Die Formel 1 der Lackierung

Die Lackierung der Formel 1-Fahrzeuge stellt                           höchste gestalterische und technische Anforderungen

Seit ein paar Wochen drehen sie wieder ihre Runden, die Fahrzeuge der neuen Formel 1-Saison. Bei der Präsentation ist jedesmal die Spannung groß. Wie wurden die technischen Modifikationen umgesetzt, wie wurden neue Elemente wie in diesem Jahr der kontrovers diskutierte Kopfschutz „Halo“ integriert? Mindestens ebenso interessant: Welche Farbdesigns zeigen die Teams? Welche Lösungen haben sie für die nicht immer einfache Aufgabe gefunden, Hersteller- und Teamfarben, die Hausfarben der Sponsoren und zahlreiche Logos zu einem harmonischen Ganzen zu verbinden? Die Lackierung muss in der Formel 1 aber nicht nur optischen, sondern auch hohen technischen Ansprüchen genügen. Einige bekannte Autolackmarken sind als offizielle Lackpartner intensiv an der Weiterentwicklung für die Beschichtung in der Formel 1 aktiv.

Primärfarbton Papaya

Seit 2008 arbeiten McLaren und AkzoNobel eng zusammen; in diesem Jahr wurde AkzoNobel zum ersten Mal der offizielle Ausrüster im Bereich Lack für das McLaren Formel 1-Team. McLaren setzt seitdem für Formel 1-Wagen die AkzoNobel Premiummarke Sikkens ein. Der neue McLaren nennt sich MCL33 – und ist nicht zuletzt dank seines Primärfarbtons Papaya Spark unübersehbar. Der Farbton wurde in enger Zusammenarbeit mit McLaren entwickelt. Die ebenfalls bei den neuen Formel 1-Wagen vertretenen Farbtöne
Burton Blue und Cerulean Blue sind eine Hommage an die Renngeschichte von McLaren: McLaren verwendete
Papaya erstmals 1968 – eine Entscheidung des Gründers Bruce McLaren. „Unser Antrieb ist es, stets innovative Technologien zu entwickeln. Diese neue und moderne Beschichtung ist ein weiterer Meilenstein unserer Innovationsgeschichte“, so Peter Tomlinson, Leiter des AkzoNobel Geschäftsbereichs Automotive and Specialty Coatings. „Es ist großartig, mit einem Partner wie McLaren zusammenzuarbeiten und wir sind sehr stolz auf die zehnjährige Partnerschaft.“ McLaren setzt in Sachen Farbtöne, Widerstandsfähigkeit und Leistung auf die Lacktechnologien von AkzoNobel. Was die Beschichtung angeht, sind dies die wesentlichen
Elemente für ein erfolgreiches Formel 1-Rennen. Durch die innovativen Lacksysteme von AkzoNobel konnte das McLaren Formel 1-Team das Gesamtgewicht der Lackierung deutlich reduzieren und die Verarbeitungszeit um über 50 Prozent verkürzen. „Die Zusammenarbeit mit AkzoNobel ist ein Beispiel dafür, wie eine langfristige Partnerschaft Ingenieure und Wissenschaftler ständig herausfordern und inspirieren kann“, so Jonathan Neale, Chief Operating Officer, McLaren Technology Group.

Beim neuen McLaren Lacksystem kommen einige Technologien von Akzo-
Nobel zum Einsatz, die sich auch im Reparaturbereich bewährt haben – von der UV-trocknenden Füllertechnologie über modernste Wasserbasislacke bis hin zu einem superschnell trocknenden Klarlack – und das alles bei deutlich weniger Emissionen. Sikkens unterstützte McLaren dabei, die Spitzenposition beim Thema Nachhaltigkeit für die neue Formel 1-Saison zu übernehmen.

