„Prozesse deutlich beschleunigen“

Carsystem führt UV-Lacksystem ein

MR

UV-Materialien haben sich einen Platz in den Lackierwerkstätten erobert. Oder sollte man sagen: eine Nische? Klar ist, dass trotz effektiver Vorbereitungsmaterialien, leistungsfähiger „konventioneller“ Technik und extrem schneller Klarlacke die Aushärtungsgeschwindigkeit von UV-Lacken unerreicht ist. Klar ist aber auch, dass die neuen UV-Materialien ganz bewusst nicht als Allround-Lacke präsentiert werden. Nicht bei allen Materialarten macht eine UV-Version Sinn, und nicht bei allen Schadensgrößen ist es sinnvoll, mit UV-Materialien zu arbeiten. Dennoch gibt es reichlich Anwendungsmöglichkeiten für UV-Lacke und manche Reparatursituationen, in denen die lichthärtenden, ultraschnellen Materialien schlichtweg nicht zu schlagen sind. Wir sprachen mit Thomas Weppner, Leiter des Geschäftsbereiches Carsystem Automotive. Sein Unternehmen präsentiert brandneu ein Sortiment von UV-Materialien und Zubehör.

Herr Weppner, was spricht dafür, gerade jetzt ein UV-System zu launchen?

Sehr viel! Ich denke, gerade jetzt, wo kalte Außentemperaturen herrschen und auch in den Lackierereien die Temperaturen sinken, brauche ich sehr viel mehr Energie als in den Sommermonaten, um die Produkte richtig und vollständig zu trocknen. Das spricht klar für UV-Materialien. Aber natürlich ist auch der Zeitfaktor eine ganz wichtige Komponente, die es zu betrachten gilt. Kurze Ablüftzeiten von fünf Minuten, Trockenzeiten von fünf Minuten, keine Abkühlphase vor dem Schleifen, das sind nur drei Argumente für UV-Produkte.

Nun präsentieren Sie als UV-Materialien einen Füller und einen Klarlack. Was sprach dagegen, in der Carsystem- bzw. Vosschemie-„Kernkompetenz“ Spachtel ein UV-Produkt zu entwickeln?

Unser Klarlack, so viel vorab, ist kein Klarlack, der klassisch appliziert wird, sondern ein Produkt zum Ausbessern bzw. Austupfen kleiner Stellen. An einem echten UV-Klarlack zum Lackieren arbeiten wir noch. Allerdings ist es mit einem Klarlack alleine nicht getan, vor allem, wenn es um das Beilackieren geht. Da braucht man eine spezielle Beispritzverdünnung, und das ist leider recht kompliziert. Auch das Thema „Umgriffe lackieren“ ist mit einem reinen 1K-System nicht ganz so einfach. Aber auch hieran arbeiten wir.

Und der Spachtel?

Als wir angefangen haben, uns über UV-Produkte und -Systeme Gedanken zu machen, wollten wir natürlich auch einen Spachtel im neuen System haben. Es gibt bereits einen UV-Spachtel aus unserem Hause, und es ist auch keine Riesen-Herausforderung gewesen, diesen zu entwickeln. Das Problem beim UV-Spachtel liegt in der Anwendung, denn anders als bei einem normalen Polyesterspachtel muss dieser auch in höheren Schichtdicken noch etwas transparent sein. Vor allem ist hier die Spannung nach der Trocknung ein Problem. Wenn der Anwender hier in zu hohen Schichtdicken arbeitet, die Ablüftzeit und den Abstand beim Trocknen nicht einhält, fängt das Ganze an zu reißen. Solche Reklamationen wollten wir uns einfach ersparen und kein Risiko eingehen. Wir werden aber an dem Thema dranbleiben, um das Programm zu vervollständigen.

Für welche Art von Arbeiten im Betrieb eignet sich Ihr UV-System besonders?

Ganz klar für Vorbereitungsarbeiten, aber nicht nur für kleine Reparaturen und Spot-Arbeiten. Wir haben ja auch den Füller für die Lackierpistole nicht nur für Kleinstschäden entwickelt, sondern auch für ganze Teile und Fahrzeugpartien. Doch eines liegt auf der Hand: Speziell im Kleinstschadensegment kann ich hier meine Prozesse deutlich beschleunigen.

