Erfolgreicher Neustart

OMIA Lackieranlagen nimmt den deutschen Markt ins Visier

Michael Rehm

Im südwestfranzösischen Angou-lême ist mit OMIA einer der größten europäischen Lackieranlagenhersteller beheimatet. Nach einem Eigentümerwechsel im vergangenen Jahr hat sich OMIA die Steigerung des Exports auf die Fahnen geschrieben. Wir sprachen mit dem OMIA-Geschäftsführer Denis Delrieu, Philippe Joret, dem Direktor der Automobilsparte, und Export Manager Bertrand Chasseray.
Herr Delrieu, Herr Joret, OMIA gehört zu den größten europäischen Herstellern von Lackieranlagen; wo liegen für Sie aktuell die Vertriebsschwerpunkte in Europa und weltweit?
OMIA ist ein französisches Unternehmen mit sehr starkem Standing im Heimatmarkt Frankreich, wo wir deutlicher Marktführer sind. Etwa 12 Prozent unserer Produktion gehen derzeit in den Export – und hier spielen neben einigen Ländern Nordafrikas, wo wir aus sprachlichen und kulturellen Gründen gut vertreten sind, Märkte wie Deutschland eine wichtige Rolle. Das heißt, Märkte, in denen hohe Anforderungen der Kunden sowohl an das Produkt und die Technologie als auch an den Service bestehen. Deutschland besitzt für uns als Absatzmarkt oberste Priorität, man kann sagen, dass sich OMIA ausdrücklich auf diesen Markt ausgerichtet hat – zum Beispiel, indem enge Beziehungen zu deutschen Automobilherstellern aufgebaut wurden.
Nun sind OMIA-Kabinen ja in Deutschland keine Seltenheit; unter den Importmarken dürften Sie eine führende Stellung einnehmen.
Was die Anzahl der im Markt befindlichen Lackieranlagen angeht, gilt dies durchaus; wir haben im Laufe der Jahre 1.500 Lackieranlagen in Deutschland aufgestellt, und ein großer Teil dieser Anlagen ist nach wie vor in Betrieb – nicht ohne Grund gelten OMIA-Anlagen als zuverlässig, langlebig und solide. Allerdings hat es speziell in Deutschland an neuen Impulsen von OMIA in den letzten Jahren etwas gemangelt. Zum einen waren wir durch die eine oder andere Umstrukturierung ein wenig mit uns selbst beschäftigt, zum anderen hatten wir vielleicht nicht immer die richtigen Partner vor Ort. Mittlerweile haben wir uns jedoch so aufgestellt, dass wir auf dem deutschen Markt, wenn Sie so wollen, einen erfolgreichen Neustart geschafft haben – mit Produkten, die neben den bewährten Qualitäten technische Innovationen bieten, die im Moment mehr denn je gefragt sind.
Welche sind das?
Ein wichtiger Punkt ist ein möglichst geringer Energieverbrauch. In unserem Topmodell Luxia erreichen wir dies durch zahlreiche technische Lösungen, von sparsamen Gasflächenbrennern bis hin zu extrem ökonomischen Betriebsarten. Als besonderes Highlight kann der Anwender über das Modul „Energie Report“ Energieverbräuche pro Lackierjob, pro Tag, Woche oder Monat direkt am Display ablesen. Das schafft Transparenz und erleichtert die Betriebsführung. Weitere sehr wichtige Faktoren für uns sind Anwenderfreundlichkeit und Ergonomie.
Wie drückt sich das aus?
Bei der Luxia zum einen durch zahlreiche Detaillösungen zum Beispiel an Griffen, Türen und Toren. Aber auch ein extrem schneller und einfacher Filterwechsel durch die spezielle Deckenkonstruktion spielt hier eine Rolle. Ebenfalls sehr wichtig ist ein umfangreiches Maßnahmenpaket zur Geräuschreduzierung.
Welche Rolle spielt das Thema Service? Gibt es in dieser Hinsicht, wenn wir den deutschen Markt betrachten, für OMIA als Importeur einen Standortnachteil?
Nein, das Thema Service spielt für uns eine ganz zentrale Rolle, in allen seinen Facetten. Natürlich muss, wenn etwas an einer unserer Anlagen nicht funktioniert, möglichst schnell eine Lösung gefunden werden. Hier kommt uns entgegen, dass wir in Deutschland eine hoch professionelle Mannschaft haben, die eng mit der Zentrale hier zusammenarbeitet. Ein deutlicher Pluspunkt ist aber auch, dass wir im Werk in Angouleme eine extrem hohe Fertigungstiefe haben. Es gibt nur sehr wenige Teile an einer OMIA-Kabine, die wir nicht selbst produzieren. Entsprechend schnell und unkompliziert kann im Reparaturfall Ersatz beschafft werden, da keine Drittanbieter im Spiel sind. Wir fassen das Thema Service heute aber noch weiter. Es geht nicht nur darum, schnell die gewünschte Anlage zu liefern und nachher zuverlässig zu warten, sondern immer mehr darum, exakt die Anlage zu liefern, die die aktuellen und zukünftigen Bedürfnisse des Kunden in idealer Form bedient.
Welcher Instrumente bedienen Sie sich da?
Wir haben ein komplettes Beratungspaket entwickelt, um auf der Basis von Kundendaten, aber auch Besuchen vor Ort, die notwendige Lackierkapazität herauszufinden und die Prozesse zu definieren. Schließlich stellt der eigentliche Lackiervorgang in der Kabine ja nur den relativ kurzen Abschluss eines langen Prozesses dar. Natürlich muss man auch fragen, wie die Vorbereitungszone aussieht, und ob es zum Beispiel sinnvoll ist, Fast-Repair-Zonen zu schaffen, wo kleine Arbeiten außerhalb der Kabine zu erledigen sind.
Für Renault haben wir Arbeitsplätze entwickelt, die sich „Cellule Carrosserie Rapide“ nennen. Dabei handelt es sich um zwei komplett ausgestattete Arbeitsplätze inklusive Infrarotstrahler und Hebebühne unter einem Plenum, in dem die Zuluft und Beleuchtung untergebracht sind. Solche Plätze sind unter Umständen teurer als eine Kabine, sie bieten aber dafür auch mehr Funktionen. Wir spüren speziell aus Deutschland ein hohes Interesse an solchen Lösungen.
Wie schätzen Sie den deutschen Markt ein, welche Position streben Sie an?
Im Lackieranlagenmarkt sind schnelle Erfolge nicht möglich, daher setzen wir auf konstantes, solides Wachstum. Unsere Position? Wir möchten nach den zwei, drei einheimischen Playern, die den Großteil des Marktes beherrschen, eine technisch interessante Alternative sein und Marktanteile wiedergewinnen. Der Zeitpunkt ist aus unserer Sicht günstig: Wir können immer noch auf den guten Ruf bauen, den OMIA-Kabinen in Deutschland hatten und haben, dazu bieten wir innovative Produkte, die, ganz wichtig, alle notwendigen europäischen Normen und Zertifikate haben.
Ist das keine Selbstverständlichkeit?
Das sollte man meinen, und es gilt auch für die etablierten, großen Player im deutschen Markt. Daneben gibt es zahlreiche, zum großen Teil außereuropäische Anbieter, deren Anlagen zum Beispiel die Maschinenrichtlinie 2006/42/EG und die CE EN 13355 nicht erfüllen. Der Gesetzgeber ist, was dieses Thema angeht, aufgewacht, und es ist nur eine Frage der Zeit, bis wirksame Kontrollen stattfinden.
Herr Delrieu, Herr Joret, Herr Chasseray, vielen Dank für das Gespräch.

