Schneller, sicherer, flexibler

Lackieranlagen-Trends auf der Automechanika

Einen einheitlichen Trend im Bereich der Lackieranlagen suchte man in diesem Jahr vergeblich. Im Fokus standen bei den hierzulande wichtigsten Playern sehr unterschiedliche Themen: Bei WOLF rückte man den Vorbereitungsbereich in den Blickpunkt, bei SEHON, wo man mit dem Aircommander bereits eine Lösung zur Vorbehandlung der Pistolenluft im Angebot hat, ging man in diesem Jahr noch einen Schritt weiter in diese Richtung. OMIA stellte neben einem optimierten Kabinen-Topmodell den Mischraum in den Fokus. Und in der Halle 11.0 gab es einen Querschnitt an unkonventionellen Smartrepair-Lösungen zu sehen. Doch der Reihe nach …

Sicherheit durch WORK SPACE

Bei WOLF beschäftigte man sich im Vorfeld der Automechanika intensiv mit der neuen DGUV 209–089, die die technischen Voraussetzungen für Universal-Vorbereitungsplätze neu definiert. Im Zentrum des Automechanika-Auftritts stand daher eine neue technische Lösung für diesen Bereich. „Früher war dieses Thema nur unzureichend geregelt“, erklärt Jürgen Sterzik, Vertriebsleiter Oberflächentechnik bei WOLF Anlagen-Technik GmbH. „Für Füller-Applikationen und Spotrepairs wurden bislang lediglich belüftete Vorbereitungsplätze mit Wand- oder Bodenabsaugung gefordert. Spotrepair selbst wurde anhand der zu lackierenden Fläche, dem viel zitierten DIN-A4-Format, definiert. Diese Regelung ging an den Bedürfnissen der Anwender und an dem Sicherheitsanspruch der Berufsgenossenschaft vorbei.“

Die neue DGUV 209–089 definiert für Universal-Vorbereitungsplätze drei Betriebsarten (BA)

  • BA I: Reinigen ohne Lösemittel, Maskieren, Spachteln
  • BA II: Abdunsten, Trocknen mit IR- oder UV-Strahler, Reinigen mit organischen Lösemitteln
  • BA III: Applikation von: Spritzspachtel, Füller, Decklack und Klarlack

Die Betriebsart muss an jedem Arbeitsplatz angezeigt werden. „Für die Betriebsarten II und III wurden nun Mindestluftmengen definiert“, erklärt Jürgen Sterzik, „gleichzeitig wird die Umluftführung bei diesen Betriebsarten verboten, auch wenn Aktivkohlefilter integriert sind.“ Außerdem sollen Sperren und Verriegelungen je nach Betriebsart für Sicherheit sorgen. So soll

  • eine Verriegelung der Applikationsluft bei BA I und II und
  • eine Verriegelung der Spannungsversorgung bei BA III erfolgen.

Plätze für BA III, also die Applikation von Spritzspachtel, Füller, Decklack und Klarlack, müssen außerdem „umseitig Abtrennungen“ haben, also Rollos, Vorhang oder Wände.

 WOLF hat auf diese neuen Vorgaben mit dem Konzept des WORK SPACE reagiert. Jürgen Sterzik: „Durch das WOLF-Terminal oder das WOLF-Terminal S (mit Schlauchaufroller und zentraler Staubabsaugung) können alle Anforderungen der DGUV erfüllt werden. Der Mitarbeiter wird durch übersichtliche Tastenbedienung entlastet undkann keine Bedienfehler machen. Die WORK SPACE-Arbeitsplätze sind hochwertig ausgestattet und verfügen über:

  • Filterdecke oder Zuluftdecke mit Textilschläuchen,
  • Beleuchtung in Kabinenqualität,
  • elektrische Rollos,
  • Betriebsartenleuchte,
  • optional Hebebühnen.

 Die WORK SPACE-Arbeitsplätze sind sowohl als Neubau- als auch als Nachrüstlösung verfügbar.

