„Du bist doch die,            die lackiert …“

Cornelia Merkl ist beste Nachwuchslackiererin Deutschlands – davon profitiert auch ihr Betrieb

Michael Rehm

Mit Cornelia Merkl aus Hopfen im Allgäu gewann Ende letzten Jahres eine Fahrzeuglackiererin beim Wettbewerb um den besten Nachwuchslackierer Deutschlands. Wir besuchten sie im Kfz-Reparaturzentrum Menhofer in Pfronten, sprachen mit der 25-jährigen Lackiererin sowie Lackierermeister und Juniorchef Klaus Menhofer

Frau Merkl, zunächst noch einmal herzlichen Glückwunsch zum Gewinn des Bundesleistungswettbewerbs Fahrzeuglackierer – wie sind Sie denn zum Lackiererberuf gekommen?

CM: Über Umwege. Ich habe zuerst
Bürokauffrau gelernt und den Beruf auch ausgeübt. Aber eigentlich war ich eher handwerklich interessiert und habe immer schon viel gemalt und gebastelt. Daher habe ich dann während der Urlaube in andere Berufe hineingeschnuppert und kleine Praktika gemacht – beim Zahntechniker, beim Fotografen und schließlich beim Lackierer, in der Firma, in der ich jetzt angestellt bin. Das hat mir am besten getaugt, wie man bei uns sagt.

KM: Für unseren Betrieb war das natürlich ein Glücksfall: Eine Auszubildende zu bekommen, die sich so bewusst, nachdem sie andere Berufe ausprobiert hat, für den Lackiererberuf entscheidet – und sich im Praktikum auf Anhieb gut anstellt. Ich habe ihr gesagt: Kannst gleich dableiben.

Was Sie ja auch getan haben – wie war denn im privaten Umfeld die Reaktion auf Ihre Berufswahl?

CM: Da gab es schon noch viel Skepsis. Einige sagten mir auch voraus, dass ich die Lehre nicht durchziehe …

Wann hat sich das geändert?

CM: Bei manchen ziemlich bald, bei anderen erst, nachdem ich den bayerischen Landeswettbewerb der Fahrzeuglackierer gewonnen habe.

Da kamen dann die Glückwünsche …

CM: Natürlich – aber was sich nach dem Bundesleistungswettbewerb getan hat, konnte ich fast nicht glauben. Auch wenn ich abends weggegangen bin, sind Leute auf mich zugekommen und haben mich angesprochen: Du bist doch die, die lackiert … wo arbeitest Du nochmal?

KM: Das lag natürlich daran, dass mehrere Zeitungen und auch regionale Sender bei uns waren und berichtet haben, aber auch daran, dass man sich bei uns im ländlichen Raum halt kennt und trifft. Aber auch ich war überrascht. Es konnte passieren, dass ich mit Freunden im Wirtshaus war, jemand auf unseren außen geparkten Bus gezeigt und gefragt hat: „Hat den die Conny lackiert?“

Es hilft also durchaus, eine Bundessiegerin als Mitarbeiterin zu haben?

KM: Für uns ist der Werbeeffekt unbezahlbar. Und ich denke da gar nicht in erster Linie an Aufträge. Wir arbeiten mit mehreren Schadenvermittlern zusammen und waren die letzten Jahre auch so sehr gut ausgelastet. Aber wenn wir Mitarbeiter und Auszubildende suchen, ist es schon ein ganz starkes Argument, eine Bundessiegerin hervorgebracht zu haben. Und die paar Tage, die jemand ausfällt, weil er beim Wettbewerb ist, sind nicht der Rede wert. Mir ist es ein Rätsel, dass es Betriebe gibt, die die Teilnahme an so einem Wettbewerb nicht voll unterstützen.

Wie war denn die Reaktion der Kollegen im Betrieb auf den Sieg von Frau Merkl?

KM: Die waren natürlich auch stolz. Aber man muss ehrlicherweise auch sagen, dass das ein sensibles Thema ist. Die gestandenen Lackierer, von denen es bei uns einige gibt, verfolgen ja auch mit, dass ein Mädel, das vorher Bürokauffrau war, eine verkürzte Lehre absolviert, dann zum Bundesleistungswettbewerb geht und als beste Lackiererin Deutschlands wiederkommt. Da wäre es auch verständlich, wenn der eine oder andere, sagen wir mal, „gemischte Gefühle hat“. Dazu kommt, dass Conny bereits während der Lehrzeit voll lackiert hat, was für uns ungewöhnlich ist, aber daran lag, dass ein gestandener Mitarbeiter ausgefallen ist – und daran, dass sie´s halt konnte.

Man kann den Erfolg von Frau Merkl ja auch als Erfolg des Teams sehen …

KM: Genau das tun wir auch sehr stark. Wir sind ein mittelgroßer Betrieb, da gibt es keine Lehrwerkstatt wie in der Industrie, und ich halte auch nichts davon, Auszubildende an irgendwelchen Übungs-Kotflügeln herumwerkeln zu lassen. Bei uns wird am richtigen Auftrag gelernt, und da kommen viele Informationen, Tipps und Tricks von den Kollegen. Umgekehrt – wenn das Team nicht funktioniert, bist Du als Azubi der Depp und rennst vom einen zum anderen.

Sie sind die einzige weibliche Mitarbeiterin im produktiven Bereich – haben Sie ein spezielles Arbeitsgebiet?

CM: Nein, das geht quer durch alle Tätigkeiten – mit Schwerpunkt eben auf dem Lackieren.

Noch einmal zurück zum Bundesleistungswettbewerb – dort haben die vier vertretenen Mädchen insgesamt hervorragend abgeschnitten – ein Zufall?

CM: Ich könnte mir schon vorstellen, dass die Motivation der Lackiererinnen generell hoch ist, ganz einfach, weil man sich ja bewusst ist, dass man nicht in einem Standard-Frauenberuf arbeitet und deshalb ein bisschen im Blickpunkt steht. Und wenn man gegen
Widerstände den Beruf ergriffen hat, bleibt man auch eher bei der Stange, wenn es mal schwierig ist.

Was sind denn, abschließend gefragt, Ihre nächsten Ziele, Frau Merkl?

CM: Die Frage wurde mir jetzt schon ein paar Mal gestellt und wundert mich immer ein bisschen.

Warum?

CM: Ich habe ja schon ein paar Sachen ausprobiert und schließlich genau das gefunden, was mir Spaß macht. Warum sollte ich jetzt gleich an andere Aufgaben und Ziele denken?

Frau Merkl, Herr Menhofer, vielen Dank für das Gespräch.