkarte des Fahrzeugs. Und wenn die schon lädiert sind – wer weiß, wie sorgsam auf den Rest des Fahrzeugs geachtet wurde …

Dass in der Felgenaufbereitung ein Geschäft für K+L-Betriebe stecken könnte, liegt auf der Hand. Seit rund drei Jahren beschäftigt sich die Firma Hertz Karosserie- und Lackierfachbetriebe aus Bad Dürkheim und Grünstadt mit dem Thema Felgenreparatur. Beim Begriff „Reparatur“ zuckt Firmenchef Dietmar Hertz allerdings leicht zusammen: „Felgenreparatur klingt nach Schweißen und Ausbessern – damit haben wir nichts zu tun. Was wir anbieten, ist eigentlich keine Reparatur, sondern Felgenaufbereitung, besser gesagt Felgenkosmetik. Kratzer, Schrammen, kleine Macken – zu unserem Metier gehört alles, was sich unproblematisch ausschleifen und wieder neu beschichten lässt.“ Über das Felgengeschäft als mögliches Standbein sprachen wir mit Dietmar Hertz.

Felgenaufbereitung: Wer sind die Kunden?

Herr Hertz, wer sind die Kunden für Felgenkosmetik?

Wir sprechen zum einen Autohändler an, für die wir gebrauchte Fahrzeuge verkaufsfertig machen, indem wir Schäden an den Felgen ausbessern. Zum anderen wenden wir uns an Reifenhändler, die Räder einlagern und den Felgenservice mit anbieten, der dann bei uns erfolgt. Das wären sozusagen unsere B2B-Kunden. Dazu kommt ein wachsender Anteil von Privatkunden, die auf diesen Service aufmerksam wurden.

Was tun Sie, um das Felgengeschäft voranzubringen?

Bei den B2B-Kunden kontaktiere ich die Entscheider direkt, ähnlich wie im K+L-Bereich. Endkunden sprechen wir über verschiedene Aktionen, Inserate, über soziale Medien und natürlich unsere Website an.

Und wie ist die Resonanz?

Zu Autohäusern bestanden ja aus dem K+L-Geschäft heraus intensive Kontakte, sodass wir diese Klientel relativ einfach von unserer neuen Dienstleistung überzeugen konnten. Reifenhändler waren gewissermaßen Neuland, aber auch hier konnten wir nach einiger Zeit Fuß fassen. Am langsamsten lief das Geschäft mit den Privatkunden an, wobei wir viel in Marketingmaßnahmen investieren mussten. Ein Selbstläufer, wie manchmal dargestellt, ist das Felgengeschäft nicht. Aber jetzt, im immerhin dritten Jahr, macht es betriebswirtschaftlich gesehen, Spaß.

Lohnt sich die Felgenaufbereitung?

Ab wann macht es bei Ihnen denn Spaß? Wie viele Felgen müssen bearbeitet werden, damit sich das Ganze lohnt?

Das ist sicherlich individuell unterschiedlich. Bei uns ist es so, dass wir einen umfangreichen Maschinenpark angeschafft oder geleast haben und ein Mitarbeiter komplett mit dem Thema Felgen beschäftigt ist. Wenn dazu noch ein bisschen Gewinn übrigbleiben soll, dann müssen bei uns im Monat etwa 10.000 Euro erlöst werden, was ungefähr 75 bis 80 Felgen entspricht.

Sie haben auf Ihrer Website ein sehr transparentes System mit Fixpreisen je nach Felgenbreite und -art. Wie gut funktioniert das? Die Schäden sind ja unterschiedlich gravierend …

Ich bin bei dieser Art von Leistungen ein großer Freund von Fixpreisen. Die Kunden sollen sich vorab eine Vorstellung vom Preis machen, das spart allen Beteiligten viel Zeit und Ärger. Was die Schwere der Schäden angeht – die ist relativ schwer einzuschätzen. Natürlich gibt es, wie bereits erwähnt, Strukturschäden, die nicht zu unserem Job gehören. Aber auch kosmetische Schäden sehen manchmal gravierender aus, als sie sind.

Warum?

Wo liegen Grenzen?

