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Keine Experimente beim Finish

Technik
Keine Experimente beim Finish

Der Finish-Prozess ist für die Qualität des Lackierergebnisses entscheidend. Wer hier spart, spart am falschen Ende. Scholl Concepts-Geschäftsführer Frank Scholl hat uns erklärt, warum.

Scholl Concepts bietet langjährige Erfahrung im Bereich Politur und Finish. Dabei produzieren die Spezialisten nicht nur Pasten, sondern auch Pads und bedienen damit als Systemanbieter sowohl die Industrie als auch Handwerksunternehmen.
Bei einem Besuch am Stammsitz in Remseck bei Stuttgart haben wir Geschäftsführer Frank Scholl gefragt, welche Produkte für ein glänzendes Ergebnis sorgen, wie viel Know-how für eine perfekte Politur notwendig ist und welchen Stellenwert Finish in der Autoindustrie und im Handwerk genießt.


„Uns liegt besonders die Wertschätzung des Themas Polieren am Herzen.“ Frank Scholl (Foto: M. Rehm)

Herr Scholl, Ihr Unternehmen stellt bereits seit 1962 Produkte für den Finish-Bereich her. Wie hat sich der Markt über die Zeit verändert und welche Entwicklungen sind ganz aktuell zu erkennen?
Ganz aktuell steigen, wie auch bei anderen Werkzeugen, viele Lackierer und Aufbereiter auf Akku-Poliermaschinen um. Auch geht der Trend hin zum exzentrischen Polieren mit hohen Hüben. Bei den Pads werden immer häufiger kleine Scheiben unter 80 Millimeter Durchmesser verwendet. Als Material für die Pads werden synthetische Faserstoffe bzw. Mikrofasern bevorzugt. Bei den Polituren denken wir immer an die Zukunft. Neben einer hohen Performance ist uns daher auch der ökologische Aspekt sehr wichtig. Besonders stolz sind wir deswegen auf unsere zu 100 Prozent VOC-freie Paste, mit der wir unseren Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten möchten.

Und welche Trends gibt es im Gesamtmarkt Finish?
Der ist unter anderem durch die vielen Webshops sehr schwierig geworden – auch für den Anwender.

Wie meinen Sie das?
Es gibt im Massenmarkt zwar ständig neue Produkte, aber fast alle bieten die gleichen Standard-Pads an – manchmal hat man den Eindruck, dass es nur um die Farbe des Pads geht. Und natürlich um den tiefsten Preis.

Wie geht Ihr Unternehmen mit dieser Situation um?
Wir konzentrieren uns auf hochwertige Profi-Produkte, sind nah an den Kunden und erklären das Thema Polieren so, dass es jeder versteht. Dabei sind wir sowohl mit der Marke Scholl als auch mit dem dynamischen Private-Label-Bereich weltweit aufgestellt. Wir haben das große Ganze im Blick, das heißt Pasten, Pads und – ganz wichtig – die passende Anwendungstechnik.

Seit 2007 erweitern eigene Pads das Angebot. Wie wichtig ist es, Pads und Politur herzustellen? Gibt es dadurch Vorteile?
Es ist der Kern unseres Geschäftsmodells. Wir sind diejenigen, die das Konzept zusammenbringen und verkaufen – daher der Name Scholl Concepts. Pads und Pasten getrennt voneinander zu betrachten, halte ich für beinahe unmöglich. Wir haben zum Teil Pasten, die sich mit manchen Schwämmen gar nicht verarbeiten lassen – oder nur mit ganz anderen Ergebnissen. Man muss sowohl im Pad- als auch im Politurbereich Entwicklungsarbeit leisten. Genau hier liegt unser Wettbewerbsvorteil.

Welchen Stellenwert hat denn Ihrer Erfahrung nach das Thema Finish?
Wir sehen hier zwei sehr gegensätzliche Entwicklungen. Zum einen gibt es immer mehr Leute, die sich intensiv mit dem Thema Finish beschäftigen. Um das zu erkennen, muss man sich zum Beispiel nur einige der tausend YouTube-Tutorials zum Thema „Detailing“ ansehen. Da gibt es richtige „Finish-Freaks“ die jede neue Maschine und jedes Produkt auf dem Markt austesten. Ganz anders sieht der Stellenwert des Themas in der Lackiererei aus, wo die Mitarbeiter im Finish oft unterqualifiziert und schlecht bezahlt sind.

