Vielfältig präsent

Automechanika: Die Lackhersteller präsentieren sich und ihre Produkte auf unterschiedlichste Arten

Michael Rehm

Früher, viel früher, war alles einfacher – zumindest, wenn es um Lack auf der Automechanika ging. Die großen Lackmarken hatten ihre repräsentativen Stände in der Halle 11. Wer also etwas Neues über Reparaturlacke erfahren wollte, brauchte nur eine kleine Runde zu drehen, um alle Hersteller zu besuchen. Dann waren plötzlich fast alle weg. Mittlerweile sind fast alle, oder sagen wir: die meisten, wieder da. Allerdings gibt es das Thema Lack auf der Automechanika heute in den unterschiedlichsten Darreichungsformen. Hersteller wie MIPA und NOVOL sind dem klassischen, repräsentativen Stand in der 11.1 treu geblieben, die Axalta-Marken Spies Hecker, Standox und Cromax setzen neben ihrer Präsenz auf der Schadenstraße und beim Schadentalk auf kleine Messe-„Standorte“, die Fachthemen wie „Caravan-Instandsetzung“ oder „Oldtimerrestaurierung“ zugeordnet sind. Auf letzterem, im Rahmen der Automechanika neuen Feld zeigte auch Glasurit, im Oldtimerbereich ohnehin seit jeher stark engagiert, gleich mehrfach seine Kompetenz. Nicht zu übersehen waren im Lackbereich diesmal auch ganz neue Player sowie bekannte Player unter neuer Flagge.

Aufsehenerregender Einstand

Als im Juni 2017 der US-amerikanische Lack-Riese Sherwin Williams Valspar mit den beiden in Deutschland relevanten Marken DeBeer und Octoral erwarb, sorgte das für ziemliches Aufsehen in der Branche. Welche Ziele Valspar/Sherwin Williams hat und welche Schwerpunkte man setzt, erfuhr eine breitere Öffentlichkeit erstmals auf der diesjährigen Automechanika, wo das Unternehmen einen der größten und ansprechendsten Stände in der „Lackhalle“ 11.1 bezogen hatte. Das Thema des Messtestand lautete „Mastery of Refinishing“, frei übersetzt: „Meisterschaft in der Reparaturlackierung“. Was man darunter versteht, erläuterte Wineth Malvar, Brand & Marketing Communications Managerin: „Dieses Motto verbindet die Vergangenheit und die Zukunft. Es macht deutlich, über welches jahrzehntelange Erbe und welche Erfahrung unsere Unternehmen im Bereich der Reparaturlackierung verfügen. Darüber hinaus wird unser Fokus aber auf der digitalen Innovation liegen, und wir sind stolz darauf, unseren Standbesuchern eine virtuelle Lackiererfahrung präsentieren zu können.“ „Unser gesamter Messeauftritt und auch unsere für das Reparaturlackgeschäft Verantwortlichen zeigen und erklären, warum beide Unternehmen, Valspar und Sherwin Williams, zusammen besser sind, und wie wir Ressourcen, Technologien und Fachwissen zum Nutzen aller teilen“, ergänzte Theo Wemmers, Executive General Manager Automotive EMEAI.

Konkret erlebbar wurde dies am Stand durch das „Rembrandt-Tool“, ein Online-Schulungsprogramm, das Profis dabei hilft, ihre Fähigkeiten und Kenntnisse zu optimieren. Zu den am Messestand präsentierten Produkten gehören neben den beiden Valspar Premiummarken DeBeer Refinish und Octoral auch das VIM-Industriesystem, die Prospray Reihe als Alternative aus dem mittleren Preissegment sowie die Spralac-Ergänzungsserie.

