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Unabhängig, neutral und fachlich kompetent

Management
Unabhängig, neutral und fachlich kompetent

Sachverständige mit fundierten Kenntnissen über die Fahrzeuglackierung sind sehr gefragt und Aushängeschilder ihres Gewerkes. Neues gibt es in Sachen bundeseinheitliche Prüfung.

Weitere Informationen zum Thema Sachverständige gibt es beim Bundesverband Farbe Gestaltung Bautenschutz in Frankfurt am Main. Ansprechpartner ist Torsten Schmidt – Tel: 069 / 66575–328 oder per E-Mail: T.Schmidt@farbe.de.

Den öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen kommt in vielen Bereichen, speziell natürlich in der Rechtsprechung, große Bedeutung zu. Sie sind das „Aushängeschild“ für die Leistungsfähigkeit ihres Handwerkszweiges. Sie bewerten aufgrund ihres fundierten Wissens kompetent und frei von wirtschaftlichen Interessen. Sie sind die kompetenten Partner in gerichtlichen als auch außergerichtlichen Fällen. Diese verantwortungsvolle Tätigkeit setzt eine solide Ausbildung, praktische Erfahrung im jeweiligen Gewerk und hohe persönliche Eignung voraus. Interessenten für dieses Amt bewerben sich zunächst bei den ortsansässigen Handwerkskammern, die die persönliche Eignungsprüfung vornehmen. Wird ein positives Ergebnis erreicht, delegieren diese die Bewerber an den jeweiligen Fachverband. Für den Beruf des Fahrzeuglackierers übernimmt der Bundesverband Farbe Gestaltung Bautenschutz mit seinen Fachgremien seit diesem Jahr die fachliche Eignungsprüfung.

In „Nischenberufen“ wie dem des Fahrzeuglackierers stellt es durchaus eine Herausforderung dar, genügend Sachverständige zu finden und zu prüfen, um möglichst flächendeckend in allen Regionen und Gerichtsbezirken den erforderlichen „Fahrzeuglackierer-Sachverstand“ einzubringen. Der entsprechende Arbeitskreis im Maler- und Lackiererhandwerk, Teilgebiet Fahrzeuglackierung, ist im Bundesverband Farbe Gestaltung Bautenschutz angesiedelt. Hier findet nicht nur regelmäßiger Informationsaustausch statt, sondern werden auch Weiterbildungen und Schulungen angeboten, die durch die Bundesfachgruppe Fahrzeuglackierer (BFL) in Zusammenarbeit mit dem Institut für Fahrzeuglackierung (IFL) organisiert und durchgeführt werden. Aus diesem Kreis setzt sich auch die Prüfungskommission zusammen, die neuerdings bundeseinheitlich und zentral in den Räumen des Bundesverbandes Farbe Gestaltung Bautenschutz in Frankfurt am Main die fachliche Eignungsprüfung durchführt.

Über die Aufgaben der Sachverständigen, Voraussetzungen und Prüfungsanforderungen sprachen wir mit Bernd Böttinger und Kuddusi Yilmaz. Bernd Böttinger ist Fahrzeuglackierermeister, Mediator und Senior eines Karosserie- und Lackierfach- sowie eines Industrielackierbetriebes in Blaubeuren. Zusätzlich ist er seit vielen Jahren Sachverständiger und Gutachter im Fahrzeuglackierer-Handwerk. Kuddusi Yilmaz ist Fahrzeuglackierermeister und ebenfalls seit vielen Jahren Sachverständiger sowie Gutachter. Jahrelang war er als Anwendungstechniker in der Lackindustrie und zuletzt als Regional Technical Manager für Zentral-Osteuropa bei einem renommierten Lackhersteller tätig. Derzeit ist er als Referent für Fahrzeuglackierung beim Allianz Zentrum für Technik (AZT) beschäftigt. Beide sind, gemeinsam mit Torsten Schmidt (Bundesverband Farbe Gestaltung Bautenschutz), Mitglieder der BFL-Prüfungskommission.

Herr Böttinger, Herr Yilmaz, was muss jemand mitbringen, der als öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger tätig sein möchte?

