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Freehand, Freestyle

Kreativtechniken
Freehand, Freestyle

Wie kommt das Airbrush auf den Lamborghini? Ein Lackprojekt zwischen Kunst, Kommerz und Leidenschaft.

Es ist eine Auftragsarbeit, die Airbrush-Profi Marco Herold aus Hamburg zur Pistole greifen lässt. Sein Kunde: der Werkstattausrüster part. Der Vertriebspartner für sia Schleifmittel, Sika Kleb- und Dichtstoffe sowie von Bosch Power-Tools startet eine neue Anzeigenkampagne. Im Mittelpunkt steht die Kunst des Lackierens. „Wir zeigen in den Motiven, was solides Handwerk kann, welche Vielfalt darin liegt, und stellen einen Bezug zum Automobil her“, betont Geschäftsführer Jochen Gaukel. „Die Werbung tritt dabei ganz bewusst in den Hintergrund.“

Im Hamburger Atelier von Marco Herold wird die Kreativität des Lackierhandwerks gelebt; Tag für Tag. Speziell Motorräder kommen dem 31-jährigen vor die Airbrush-Pistole. Doch egal, welche Auftragsarbeit erledigt wird, hier gilt: Hauptsache individuell, Hauptsache kreativ. Der gefragte Airbrush-Profi lackiert eine Vielzahl unterschiedlicher Motive. „Der Beruf und die Arbeit mit dem Lack ist meine Leidenschaft“, erzählt der gelernte Zweiradmechaniker, der vor fünf Jahren seine Passion zum Beruf gemacht hat. Für ihn liegen Kunst und Kommerz eng beieinander: „Gerade der Lackierer hat einen kreativen Beruf, den er im Alltag in der Werkstatt effektiv, zielgerichtet und im Sinne des Auftrags umsetzen muss.“
Genauso geht auch Marco Herold an den Auftrag der part GmbH heran. Das Konzept: Erst erstellt der Airbrusher im Original das Motiv auf einer Aluplatte. Parallel organisiert der Anwendungstechniker des Werkstattausrüsters Dirk Hansen ein Shooting im Hamburger Karosserie- und Lackierbetrieb von Inhaber Andreas Jensen. Vor der Linse der Fotografin steht sein Lamborghini Diablo. Das seinerzeit schnellste Serienfahrzeug der Welt bildet die Leinwand für das Airbrush. Später werden beide Motive am Computer zusammengefügt.
„Dieses Projekt ist vor allem deshalb so spannend, weil viele handwerkliche Tätigkeiten zusammenspielen“, findet Betriebsinhaber Andreas Jensen. „Fotografie, Airbrush-Technik, Grafikdesign – heute gibt es kaum noch Grenzen. Moderne Lackkunst lässt sich eben auf ganz verschiedene Weise zum Ausdruck bringen.“
Akribisch bis ins Detail
Doch alles dreht sich am Ende um die Lackierung. Das Motiv der Zielflagge und die Effekte bringt Airbrusher Marco Herold auf eine grundierte Aluminiumplatte auf. Auch hier wird gefüllert, getrocknet, angeschliffen und silbern lackiert. Auch hier sind die Umrisslinien der Lackierung aufgebracht. Maßstabsgetreu, passend zur Markierung auf dem Lamborghini. „Nach einem Gang Klarlack und dem Anschliff wird der vorgeschnittene Maskierfilm mit den geplotterten Motiven aufgebracht“, beschreibt der Künstler seine Arbeit. Dann wird der innere Teil ausgeschnitten und weiß lackiert – die Fläche der Zielflagge. „Ich nehme ein Dunkelweiß, damit sich später mit dem Hellweiß die Highlights besser setzen lassen“, erklärt Herold.
Während der Airbrush-Künstler in seinem Atelier nach der ersten Lackierung den geplotterten Maskierfilm wieder auf die dunkelweißen Flächen einklebt, läuft das Shooting im Hamburger Norden auf Hochtouren. Vor der Lackierkabine wird der Lamborghini Diablo geparkt. Das Licht, die Einstellung – alles muss passen. „Der Blickwinkel ist so gewählt, dass wir das Airbrush später exakt einpassen können“, betont der part-Spezialist Dirk Hansen. Anhand einer Skizze werden auf Seitenwand, Tür, Kotflügel und Stoßfänger die blauen Umrissmarkierungen aufgebracht.
Plottern, kleben – brush!
Zurück beim Airbrush-Profi. Hier wird nun mit dem Skalpell das geplotterte Motiv im Innenbereich nachgezogen, sodass die schwarzen Kästchen gebrusht werden können. „Wichtig ist, dass man sich vorher Gedanken darüber macht, wie man vorgeht“, betont Marco Herold. „Zwar trocknet Airbrush-Farbe schneller als herkömmlicher Wasserbasislack, sodass keine Klebemarkierungen entstehen, doch geht es immer auch darum, effektiv zu sein.“ Deshalb wird dieses Airbrush von innen nach außen erstellt. Die Zielfahne erhält nun die schwarzen Kästen. „Hier wird ein helles Schwarz verwendet um später die Schatten aufbringen zu können.“ Anschließend wird auch die Folie, die noch über den weißen Kästchen liegt, abgenommen. Fertig ist die Flagge. Allerdings ohne Licht und Schatten. Freehand hebt Marco Herold dann Licht und Schatten hervor und bringt mit seinem Style Dynamik in das Motiv. Das Tribal hat er selbst entworfen.
Im Betrieb von Andreas Jensen sind die Bilder längst im Kasten. Die Form des Lamborghini fließt im Motiv vor der Lackierkabine, die Umrisse des Airbrush sind schon erkennbar. Der Lack glänzt. Auf dem Bildschirm der Fotografin wirkt der Sportwagen fast unwirklich, wie gezeichnet. An der Stahlplatte zieht Marco Herold den alten Plott jetzt runter. Dann wird eine neue, identische Folie aufgezogen, die Kanten an den Stellen abgetrennt, an denen die blaue Linie lackiert wird. Schließlich ist die letzte Linie an der Reihe. „Nach der Trocknung wird alles wieder eingeklebt und die gelbe Umrisslinie aufgetragen“, erklärt der Profi. Zunächst in hellem Gelb, um dann das Dunkelgelb als innere Linie aufzutragen. Als Finish werden mehrere Gänge Klarlack appliziert, mit Zwischenschliff fertig. Da glänzen die Augen von Marco Herold. Denn nichts ist schöner als ein perfekter Airbrush.
Das Ergebnis kann sich sehen lassen. „Erleben lässt sich das Original an unserem Messestand vom 11. bis zum 16. September auf der Automechanika in Frankfurt“, erklärt part-Geschäftsführer Jochen Gaukel.
Christian Simmert
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