Nicht „besser als neu“

Glasurit präsentierte sich auf dem Sonderstand des Zentralverbands Deutsches Kfz-Gewerbe (ZDK) in der Messehalle für das Classic Car Business. Als globaler Partner der FIVA kennt Glasurit die spezifischen Bedürfnisse der Oldtimerszene sehr genau. So stellte das Unternehmen auf der Automechanika einen Porsche 356 Roadster aus, dessen Neulackierung in einem speziell ausgearbeiteten Prozess künstlich gealtert wurde. Mit dieser Technologie unterstützt Glasurit Fachbetriebe dabei, Kunden, die ihr Fahrzeug nicht im „Besser als Neu“-Look haben möchten, eine entsprechende Lösung anzubieten. Darüber hinaus informierte man auf der Messe über die Werkstattnetzwerke von Glasurit Classic Car Colors und die Vorteile dieses Netzwerks. Mit der Mitgliedschaft haben Werkstätten Zugriff auf die größte Farbton-Datenbank der Welt, die Restaurierungen im authentischen Farbton ermöglicht. Zudem listet Glasurit in einer Online-Datenbank Fachbetriebe, die sich auf die Restaurierung von Oldtimern spezialisiert haben und sorgt für eine Vernetzung von Autobesitzern, professionellen Partnern und Lackexperten. Dass Tradition und Innovation nicht im Widerspruch stehen, zeigte auch das auf der Messe ausgestellte Farbtonmessgerät RATIO Scan 12/6 von Glasurit. Mit moderner Technologie lassen sich Farbe und Textur der Farb- und Effektpigmente präzise analysieren und selbst herausfordernde Farbtöne zuverlässig bestimmen – nicht nur bei Oldtimern.

Komplettes Sortiment

NOVOL präsentierte auf der Automechanika Highlights seines Automotiveprogramms. Dazu gehören neben der Spectral-Wasserbasislackreihe auch die speziell für die Restaurierung von Oldtimern konzipierten „NOVOL for Classic Cars“-Materialien. Eine Novol-Innovation schaffte es gerade noch rechtzeitig zur Automechanika auf den Stand: Der lufttrocknende – oder extrem schnell forciert trocknende Füller – „Under 00 Race“.

Farbtonkarten zum Anfassen

Neue Füllertechnologien gab es auch am Stand von MIPA zu sehen: Zum einen den UV-härtenden MIPA 1K UV-Füller, der bereits nach fünf Minuten schleifbar ist. Zum anderen zwei neue 2K-Expressfüller, die für schnelle Trocknung auch außerhalb der Kabine sorgen. Dass auch im Zeitalter von digitalen Farbtonmessgeräten ein Farbtonkartensystem dazugehört, unterstrich MIPA mit der Präsentation des MIPA Color System 3. Es bietet chromatisch sortierte, originallackierte, große Paspeln in einem schließbaren Metallschrank. Weitere Highlights am Stand: Eine neue Oberflächenversiegelung und die bewährte MIPA-Ladebodenbeschichtung.

Standox mehrfach präsent

Standox stellte das Thema Oldtimer auf der diesjährigen Automechanika in den Mittelpunkt seiner Präsentation. Zu sehen war das zum einen auf dem Gemeinschaftsstand des ZKF. Dort hatte Standox als Blickfang einen in der Mitte durchgeschnittenen, betagten Renault Juvaquatre platziert. Seine Karosserie war auf der rechten Seite unrestauriert, auf der linken restauriert. „Wir wollten damit zeigen“, so Lutz Poncelet, Business Director Standox Deutschland, „dass sich mit der richtigen Technik, dem richtigen Know-how und den richtigen Produkten auch ein scheinbar mausetoter Scheunenfund wieder zum Leben erwecken lässt.“ Oldtimer-Kompetennz bewies Standox zum anderen bei einem Experten-Meeting, bei dem Standox Lackexperte Erik Faßbender auftrat. Nicht zuletzt war Standox zusammen mit seinem Werkstattnetzwerk Repanet auch auf der „Schadenstraße“ im Torhaus der Frankfurter Messe dabei. Dort präsentieren namhafte Werkstatt-Zulieferer und Dienstleister neue Produkte, Lösungen und Konzepte, mit denen sich Arbeitsprozesse im Betrieb effektiver gestalten lassen.