Bernd Böttinger: Die fachlichen Voraussetzungen wären erstens eine solide handwerkliche Ausbildung im jeweiligen Gewerk, zweitens fundierte praktische Erfahrung und drittens natürlich auch ausgeprägte theoretische Kenntnisse.

Kuddusi Yilmaz: Ein öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger muss in der Lage sein, jeden noch so komplexen Sachverhalt erkennen und zusammenfügen zu können. Dazu gehört unter anderem, die in juristischem Deutsch formulierten gerichtlichen Beweisbeschlüsse strukturiert wiederzugeben. Außerdem muss das schriftliche Gutachten auch für einen „Laien“ verständlich und nachvollziehbar sein. Hierfür ist eine klare Ausdrucksweise erforderlich. Neben diesen fachlichen Anforderungen kommt es aber auch auf das souveräne Auftreten während eines Ortstermins oder in mündlichen Gerichtsverhandlungen an. Hier müssen häufig komplexe Sachverhalte erklärt und zusammengeführt werden. Um das alles richtig zu erlernen, gibt es weiterführende Kurse und Seminarangebote bei den Handwerkskammern. Die Bereitschaft, sich persönlich fachlich weiterzubilden, ist in dieser Funktion eine Grundvoraussetzung.

Worin besteht dann der Unterschied zu einem „normalen“ freien Sachverständigen?

Bernd Böttinger: Unter anderem in der noch genaueren Prüfung eben dieser fachlichen und persönlichen Eignung. Die öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen im Fahrzeuglackierer-Handwerk sind aufgrund Ihrer Unabhängigkeit die höchste fachliche Instanz bei Fragen zum Thema „Fahrzeuglackierung“. Diese Kompetenz ermöglicht uns, unparteiisch und unabhängig zu analysieren und uns zu positionieren. Die Gerichtsbarkeiten erwarten von uns fachliche Expertisen und Ausführungen zu den vorliegenden Sachverhalten, um letztendlich urteilen zu können. Der Richter ist in der Regel auch nur ein „Laie“ und entscheidet basierend auf unseren gutachterlichen Einschätzungen.

Hohe Anforderungen – wie viele Fahrzeuglackiererinnen und -lackierer stellen sich dieser Aufgabe?

Bernd Böttinger: Leider zu wenige. Das liegt natürlich auch daran, dass es im Vergleich zu anderen Gewerken rund ums Kfz deutlich weniger Lackierer gibt. Außerdem ist dieser Bereich in der Lackiererszene zu wenig bekannt – mit der Folge, dass oftmals Kfz-Sachverständige ohne Lackiererhintergrund oder Profis von TÜV oder DEKRA zu Lackthemen tätig werden. Nicht immer werden dabei die Sachverhalte in der notwendigen Tiefe erkannt und dargelegt. Häufig gibt es zum Beispiel im Bereich der Fahrzeuglackierung Dispute im Zusammenhang mit Kürzungen von Arbeitspositionen durch Prüfdienstleistungsunternehmen. Die fachlich ausgeführte handwerkliche Reparaturlackierung und die damit in Verbindung stehenden erforderlichen Reparaturprozesse werden häufig in Frage gestellt und aus der „Ferne“ – also nicht am Objekt – beurteilt. Das ist aus unserer Sicht nicht korrekt! Wer soll das besser beurteilen können, als jemand mit genau diesem beruflichen Hintergrund?

Wenn nun eine Lackiererin oder ein Lackierer die Voraussetzungen erfüllt und sich für die Tätigkeit als Sachverständiger interessiert – wie kommt man zum Ziel?

Bernd Böttinger: Man muss sein Interesse der örtlichen Handwerkskammer kundtun. Diese prüft das Anliegen und meldet denjenigen dann zur Prüfung an. Die Prüfung erfolgt – und das ist seit diesem Jahr neu – zentral hier in Frankfurt am Main in den Räumen des Bundesverbandes.

Wie hat man sich die Vorbereitung auf die Prüfung und die Prüfung selbst vorzustellen?

