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Alles aus einer Hand beim Schleifmittelhersteller Rupes in Italien

Besuch bei Polier- und Finishspezialist Rupes in Italien
Alles aus einer Hand

Werkzeugspezialist Rupes hat sich dynamisch entwickelt und ist zum Systemlieferanten für Schleif- und Finishlösungen geworden. Wir besuchten das norditalienische Unternehmen.

Die Vergangenheit ist, wenn man den Unternehmenssitz von Rupes im lombardischen Vermezzo con Zelo betritt, sehr gegenwärtig. Gleich neben dem Begrüßungscounter liegt das liebevoll eingerichtete Werksmuseum des Werkzeugherstellers. Bedeutende Entwicklungen der Unternehmensgeschichte sind hier zu sehen, die erste Schleifmaschine mit Kunststoffgehäuse etwa, der erste Exzenterpolierer oder eine Kombimaschine aus den 50 Jahren, die man einfach umdrehte, um vom Schleif- in den Poliermodus zu wechseln. Daneben stilecht arrangiert Konstruktionszeichnungen, Prospekte, Bilder und Mobiliar aus der Zeit der Firmengründung.

Einen Zeitensprung in die Gegenwart bietet die im selben Gebäude beheimate Montagehalle, wo Maschinenteile, die fast ausschließlich von Rupes selbst oder von Tochterunternehmen gefertigt wurden, zusammengesetzt, überprüft und versandfertig gemacht werden.

Einen Ausblick auf die Zukunft des 1947 gegründeten Familienunternehmens geben zwei Hallen, die nur wenige hundert Meter vom Stammsitz entfernt sind. Hier wurden in den letzten Jahren brandneue Produktionslinien für Polierpads und Polituren geschaffen. Der Bereich Verbrauchsgüter wächst so dynamisch, dass die neuen Linien schon mehrfach ausgebaut und erweitert wurden. Wir sprachen mit Roland Martin (RM), bei Rupes Verkaufsleiter Mitteleuropa, und dem Leiter Marketingkommunikation Andrea Bruciaferri (AB) über Finishlösungen, Markttrends und neue Entwicklungen bei Rupes.

Herr Martin, Herr Bruciaferri, beim Namen Rupes denkt man in Deutschland vor allem an Finishlösungen, Ihr Portfolio ist, wie man hier sieht, aber viel breiter. Wo liegen die Schwerpunkte im Programm und mit welchen Lösungen möchten Sie im deutschsprachigen Raum erfolgreich sein?

AB: Rupes bietet ein breites Programm an Schleif- und Finishprodukten, für die Lackiererbranche sehr wichtig sind aber auch die vielfältigen Lösungen zur Staubabsaugung, vom kleinen Koffer-Sauger bis hin zu komplexen Lösungen von zentralen Absauganlagen. Eine neue Erweiterung in diesem Bereich stellen die unter dem Einfluss der Covid-Pandemie entwickelten Lösungen zur Luftreinhaltung dar. Der Eindruck täuscht aber nicht, dass insgesamt das Thema Finish bei Rupes eine beherrschende Rolle spielt. Ein deutliches Indiz dafür ist unsere vor einigen Jahren gestartete Produktion von Finish-Verbrauchsartikeln. Wir dürften damit der einzige Anbieter sein, der von der Maschine bis zur Politur wirklich alles aus eigener Fertigung anbietet.

Warum ist das so wichtig?

RM: Wir haben mit der Bigfoot-Linie im Bereich der Poliermaschinen einige echte Technologiesprünge gemacht, es gibt rotative und exzentrische Maschinen wie unsere Dual- und Triple-Action-Maschinen, die mehrere Bewe- gungsarten kombinieren. Wie Pads und Polituren also beschaffen sein müssen, um unser Maschinen-Knowhow optimal auf die Oberfläche zu bringen, hat uns immer schon beschäftigt. Heute sehen wir den Finishprozess mehr denn je als System und unsere Kunden vollziehen diesen Systemgedanken offenbar nach. Innerhalb relativ kurzer Zeit haben wir es geschafft, dass das Zubehör einen wichtigen Teil zum Gesamtumsatz beiträgt.

Sie sprachen die Fülle an Poliermaschinen und dazu passenden Pads und Polituren an – wie breit muss das Portfolio an Finishlösungen denn beim Kunden sein?

AB: Finish ist nicht gleich Finish. Wir müssen zwischen zwei Kundengruppen unterscheiden. Da sind zum einen die Detailer, Spezialisten für die Aufbereitung von Oberflächen, die Fahrzeuge erhalten, um wieder einen perfekten Glanz zu erreichen. Diesen Spezialisten stellen wir für jeden möglichen Anwendungsfall Maschinen, Pads und Polituren zur Verfügung, mit denen sie das optimale Ergebnis erzielen.