Chromeffekt aus der Pistole

Neu und erstmals auf der Automechanika war Diegel creative Coatings. Eigentlich ist das Unternehmen als Lieferant der Automobilindustrie nicht zwingend auf der Automechanika zu erwarten. Mit „Galvanix“, einem Lack, der galvanisierten Oberflächen optisch sehr nahekommt, allerdings ganz klassisch und einfach mit der Lackierpistole appliziert wird, bietet das Unternehmen ein Produkt, das auch für Fahrzeuglackierer interessant ist, die im Bereich Design oder Industrie aktiv sind. Voraussetzung: Der Lack muss natürlich auch im Außenbereich problemlos und langfristig einsetzbar sein. Momentan befindet man sich am Ende der Test- und Freigabenphase.

Praxisnahe Lösungen

Spies Hecker präsentiert sich auf der Automechanika 2018 mit zwei Messeauftritten – mit praxisnahen Lösungen für die Reparatur von Reisemobilen sowie mit Produkten für die schnelle und effiziente Fahrzeugreparatur. Auf der Freifläche C03, einem Gemeinschaftsstand des ZKF, stand die fachgerechte Caravan-Reparatur im Fokus. „Der Bestand an Reisemobilen und Wohnanhängern wächst kontinuierlich – und mit ihm auch das Geschäft zur Reparatur der rollenden Ferienhäuser“, erläutert Spies Hecker Marketingleiterin Bianca Leffelsend. Unter dem Motto „Turbo einschalten für Ihren Erfolg“ präsentierte sich Spies Hecker zudem am 13. September auf der Schadenstraße. Während dieses Messeauftritts erhielten Besucher Tipps zur effizienten Fahrzeugreparatur. Außerdem stellte die Reparaturlackmarke hier erstmals eine konkrete Lösung für zeitsparende Lagerhaltung und das Bestellwesen vor. Die Schadenstraße fand zeitgleich zum Schadentalk statt. Spies Hecker gehört zu den Hauptsponsoren der Veranstaltung, die auch in diesem Jahr zu einer der größten im Rahmen der Automechanika Academy zählte.

Neu am Start

Stammgast auf der Automechanika ist der im spanischen Baskenland beheimatete Lackhersteller BESA. Vor einigen Jahren wurde in einen hochmodernen neuen Standort investiert. Die Automechanika war der Anlass für den Launch einer brandneuen Wasserbasislackreihe mit dem Namen Sinnek. „The future is yellow“ lautet der Slogan des Unternehmens, und diese Zukunft soll sich auch auf dem deutschen Markt abspielen, wo man mit einem technisch innovativen Produkt, leistungsfähiger Coloristik sowie einem schlanken Marketing- und Servicepaket Kunden ansprechen möchte, die primär an einem optimalen Preis-Leistungsverhältnis interessiert sind.

Cromax feiert Jubiläum

Produktivität, Energieeffizienz, Nachhaltigkeit: Seit der Einführung des neuen Markennamens vor fünf Jahren stehen diese Werte bei der Reparaturlackmarke Cromax im Fokus. Diese Kernpunkte stellte Cromax auch auf der Automechanika in Frankfurt in den Vordergrund. Am 13. September konnten Messebesucher das Team auf der Schadenstraße erleben. Auf dem Messestand thematisierte Cromax die mögliche Energieeinsparung durch die Verwendung seiner Produkte. Darüber hinaus zeigt das Cromax-Team das Farbtonfindungsgerät ChromaVision Pro Mini. Mit diesem lassen sich Farbtöne und Effekte schnell und noch genauer als zuvor direkt an der Schadstelle messen und per Wi-Fi auf die Software ChromaWeb übermitteln, was ebenfalls zur Erhöhung der Produktivität im Betrieb beiträgt. „Wir haben uns sehr gefreut, uns zum fünften Jubiläum von Cromax erneut auf der Leitmesse für den Automotive Aftersales-Markt in der Main-Metropole präsentieren zu dürfen“, betont Cromax Vertriebsleiter Hartmut Krause.