Ivo Rueegg (SUI) und seine Anschieber Thomas Lamparter, Beat Hefti und Cedric Grand. © Raphael Nadler/EQ Images

Neues Material, neue Siege

Bei der Bob-Entwicklung kommt es auch auf die Oberflächen an

Es gibt wohl wenige Sportarten, bei denen das Material ein so großer Erfolgsfaktor ist wie beim Bobsport. Um einen Bob zu bauen, der mit der Weltspitze konkurrieren kann, sind umfangreiche und langfristige Entwicklungsarbeiten notwendig. In der Schweiz ist Mitte des letzten Jahres das Bob-Entwicklungsprojekt CITIUS gestartet, das in enger Zusammenarbeit mit der ETH Zürich und zehn Schweizer Industrie-Unternehmen geführt wird. Das Ziel: An den Olympischen Spielen in Vancouver 2010 sollen die Schweizer Bob-Sportler mit neuem Material neue Siege und Medaillen erreichen.

Werkstoffe sind entscheidend
Für die Materialentwicklung zuständig
ist ein Team von 19 Wissenschaftlern,
Forschern und Entwicklern. Sie arbeiten
unter der Leitung von Christian Reich,
einem ehemaligen Bobfahrer und erfahrenen Schlittenbauer, und von Professor Ulrich W. Suter vom Departement für Materialwissenschaft der ETH Zürich. Von Industrieseite engagieren sich die Forschungs- und Entwicklungsabteilungen von insgesamt zehn Schweizer Unternehmen, darunter sia Abrasives (Schleifsysteme) und Sika (Spezialitätenchemie).
Das größte Potenzial wird auf dem Weg zu einem schnellen Bob in den Werkstoffen gesehen. „In Werkstofffragen hat sich der Bobsport aus der Hobbywerkstatt in ein Reich von tausend Möglichkeiten entwickelt“, erklärt Christian Reich. „Speziell im Kunststoffbereich ist in den letzen zehn Jahren so viel Neues gekommen, dass man vor lauter Bäumen den Wald fast nicht mehr sieht. Auch in den Legierungen beim Stahl ist vieles möglich geworden – und das ohne Gefahr zu laufen, dass etwas nicht dem Reglement entsprechen könnte.“ Kein Wunder, dass im Bereich der Werkstoffe unter Schlittenbauern höchste Geheimhaltungsstufe herrscht.
Windschlüpfrige Oberfläche
„Die Formgebungen im Chassis- und Aerodynamik-Bereich sind für die Konkurrenz dagegen leicht kopierbar“, meint Christian Reich. „Da ist schon eher Taktik gefragt, zu welchem Zeitpunkt wir welche Aerodynamik oder
welches Chassis zum Einsatz bringen.“
Aerodynamik ist auch der Bereich, in dem der Schleifmittelhersteller sia seine Kompetenz einbringt. Denn eines ist klar: Je glatter die Oberfläche, desto geringer der Luftwiderstand und desto schneller der Schlitten. „CITIUS verbindet die Eidgenössische Technische Hochschule Zürich mit führenden Schweizer Industrieunternehmen, so auch mit sia Abrasives“, erklärt Peter A. Schifferle, Verwaltungsratspräsident sia Abrasives Holding AG. „Know-how fließt dabei hin und her – letztlich zum Nutzen unserer Kunden.“
Ende Oktober 2008 konnte der erste Prototyp in der Lackiererei von Hirn Automobile AG in Oberriet beschichtet werden – im leuchtenden Gelb des Hauptsponsors sia. Damit die Schale des neuen Bobs eine optimale Grundlage bietet, wurde sie drei volle Arbeitstage lang gespachtelt und geschliffen. Danach versah Lackierer Toni Stieger die drei Bauteile (Vorder- und Hinterteil sowie eine Stütze) mit einer leuchtenden Schicht aus wasserlöslichem, elastifiziertem Spezial-Lack. Wie schnell der Bob ist und wie weit man auf dem Weg nach Vancouver 2010 ist, werden die ersten Tests zeigen – zunächst im Wind- und dann im Eiskanal. MR