Oft ist auf den Felgen schon herstellerseitig eine 200 Mikrometer dicke Schicht Pulverklarlack. Ist die verletzt, sieht das Schadenbild manchmal wild aus, die eigentliche Beschädigung im Metall ist aber nur wenige Mikrometer tief – und darauf kommt es ja an.

Das heißt, irreparabel sind nur wenige Felgen?

Nur wenige, die zu uns gebracht werden. Die meisten Kunden nutzen ja die Möglichkeit, uns vorab per WhatsApp Bilder der zu reparierenden Felgen zuzuschicken. Und aufgrund der Bilder können wir schon sehr gut voraussagen, was wir ausbessern können.

Wie sensibel sind denn die Kunden beim Preis?

Die Kunden konnten sich bei uns ja schon vorab über die Preise informieren. Denjenigen, die sich dann für eine Instandsetzung entschieden haben, leuchten auch die finanziellen Vorteile schnell ein.

Ab welchem Preis für die Felge lohnt sich eine Reparatur?

Ich würde sagen, ab 250 Euro. Aber auch da gibt es alle Varianten. Wenn ich eine Felge gar nicht mehr neu bekomme, aber nur eine von vier Felgen beschädigt ist, kann sich die Instandsetzung auch bei einer günstigeren Felge lohnen. Umgekehrt gibt es scheinbar teure glanzgedrehte Felgen, die ein Autohaus im Einkauf nur 150 Euro kosten – da kann ich auch eine neue kaufen.

Felgenaufbereitung: Auch bei glanzgedrehten Felgen?

Thema glanzgedrehte Felgen – Sie haben, um diese bearbeiten zu können, extra eine CNC-Maschine angeschafft …

Wir haben festgestellt, dass glanzgedreht nicht gleich glanzgedreht ist. Da gibt es sehr unterschiedliche Glanzmuster und Drehbilder, die wir zum Beispiel durch das Variieren der Geschwindigkeit beim Abdrehen der Felgen beeinflussen können.

Aber die Bedienung einer solchen CNC-Maschine ist schon eine komplexe Angelegenheit …

Völlig richtig, die Felge wird gescannt, dann erfolgt eine Höhen- und Seitenschlagprüfung. Und via Computer wird der CNC dann quasi vorgegeben, wie viel Material sie wo abzunehmen hat. Man muss sich also schon intensiv einarbeiten – abgesehen davon, dass die Maschine mit rund 50.000 Euro zu Buche schlägt.

Wie würden Sie Ihren restlichen Maschinenpark beschreiben? Was ist notwendig, um effizient zu sein?

Welche Ausrüstung ist nötig?

Das A und O beim Felgengeschäft besteht darin, die Vorbereitungsarbeiten möglichst effektiv zu gestalten. Daher ist eine kleine Strahlkabine zum Mattieren eine enorme Hilfe. Auch eine Räderwaschanlage sorgt für Effizienz. Was das Neubeschichten der Felgen angeht – da ist man als Lackierbetrieb ja in der Regel schon gut aufgestellt. Nicht zu unterschätzen ist beim Felgengeschäft auch der organisatorische Aspekt.

In welcher Hinsicht?

Wir mussten für das Felgengeschäft auch betriebswirtschaftlich effiziente Prozesse entwickeln. Auch wenn Kunden manchmal spontan mit einer Felge im Kofferraum vorfahren, müssen grundsätzlich Kundendaten, Eingangs- und Ausgangsdaten erfasst und EDV-technisch überwacht werden. Um Verwechslungen auszuschließen, wird darüberhinaus jede Felge fotografiert und das Foto dem Auto zugeordnet. Wir versehen die Felgen zusätzlich mit Aufklebern. Nicht zuletzt sollte entsprechender Platz in der Werkstatt vorhanden sein, denn die Felgen müssen auch fachgerecht gelagert werden – manchmal über einen längeren Zeitraum hinweg, denn die Felgenkundschaft hat es mit Ausnahme der B2B-Kunden nicht immer eilig. Aber das hat ja auch sein Gutes …

Herr Hertz, vielen Dank für das
Gespräch. mr ■

www.hertz-karosserie-lack.de


Dietmar Hertz

„Ein Selbstläufer ist das Felgengeschäft nicht,

aber mittlerweile macht es betriebswirtschaftlich Spaß.“

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