Über OMIA
Das Unternehmen wurde 1947 von Robert Joret gründet und konzentriert sich zunächst auf die Produktion von und den Handel mit landwirtschaftlicher Ausrüstung. 1968 erweitert OMIA seine Aktivitäten auf den Bereich der Autolackierung die Produktion von Heizungen und Lüftungen .Dank dieser Spezialisierung wird OMIA zum Marktführer in Frankreich und Zweiter in Europa. 1976 erfolgt eine Spezialisierung auf den Industriesektor mit neuen Produkten in dem Bereich der großvolumigen Lackieranlagen sowie Kugelstrahlanlagen, Pulverbeschichtungsanlagen und Hochtemperaturöfen. 1977 eröffnet OMIA eine Tochterfirma in Frankfurt für das deutsche Autolackiergeschäft 1984 wird die 1000ste Lackierkabine in Deutschland ausgeliefert 2000 erfolgt die Entwicklung und Produktion von Lackierkabinen, die in Konformität mit europäischen Mormen der neuen Wasserlacktechnik gerecht werden. 2011 erhält das Unternehmen auf der Equip Auto in Paris den Internationalen Innovationspreis für seine neue Lackierkabine „Luxia 700“. 2014 festigt OMIA seine Position in Deutschland mit DP OMIA-Lackierkabinen als neuem Partner. 2015 hat der neue Geschäftsführer Denis Delrieu Deutschland als obersten Prioritäten-Markt angesetzt und OMIA danach ausgerichtet.
D P OMIA LackierkabinenTel.: 02603/7008570Fax: 02603/7008580www.omia-lackierkabinen.de