Was gibt es hinsichtlich des Schleifens des UV-Füllers zu sagen?

Das Schleifverhalten ist einer der großen Vorteile beim Arbeiten mit dem UV-Füller. Ich habe kurze Ablüft- und Trockenzeiten, keine Temperaturentwicklung beim Trocknen, somit auch keine Abkühlphase. Der Füller ist super durchgetrocknet und bietet somit kein Risiko mehr, das heißt: kein Beifallen oder Zusetzen von Schleifmitteln. Bei der Auswahl der Schleifmittel und der Körnungen gibt es keinerlei Einschränkungen, hier kann mit denselben Produkten geschliffen werden wie sonst auch. Aber es gibt noch mehr Vorteile: keine Topfzeit, kein Anmischen, keine Reste und somit weniger Materialverbrauch, kaum Reinigungsarbeiten.

Noch einmal zurück zum UV-Clear als Tupflack: Wie ist dieses Produkt entstanden? Wie funktioniert die Anwendung?

Entstanden ist das Produkt im Bereich Carbonlackierung. Hier kommt es immer mal wieder vor, dass es am Ende des Prozesses noch die eine oder andere sehr kleine Pore aufzufüllen gilt. Um hier schnell und professionell zu einer Lösung zu kommen, wurde dieses Produkt entwickelt.

Daraus wiederum entstand die Idee, das Produkt UV-Clear in die neue UV-Serie zu integrieren. Auf frischem Lack kann ich eine Pore einfach auslegen, ohne vorher die Stelle anzuschleifen. Anschließend fülle ich die Pore mit dem UV-Klarlack auf, stelle die UV-Lampe für 90 Sekunden davor und kann im Anschluss daran den UV-Klarlack schleifen und aufpolieren – ähnlich wie bei einem Staubeinschluss. Noch schneller kann ich so etwas fachgerecht nicht reparieren.

Zum UV-System gehört auch ein Pistolenreiniger: Wie funktioniert der?

Hier geht es ausschließlich um das Reinigen der Luftkappe und der Farbdüse von außen. Wir reden von der schnellen und einfachen Reparatur, da spielen auch Arbeitswege eine Rolle. Mit unserer Lösung muss die Lackiererin oder der Lackierer nicht jedes Mal zum Pistolenwaschgerät laufen. Der Reiniger steht direkt am Arbeitsplatz: Düse und Kappe einsprühen, abwischen und weiter geht es.

Wie würden Sie Ihr UV-Lampen-Angebot charakterisieren?

Im Moment haben wir zum einen den herkömmlichen UV-A-Trockner im Angebot. Doch auch hier wollten wir einen neuen Weg einschlagen, daher kommt bei unserem System eigentlich die UV-LED-Technik zum Einsatz. Bei den Lampen hat der Anwender die Wahl, je nachdem, was und wie viel er mit UV machen möchte. Die einfachste Variante ist die UV-Smart-Lampe für den UV-Klarlack und kleine Füllerstellen. Diese kleine Lampe besitzt einen Magnetfuß zum einfachen Befestigen. Wenn es dann doch etwas mehr ist, kann ich auch die einzelne UV-LED-Lampe nehmen, zu der es einen passenden Magneten zur externen Befestigung gibt. Wer sich dafür entscheidet, richtig einzusteigen und die Vorteile, die die UV-Produkte mit sich bringen, zu nutzen, der kommt an einer richtigen Lösung im Trockenbereich nicht vorbei. Hier bieten wir die UV-LED-Lampen mit einem dreh- und höhenverstellbaren Stativ an.

Wird das UV-System künftig noch weiter ausgebaut? Wenn ja, in welche Richtung?

Für Carsystem war es ein erster Schritt, mit den UV-Produkten in den Markt zu gehen, und dies erfolgte unserer Philosophie entsprechend mit einem System – schon jetzt gehört zu unserem UV-Programm eine persönlichen Schutzausrüstung mit schwarzen Handschuhen und einer Schutzbrille. Unser Eindruck ist, dass Kunden offen für Neues und bereit sind, sich mit Produkten intensiv auseinanderzusetzen – wenn sie Vorteile erkennen. Daher sind dies bestimmt nicht die letzten UV-Produkte, die von Carsystem kommen.

Herr Weppner, vielen Dank für das Gespräch.