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BBS Stadthagen geht bei Nachwuchswerbung neue Wege

BBS Stadthagen
Nachwuchs aus dem Netz

Um junge Leute für den Lackiererberuf zu interessieren, muss man sie dort abholen, wie sie sich aufhalten – und das ist in den sozialen Netzwerken. Die BBS Stadthagen leistet bei der Nachwuchswerbung Vorbildliches.

Nachwuchs finden ist schwer heutzutage – doch es geht, wenn man auf moderne Strategien setzt. Die Berufsbildende Schule Stadthagen konzentriert sich bei der Nachwuchswerbung seit Neuestem auf die Ansprache potenzieller Auszubildender in den sozialen Medien. Dabei setzt sie auf das Engagement der Lehrer und Schüler, auf motivierende Posts – und auf prominente Influencer aus der Szene. Wir sprachen mit den Fachlehrern Andreas Dudda und Viktor Wolf, die das Projekt initiierten.

Herr Dudda, Herr Wolf, wo sehen Sie aktuell das größte Problem beim Nachwuchs im Handwerk?

Wolf: Es ist ganz klar ein Imageproblem. Junge Leute wissen kaum über die Vielfältigkeit des Berufes Bescheid. Stolz und Spaß werden leider viel zu wenig transportiert. Wir merken seit Jahren, dass es an gut ausgebildetem Fachpersonal und allgemein an Nachwuchskräften fehlt. Und genau hier versuchen wir jetzt aktiv gegen vorzugehen.

Sie werben seit einiger Zeit gezielt über die sozialen Medien für ihre Schule und damit natürlich für das Handwerk. Was war Ihre Grundidee?

Wolf: Erst einmal wollten wir auf uns aufmerksam machen und sagen „Hey, schaut mal, hier sind wir und das bieten wir“. Wir sind eine sehr ländliche Schule und kämpfen sehr damit, überhaupt die Klassen zu füllen. Wir wollen auch zeigen, dass wir als Schule da sind, dass wir unterstützen bei der Suche nach einer Ausbildung oder einem Ausbildungsplatz. „Trau dich“, lautet unser Motto, „mach den ersten Schritt!“

Welchen Kanal nutzen Sie für diese Art der Nachwuchswerbung?

Dudda: Wir konzentrieren uns ganz klar auf Instagram, weil hier die Zielgruppe unterwegs ist, die wir erreichen müssen, wenn wir Nachwuchskräfte für das Handwerk gewinnen möchten. Facebook ist hier schon fast out.

Wolf: Ich höre von unseren Schülern immer wieder, welche Youtuber oder Influencer sie als Vorbild haben. Diese Motivation lässt sich doch nutzen, wenn wir zeigen, wie solche Leute ihre Onlinepräsenz mit ihrer handwerklichen Arbeit kombinieren. So kann man auch Stolz auf das eigene Handwerk dokumentieren. Und genau da wollen wir mit unseren Aktionen anknüpfen, unm bei der Nachwuchswerbung für unser Handwerk erfogreich zu sein.

Welches Konzept haben sie dafür?

Dudda: Wir selbst beschreiben unsere Kampagne mit dem Motto „Die Kraft der Bilder“. Gerne gehen wir auch mal provokant mit „dem Kopf durch die Wand“. Wir wollen begeistern – mit viel Persönlichkeit und echten Emotionen. Es geht um Bilder und Slogans, die im Gedächtnis bleiben. Die Kids schauen sich am Tag hunderte Bilder an, wenn sie durch ihren Instagramfeed oder die Stories gehen. Wenn hier wenigstens ein Post, ein Bild oder ein Slogan im Kopf hängen bleibt, haben wir schon etwas erreicht. Wir wollen hier möglichst viele Leute mit ins Boot holen, die zeigen, was man erreichen kann und wie schön die Berufe sind. Und wir wollen Reichweite steigern. Da sind wir über jede Erwähnung, jeden Like und Repost dankbar.

Einige Ihrer Unterstützer sind ziemlich bekannt in der Lackiererszene, richtig?

Dudda: Wir sind sehr froh, dass uns Leute wie Danny Schramm oder René Turrek so tatkräftig unterstützen, weil diese Personen eine Inspiration für junge Leute sind. Sie werden respektiert für ihre Arbeit und ihr Können. Das motiviert auch, in deren Fußstapfen zu treten.

Das erfordert zu Beginn sicherlich viel Eigeninitiative?

Dudda: Wir beide sind damit gestartet und haben das in die Hand genommen. Jetzt sind wir soweit, dass wir intern kleine Workshops anbieten, um auch den Lehrerkollegen Instagram nahezubringen.

Wie schwer hat Corona Sie im Bereich Nachwuchswerbung getroffen?

Dudda: Aufgrund der Pandemie fielen schon mal alle Möglichkeiten weg, in direkten Kontakt mit potenziellen Auszubildenden zu treten. Das macht es besonders schwer. Wir als Lehrer kämpfen damit, dass wir kaum mehr die Klassen voll bekommen. Die Folge ist, dass Stufen zusammengelegt werden. Plötzlich hat man Schüler mit ganz unterschiedlichem Niveau. Das ist nicht der Sinn einer guten fachlichen Ausbildung.

Können Sie aus der aktuellen Lage auch etwas positives ziehen?

Wolf: Auf der anderen Seite haben uns Lockdown und Homeschooling im Bereich Digitalisierung gute drei Jahre nach vorne katapultiert – gezwungenermaßen. Natürlich war es auch bei uns am Anfang alles etwas schwierig, aber mittlerweile …

Welches Fazit können sie bisher ziehen?

Wolf: Ich denke wir können für alle Lehrer – und auch Schüler – sprechen, wenn wir sagen, dass wir sehr zufrieden sind. Es gibt tolles Feedback aus der Szene und das motiviert uns natürlich, weiterzumachen. Wir haben noch viele Ideen, um das aufs nächste Level zu bringen.

Dudda: Schon in der ersten Woche hatten wir drei Anrufe von jungen Leuten, die sich bezüglich einer Ausbildung an uns gewandt haben. Erst letztens hatten wir einen Post mit dem Aufruf „Werdet Fahrzeuglackierer“ – kurze Zeit später hat sich eine junge Dame bei uns gemeldet und gesagt, dass sie durch den Post tatsächlich Interesse an der Ausbildung bekommen hat. Das ist wohl die schönste Bestätigung.

Herr Dudda, Herr Wolf, ich danke Ihnen für das Gespräch und bin überzeugt, dass dank Ihrer Motivation und Ihrem Engagement viele Schulen Ihrem Beispiel folgen werden. eb

www.bbs-stadthagen.de


Andreas Dudda

„Wir selbst beschreiben unsere Kampagne mit dem Motto Die Kraft
der Bilder.“


Viktor Wolf

„Lockdown und Homeschooling haben uns im Bereich Digitalisierung drei Jahre nach vorne katapultiert.“

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