RM: Beim Lackierer stellt sich das Thema Finish in der Regel ganz anders dar. Er wird dafür bezahlt, einen Schaden zu beseitigen und eine einwandfreie Lackierung abzuliefern. Finish hat hier zwei Funktionen: Einmal geht es darum, unvermeidliche Fehlstellen in der neuen Lackierung, hier mal einen Staubeinschluss, da mal einen kleinen Läufer, zu eliminieren. Die andere
Finishanwendung besteht darin, die vorhandene Oberfläche an die frisch lackierte anzupassen, in der Regel aufzupolieren, sodass ein harmonisches Gesamtbild entsteht. Beides wird vom Kunden üblicherweise nicht bezahlt, oft nicht einmal wahrgenommen.

Welche Konsequenzen hat das für die entsprechenden Finishlösungen?

RM: Wir müssen hier mit einem möglichst schlanken Portfolio in kürzester Zeit ein sehr gutes Ergebnis erzielen. Extrem wichtig ist es auch, dass wir mit einem möglichst einfachen und immer identischen Prozess zum Ziel kommen, sodass nicht nur ausgesprochene Finish-Spezialisten erfolgreich sind.

Was bedeutet das ganz konkret? Welche Ausstattung, welchen Prozess würden Sie empfehlen?

RM: Wir möchten keine konkreten Produkte vorschreiben, da die Vorlieben der Anwender unterschiedlich sind, aber eine grundsätzliche Richtung ist klar: Als Maschine empfehlen wir, um vor Hologrammen sicher zu sein, einen Exzenterpolierer aus unserer BigFoot-Reihe. Dazu kommen Pads in unterschiedlicher Härte und zwei Polituren. Ziel ist es, in aller Regel in einem einstufigen Prozess zum Ziel zu kommen. Das heißt: ein Poliervorgang, ein Pad, eine Politur. In manchen Fällen, zum Beispiel bei schwarzen Lackierungen, kann ein zweiter Polierschritt notwendig sein.

Sprechen wir über die Poliermaschinen selbst. Welche Trends gibt es da?

RM: Eine Maschine, die gleich für mehrere aktuelle Entwicklungsrichtungen steht, ist zum Beispiel unsere BigFoot iBrid Nano.

Inwiefern?

RM: Zum einen durch den geringen Poliertellerdurchmesser von 30 oder 50 Millimeter. Wir kommen damit dem Wunsch der Anwender nach, eine möglichst kleine Arbeitsfläche zu erreichen. Zum anderen dadurch, dass diese Maschine trotz ihrer Kompaktheit drei Funktionsbewegungen bietet, also sehr vielseitig ist.

Und drittens ist sie akkubetrieben – auch das dürfte ja ein Trend sein …

AB: Richtig, allerdings gibt es bei Rupes keine ausschließlich akkubetriebenen Maschinen. Alle unsere Akkumaschinen sind Hybrid Tools, können also auch über ein Netzteil betrieben werden, die Anwender sind in dieser Hinsicht komplett flexibel.

Sind dem Trend zu akkubetrieben Maschinen denn auch Grenzen gesetzt? Zum Beispiel bei der Größe?

AB: Im Grunde geht es darum, einen guten Mix aus Handling, Ergonomie, Balance, Leistung und Laufdauer zu haben. Da die Entwicklung bei den Akkus sehr schnell voranschreitet, ist es möglich, auch bei größeren Maschinen eine Mischung zu erreichen, die den Ansprüchen von professionellen Anwendern genügt, egal, ob sie nun reine Detailer oder Fahrzeuglackierer sind.

Wie entwickeln sich denn diese beiden Märkte derzeit aus Ihrer Sicht?

RM: Der Detailingmarkt hat sich in den vergangenen Jahren sehr stabil entwickelt. Die Aufbereitung von sehr hochwertigen Fahrzeugen und Oldtimern wird stark nachgefragt, dazu kommen Finisharbeiten bei Gebrauchtwagen, die verkaufsfertig gemacht werden. Wir sind der Meinung, dass der Detailingmarkt aufgrund aktueller Entwicklungen sehr stark wachsen wird.

Warum?

RM: Rohstoff- und Teileknappheit in Verbindung mit der wirtschaftlichen Situation dürften dazu führen, dass Fahrzeuge länger gefahren und dafür intensiver gepflegt werden, teils, weil sich Lieferzeiten für Neufahrzeuge verlängern, teils, weil Kaufentscheidungen hinausgeschoben werden.

Und der Fahrzeuglackierer-Markt?

RM: Hier bestehen im Grunde dieselben Wachstumschancen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass Lackierer Finish und Aufbereitung nicht mehr nur als Gratis-Abrundung eines Reparaturauftrags, sondern als verkaufbare Dienstleitung, als Zusatzgeschäft verstehen. Die Voraussetzungen dafür sind gut, denn es gibt Synergien zwischen Reparatur und Aufbereitung. Die Kompetenz ist da. Wir verstehen unsere Aufgabe darin, Lackierer mit einem schnellen, zuverlässigen und kompakten Finish-System zu unterstützen.

Herr Martin, Herr Bruciaferri, vielen Dank für das Gespräch.

mr ■

www.rupes.com


Roland Martin

„Wir verstehen unsere Aufgabe darin, Lackierer mit einem schnellen, zuverlässigen und kompakten Finish-System zu unterstützen.“

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