Warum ist das so?
Die Inhaber setzen hier leider die völlig falschen Prioritäten. Die teuerste Pistole und Trocknungsanlage ist gerade recht, aber beim Finish wird oft gespart – sowohl an Materialien und Werkzeugen als auch an den Mitarbeitern. Häufig sind dort diejenigen zugange, denen man höherwertige Jobs nicht zutraut. Hier sollte man den Entscheidungsträgern die Augen öffnen. Die Meister oder Firmenchefs sollten einmal den Finish-Prozess am Ende der Wertschöpfungskette bei der Reparaturlackierung eigenhändig übernehmen. Dann erkennen sie sehr schnell, was in den vorgelagerten Prozessen versäumt oder falsch ausgeführt wurde. Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass diese Maßnahme in den meisten Fällen für die Entscheidungsträger sehr heilsam war. Anschließend erhält das Finish-Thema sehr schnell einen anderen Stellenwert.

Sie sagen, bei Finish-Produkten wird gespart – könnten Sie da ein Beispiel geben?
Wir diskutieren im Profibereich über Preise von Polierscheiben … das ist doch verrückt! Stellen Sie sich vor: Ein Premiumschwamm kostet 10 bis 15 Euro, ein günstiger fünf Euro, die Differenz liegt also bei sieben, acht Euro. Dafür habe ich mit einem minderwertigen Pad Finish-Zeiten, die zwei- bis dreimal so lang sind. So wird in ein, zwei Stunden weit mehr Geld vernichtet, als die Investition in ordentliches Material gekostet hätte.

Beim Thema Lackfinish gibt es also ein Wissensdefizit in den Werkstätten?
Wenn man in viele Betriebe hineinschaut, bekommt man zum Teil genau diesen Eindruck. Nur wenige verfügen über ein fundiertes Know-how. Kaum einer kann verständlich erklären, welche Paste mit welchem Pad verarbeitet werden sollte, geschweige denn, welche physikalischen Gesetze beim Polieren herrschen. Leider wird dann oft nur nach dem Bauchgefühl gearbeitet. Und aus dem riesigen Angebot an Pads, Pasten und Maschinen stellt sich jeder Anwender jeweils seinen Baukasten zusammen. Dabei braucht es für ein professionelles Ergebnis wirklich nicht viel …

Wie viele Produkte sind denn wirklich sinnvoll, um das tägliche Finish-Geschäft abzudecken?
Im Prinzip ist man mit zwei unterschiedlichen Pads und zwei Pasten bestens ausgestattet. Zum einen benötigt man eine relativ grobe, aggressive Paste, mit der man angeschliffene Stellen beseitigt und gleichzeitig einen guten Glanz erzeugt. Für die Verarbeitung eignet sich am besten ein harter, hochabrasiver Schwamm mit einer hohen Stauchhärte. Für das perfekte Finish empfehlen wir eine Anti-Hologramm-Paste. Diese feine Paste sollte mit einem ebenfalls harten bzw. festen, aber feinporigen Schwamm verarbeitet werden. So lassen sich letzte Swirls und Mikrokratzer entfernen und die Oberfläche ist perfekt. Zu einem schnellen und sicheren Finish-Prozess zu kommen, ist wirklich nicht schwierig!

Welchen Rat würden Sie dazu den Lackierern mit auf den Weg geben?
Schauen Sie sich genau Ihren FinishProzess an, machen Sie Versuche, besuchen Sie eine Schulung und testen Sie aus, wie das beste Resultat erzielt wird. Am Ende muss ein klar definierter, kurzer und effizienter Finish-Prozess stehen. Und wenn Sie den gefunden haben, bleiben Sie dabei, der Materialpreis spielt dabei keine übergeordnete Rolle – Finish ist kein Fall für Experimente!
Herr Scholl, ich danke Ihnen sehr für das Gespräch.

Herr Scholl, ich danke Ihnen sehr für das Gespräch. eb

www.schollconcepts.com

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