Schnelle Lacke schneller härten

SEHON präsentierte auf der diesjährigen Automechanika unter anderem die Weltneuheit SE-APPLICATION MANAGER für schnellhärtende und energiearm reagierende Lacke. Diese können jetzt durch die punktgenaue und regelbare Einbringung von Additiven über den SE-APPLICATION MANAGER noch deutlich schneller und prozesssicher aushärten. Die neue Technologie bringt, wie der Anlagenhersteller erklärt, bereits beim Lackiervorgang das gewünschte Additiv über die Druckluft oder Pressluft in die Zerstäubung ein. Dadurch wird der Reaktionsprozess des Lackes sofort beim Versprühen aktiviert. Die Folge davon sind kürzere Reaktionszeiten und dadurch deutlich weniger Energieaufwand im Reaktions- und Trocknungsprozess. Dabei erfolgt kein Aufladen bei der Applikation, jedoch ein Entladen der zu lackierenden Objekte. Durch permanente Spülung sorgt der SE-APPLICATION-MANAGER dafür, dass in Spritzschlauch und Luftkanälen der Spritzpistole keine Staubansammlungen mehr möglich sind. Testreihen mit führenden Lackherstellern haben, wie das Unternehmen berichtet, ergeben, dass sich durch den SE-APPLICATION MANAGER die Härtungszeiten um bis zu 50 Prozent reduzieren. Für den Einsatz dieser Innovation ist kein Umbau der bestehenden Anlagentechnologie notwendig. Auch muss sich der Lackierer in seiner gewohnten Arbeitsweise nicht umstellen.
Außerdem Im Fokus: Die beiden Lackierkabinen SE-ECONOMY und SE-ECONOMY PLUS. Damit baut SEHON sein Lackierkabinen-Angebot weiter aus. Die beiden neuen Kombi-Lackierkabinen sind Modellvarianten der bekannten Hightech-Lackierkabine SE-PROFESSIONAL. Tiemo Sehon: „Dadurch bieten wir SEHON-Technologie auch im mittleren und unteren Preissegment für preisbewusste Kunden, die auf Spitzentechnologie nicht verzichten möchten. So setzen wir ein Zeichen, dass sich preisgünstige Produkte und High-End-Qualität nicht ausschließen müssen.“

Technik plus Service

Bei OMIA, Stammgast auf der Automechanika, zeigte man sich sehr zufrieden mit Messeverlauf und Besucherzuspruch. „Unsere Lösungen zur energiesparenden Lackiertechnik haben sehr starken Anklang bei den Besuchern gefunden“, betonte Joachim Dattner, Verkaufsleiter Deutschland. Das Unternehmen präsentierte neben Lösungen für Multifunktionsarbeitsplätze auch ein modulares Mischraumkonzept. Eine mindestens ebenso wichtige Weiterentwicklung sieht Joachim Dattner aber in einem weiteren Ausbau der Serviceleistungen. „Als Anlagenlieferant sind wir uns bewusst, dass jedes Problem so schnell wie möglich behoben werden muss – die Lackierkabine muss laufen, um Geld zu verdienen. Daher haben wir noch einmal in Service-Manpower investiert.“ Doch auch bei der Versorgung mit neuen Kabinen hat man bei OMIA die Prozesse weiter gestrafft. „Bis Mitte des kommenden Jahres werden wir in der Lage sein, Standard-Kabinen ebenso wie unser Topmodell Luxia 700 innerhalb von drei Wochen nach Auftragseingang zu liefern“, verspricht Dattner.

Speziallösung zur Smartrepairs

Dass ein Trend hin zu Kabinen-Speziallösungen für die Kleinschadenreparatur geht, war auf der Automechanika unübersehbar. Einen kleinen Smartrepair-Schwerpunkt gab es in der Halle 11.0. Ein Spezialist auf diesem Gebiet ist die Firma Carheal (www.carheal.de). Die Carheal-Reparaturanlagen sind für alle äußerlichen Reparaturen vorgesehen, insbesondere „Sofortreparaturen“. So ist das Unternehmen in Holland Partner der Carglass Smartrepairstationen. Eine Carheal-Lösung für die Kleinschadenreparatur stellt das Smart Portal dar. Es verfügt über horizontale Zu-und Abluft und ein dreistufiges Filtersystem. Eine elektronisch ausfahrbare Schutzabdeckung hält beim Lackieren Lacknebel zurück. Auch der schwedische Hersteller Pivab (www.pivab.se/de/) präsentierte auf der Automechanika seine Lösungen zur Kleinschadenreparatur. Dent Tent nennt sich etwa eine flexible Lackierkabine für Pkw-Karosserien und –teile. Auch hier wird beim Lackieren die Umgebung mit einem markisenartig ausfahrbaren Zelt geschützt. Die Luft im Dent Tent bewegt sich vertikal mit 0,2 Metern pro Sekunde. MR