Kuddusi Yilmaz: Zur persönlichen Vorbereitung ist es ratsam, das Fachwissen aus der Gesellen- und Meisterprüfung mithilfe der entsprechenden Fachliteratur noch einmal aufzufrischen. Hinzu kommen zwei Kurse zur Rechtskunde. Zusätzlich bietet der Bundesverband in Zusammenarbeit mit dem zuständigen Arbeitskreis seit neuestem im Vorfeld eine Infoveranstaltung an, bei der sich die Bewerber vorab einen Eindruck über das Amt und dessen Anforderungen verschaffen können. Die Teilnehmer werden bei dieser Veranstaltung nicht nur informiert, sondern Sie erhalten auch umfängliche Fachliteratur zur Vorbereitung.

Bernd Böttinger: Im Rahmen der Prüfungsvorbereitung gibt es eine Einführungsveranstaltung in Verbindung mit einem Grundlagenkurs. Die Prüfung selbst besteht aus einer schriftlichen Klausur (Tag 1), einem schriftlichen Gutachten zu einem Beispielfall und einer mündlichen Prüfung (Tag 2). Für das schriftliche Gutachten, den sogenannten Beweisbeschluss, haben die Prüflinge im Vorfeld vier Wochen Zeit zur Ausarbeitung. Nach einer umfänglichen Auswertung durch die Prüfungskommission erhalten die Handwerkskammern das Ergebnis. Diese informieren dann die Kandidaten über das Ergebnis und nehmen im Erfolgsfall die Vereidigung vor.

Ist die Tätigkeit als öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger denn auch finanziell interessant?

Bernd Böttinger: Der hohe Aufwand, der mit einem Gutachten verbunden ist, oder auch Auftritte vor Gericht werden angemessen honoriert. Das ist durchaus attraktiv. Der finanzielle Aspekt darf hierbei aber nicht im Vordergrund stehen. Unser fachliches, fundiertes Wissen ist gefragt. Das steht an erster Stelle. Ich sehe die Sachverständigentätigkeit als herausfordernde und interessante fachliche Erweiterung des beruflichen Spektrums, vor allem durch den fachlichen Austausch und die Zusammenarbeit im Kollegium sowie im Arbeitskreis.

Kuddusi Yilmaz: Es ist ja gerade das Wesen der öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen, dass sie unabhängig und frei von wirtschaftlichen Zwängen beraten und beurteilen. Daher darf diese Tätigkeit, auch wenn sie finanziell nicht uninteressant ist, keinesfalls die Haupttätigkeit sein.

Nun sind Sie beide seit langen Jahren als Sachverständige tätig. Würden Sie interessierten Lackiererinnen und Lackierern raten, diesen Weg einzuschlagen?

Bernd Böttinger: Unbedingt! Wer fachlich topfit ist und die persönlichen Voraussetzungen erfüllt, profitiert hier auf jeden Fall. Meiner Erfahrung nach befruchten sich Hauptjob und Sachverständigentätigkeit gegenseitig. Man ist durch die vielseitigen Gutachteraufgaben und die entsprechenden Weiterbildungen immer auf dem Stand des Wissens und erweitert seinen Horizont auch mit Themen, die einem im normalen beruflichen Alltag nicht so häufig begegnen.

Kuddusi Yilmaz: Das kann ich nur bestätigen. Außerdem ist es – wie ich bereits erwähnt habe – für unsere Branche von hohem Interesse, dass dort, wo das Fachwissen von Fahrzeuglackierern gefragt ist, dieses auch von Sachverständigen aus unserer Branche eingebracht wird. Wir sind die Experten und Profis und freuen uns auf Zuwachs. Unser Appell: Wer sich für das Amt interessiert, sollte sich unbedingt bei der zuständigen Handwerkskammer seines Bezirkes melden und bewerben. Unsere Expertise ist uneingeschränkt gefragt. Ich persönlich habe es nicht bereut, ein Teil unseres Netzwerkes zu sein. Wir freuen uns auf Euch.

Herr Yilmaz, Herr Böttinger, vielen Dank für das Gespräch. mr■

www.fahrzeuglackierer.de


Carsten Bialke

„Ich mache die Prüfung zum ö.b.u.v-Sachverständigen, weil ich eine neue Herausforderung in meinem Beruf und Tätigkeitsfeld suche.“


Markus Klitz

„Ich freue mich darauf, als Sachverständiger meine Erfahrung und meinen Sachverstand weiterzugeben und einzubringen.“

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