Risiken absichern

Von der Altersvorsorge bis zum Notfallkoffer

Herbert Prigge

Wie in unseren bislang veröffentlichten Artikeln immer wieder deutlich geworden ist, steht der Betriebsinhaber im Mittelpunkt des betrieblichen Geschehens und hat unter hohem Zeitdruck zumeist dringende Aufgaben zu erledigen. Die enorme zeitliche Belastung führt aber auch dazu, dass ebenso dringliche Themen wie die eigene Vorsorge im Alter und die Vorsorge für das Unternehmen und die Familie im Notfall zu kurz kommen können.
Wie es dennoch gelingen kann, das Lebenswerk und den Ruhestand zu sichern, soll im folgenden Beitrag kurz skizziert werden.
Die Themen Unternehmensnachfolge und Ruhestand stellen sich oft kom-plex und hoch emotional dar. Wenn aber kein behagliches finanzielles Polster für das Alter geschaffen wurde, entsteht ein Teufelskreis, der kaum zu durchbrechen ist. Häufig vertrauen die Betriebsinhaber stark darauf, dass sie ihren Betrieb irgendwann verkaufen und den Erlös für die Altersvorsorge nutzen können. Doch die Diskrepanz zwischen den eigenen Wertvorstellungen und den Preisvorstellungen der Käufer ist oftmals sehr hoch. Deshalb ist es wichtig, eine solide Altersversorgung aufzubauen.
Es gibt drei verschiedene Säulen auf denen die Altersversorgung aufgebaut werden kann:
Welche Kombinationen für die Altersvorsorge optimal sind, hängt von folgenden Faktoren ab:
Das jetzige Alter
Der aktuelle Vermögensstatus
Der zukünftige Lebensbedarf und
der Zeitpunkt, an dem der Betriebsinhaber in den Ruhestand gehen möchte
Je nach Kombination dieser Faktoren kann durch einen Experten die optimale private Vorsorge aufgebaut werden. Neben der Vorsorge ist natürlich für den Betriebsinhaber die Risikoabsicherung wie zum Beispiel Krankheit, Berufsunfähigkeit und Haftpflicht wichtig. Dabei ist wichtig zu bedenken, dass die Absicherung von Risiken Priorität vor dem Vermögensaufbau hat, da die Gefahr, das angesparte Vermögen im Schadensfall aufzubrauchen, zu groß ist.
Vorsorge für den Notfall
Auch auf der Unternehmensseite gibt es Risiken wie Einbruch, Feuer, Diebstahl u.v.m. Gegen solche Schäden werden Versicherungen abgeschlossen, aber was passiert, wenn der Chef ausfällt? Mit dieser Situation befassen sich die wenigsten Betriebsinhaber. Klar ist, dass sich niemand gerne mit unangenehmen Situationen beschäftigt – auch nicht gedanklich. Die Praxis zeigt aber, dass – ohne Notfallplan – oft schon kleine Ursachen ausreichen, um großen wirtschaftlichen Schaden anzurichten. Gerade in vielen Karosserie- und Lackierbetrieben trifft der Unternehmer alle wichtigen Entscheidungen allein. Was passiert, wenn er plötzlich drei Wochen ausfällt? Nehmen Sie sich kurz zwei Minuten Zeit und beantworten Sie für sich und Ihr Unternehmen folgende Fragen:
Sind außer Ihnen noch andere Personen an wichtigen betrieblichen Entscheidungen beteiligt?
Gibt es neben Ihnen mindestens eine weitere Person im Unternehmen, die über alle wichtigen Sachverhalte informiert und entscheidungsbefugt ist?
Kann das Tagesgeschäft für Wochen auch ohne Ihr Zutun reibungslos weiterlaufen, ohne dass entsprechende Vorkehrungen getroffen wurden?
Bei nur einem „Nein“ ist die Aufstellung eines Notfallkoffers zur Existenzsicherung des Unternehmens dringend notwendig. Prinzipiell ist es aber für alle Unternehmen empfehlenswert.
Wichtig ist vor allem, klare Vertretungsregelungen und Vollmachten zu hinterlegen, denn ohne diese geht gar nichts. Daneben gehören auch Passwörter und Codes in den Notfallkoffer genauso wie Adressen wichtiger Ansprechpartner und wichtige Dokumente. Außerdem sollten die Betriebsabläufe dokumentiert und Zuständigkeiten benannt werden. Wichtig ist eine strukturierte Erstellung sowie regelmäßige Aktualisierung und sichere Aufbewahrung des Notfallkoffers.
Besitzverhältnisse klären
Auch das Thema Erbrecht spielt eine große Rolle. Wem gehört der Betrieb, wenn der Inhaber verstirbt? Hier lohnt sich auch ein Blick in die Verträge, wenn es sich beispielsweise um eine GmbH handelt. All diese Unterlagen sollten in einem Ordner an einem sicheren Ort in der Firma verstaut und regelmäßig aktualisiert werden. Über den Verbleib des Notfallkoffers sollten nur wenige Personen Kenntnis erlangen. Wer möchte, kann ihn sogar versiegeln lassen. Somit ist der Betrieb im Notfall zumindest vorübergehend handlungsfähig.
Checklisten und Vorlagen zum Notfall-koffer stellen die Handwerkskammern häufig zur Verfügung. Unterstützungen bei der strukturierten Erstellung bietet u.a. die bpr Mittelstandsberatung GmbH an.
Mit einem Notfallkoffer ist das Unternehmen nicht nur im Notfall gewappnet. Bei der Erstellung wird quasi nebenbei die Unternehmensorganisation strukturiert, werden wichtige Information und Dokumente an einem Ort griffbereit gebündelt und wird die Basis für die Regelung der Unternehmensnachfolge gelegt. Auch beim Bankenrating fließt daher ein strukturiertes Notfallmanagement als „weicher“ Faktor positiv in die Bonitätsbewertung mit ein und hat so direkten Einfluss auf die Kreditkonditionen.
Fazit: Mit relativ geringem Aufwand erreicht der Unternehmer einen hohen Nutzen. Handeln Sie jetzt!