Leicht und schön

Eines der traditionsreichsten und schönsten Designs trägt in dieser Saison erneut der Williams FW41. Man sollte den Anblick genießen, denn im nächsten Jahr wird eine Umgestaltung fällig sein. Martini, Urgestein im Motorsport-Sponsoring, wird, so heißt es, sein Engagement beenden. Ebenfalls schon lange in der Formel 1 unterwegs ist PPG. Seit nunmehr 15 Jahren ist man offizieller Lackpartner von Williams Martini Racing. Die Partnerschaft hat durchaus auch eine technische Komponente, denn wie immer im Motorsport geht es in der Formel 1 ums Gewicht. Mit dem von PPG entwickelten Lacksystem ist es gelungen, das Gewicht der Lackschicht um 48 Prozent zu reduzieren. 36 verschiedene Lackaufbauten wurden getestet, um die perfekte Formel zu finden. Jedes Karosserieteil wurde während der Entwicklungsphase vor und nach dem Lackieren gewogen, um sicherzustellen, dass das Zielgewicht nicht überschritten wird. Ganz neu wurde ein seidenmattes Finish entwickelt, welches das traditionell für Rennfahrzeuge typische Hochglanz-Finish ersetzt. „Wir sind stolz auf unsere langjährige Zusammenarbeit mit dem Williams Martini Racing-Team“, betont
Patricia Phountoucos, bei PPG Communications and Branding Manager EMEA, „und freuen uns darüber, 2018 gemeinsam einen weiteren Meilenstein geschafft zu haben.“ „Wir schätzen den Beitrag, den PPG für uns leistet, hoch ein“, erklärt Paddy Lowe, Chief Technical Officer bei Williams Martini Racing. „Die Chance, die schnellste Rundenzeit zu erzielen, erhöht sich mit der Menge an Gewicht, das wir an der Lackierung einsparen. Außerdem finden wir, dass wir das schönste Auto im ganzen Teilnehmerfeld haben.“

Alfa-Rot und Weiß

Mit Spannung erwartet wurde das Comeback von Alfa Romeo in Form einer technischen Kooperation mit dem Sauber-Team. Alfa Romeo Sauber C37 nennt sich das rot-weiße Gefährt. Mehr oder weniger unsichtbarer Dritter im Bunde ist Ferrari als Motorenlieferant. Mit Alfa Romeo feiert auch das „Quadrifoglio“, das vierblättrige Kleeblatt ein Comeback. In den 20er-Jahren erschien das Glückssymbol das erste Mal auf Alfa Romeo- Rennfahrzeugen.

Rosaroter Panther

Das auffälligste Design trägt erneut das Team Force India. Ganz in Pink präsentiert sich sein VJM 11. Die auffällige Farbe wählte der britische Rennstall auf Wunsch von Sponsor Best Water Technology Group (BWT). Wie das Motorsport-Portal Speedweek berichtet, scheiden sich an der Farbe die Geister, so soll BWT im Vorfeld auch mit anderen Teams, unter anderem Toro Rosso und Sauber über ein Sponsoring gesprochen haben, mit dem Wunsch nach einem ganz in Rosa gehaltenen Wagen allerdings auf Granit gestoßen sein.

Technisch nüchtern

Eine weniger kontroverse Firmenfarbe trägt der Haas VF 18. Das technisch nüchterne Design des Wagens ist ganz in Grau, Schwarz und Rot gehalten – den Firmenfarben von Haas Automo-
tive. Das „V“ in der Typbezeichnung VF-18 steht für „vertikal“. Teambesitzer Gene Haas ist einer der größten Produzenten für computergesteuerte Fertigungsmaschinen, seine erste „verti-
kale“ CNC-Fräsmaschine hieß VF-1.

Blauer Testballon

Eine Überraschung in Sachen Lackierung deutet sich bei Red Bull, in dieser Saison erstmals mit Titelsponsor Aston Martin am Start, an. Zur Präsentation im Februar präsentierte sich der RB 14 in ungewohntem Blau-Silber-Look. Die coole Lackierung blieb aber eine „Spe-cial Edition“. Bei den wenig später stattfindenden Wintertestfahrten in Barcelona trug der Red Bull wieder seine gewohnten Farben Blau, Gelb und Rot. MR