Mehr als nur kalkulieren

IT-Anbieter setzen auf Prozessoptimierung, Qualitätssicherung und Web 2.0

Stefan Endres

Wer sich auf der diesjährigen Automechanika an den Messeständen der Anbieter von Management-Systemen für Werkstattbetriebe einen Überblick zu Produkten, Services und Leistungsstand verschaffte, der konnte unschwer erkennen, dass der Fokus nur zum Teil auf der Präsentation innovativer Produktneuheiten lag. Ein wichtiges Messethema waren angesichts des großen Marktdrucks auf Karosserie- und Autolackierfachbetriebe sicherlich die Werkzeuge zur weiteren Prozessoptimierung, Betriebsführung und Kundenbindung.
KSR EDV-Ingenieurbüro GmbH
„Der wirtschaftliche Druck auf die Werkstätten steigt. Deshalb ist es unser erstes Ziel, unsere Anwender mit ebenso effizienten wie innovativen EDV-Werkzeugen für Prozessoptimierung und Werkstattorganisation zu unterstützen. Denn nur der Unternehmer, der seine betrieblichen Kennziffern kennt und seine Prozesse im Griff hat, wird sich immer wieder erfolgreich für die Zukunft aufstellen können.“
Mit diesem Statement und der damit einhergehenden Produktoffensive zeigt Peter Ringhut, Geschäftsführer und Entwicklungschef der KSR, klar die Richtung auf, die sein Haus in Sachen Prozessunterstützung für Werkstattbetriebe beschritten hat. Auf der Automechanika konnte man dann nach eigenem Bekunden den Messestandbesuchern neben den etablierten Produkten die Zukunft der Schaden-EDV vorstellen. Dabei handelt es sich zum einen um das aktuelle Programmfeature „Reparaturfortschritt“, mit dem sich bereits zahlreiche Kunden den Fortschritt eines Reparaturauftrages in Echtzeit und mit zahlreichen Detailinformationen betrachten und die Werkstattablauforganisation feinjustieren können. Zudem können die Informationen in konfigurierbaren Ansichten den privaten und gewerblichen Kunden zum Online-Abruf über die KSR-Cloud zur Verfügung gestellt werden. Laut Matthias Schuckert, Vertriebsleiter der KSR, zeigt auch das Feedback der Messebesucher, dass man mit dieser Symbiose aus Produktinnovation und erweiterten Serviceangebot den Nerv der Anwender getroffen hat. Zum anderen wurden zwei Prototypen in Frankfurt vorgestellt, mit denen KSR neue Wege in der Welt der Werkstatt-EDV beschreitet. So soll ein konfigurierbarer Eingabeassistent dabei unterstützen, sämtliche im Werkstattprozess notwendigen Eingaben zu vereinfachen und zu verkürzen. Darüber hinaus wird das Risiko von Fehleingaben und den daraus resultierenden zeitaufwendigen und kostenintensiven Folgeproblemen minimiert. Das neue grafische Unternehmens-Dashboard wird dem Betriebsinhaber in absehbarer Zeit stets alle wesentlichen Management-Informationen seines Betriebs in Echtzeit liefern.
Audatex
„Der enge Schulterschluss von Audatex und AUTOonline bedeutet für unsere Kunden nachhaltige Mehrwerte, da die K+L-Betriebe sämtliche Services im Bereich Schadenmanagement nun aus einer Hand erhalten“, so Florian F. Stumm, der neue Vertriebsleiter für die Bereiche Retail, Fleet und Buyer, in dessen vertrieblichen Verantwortungsbereich nun der Markt der freien Werkstätten fällt. Dieser Kernbotschaft folgend waren die beiden Solera-Töchter Audatex und AUTOonline das erste Mal unter der Devise „Stark im Team. Stark für Sie“ auf der Automechanika mit einem gemeinsamen Messestand in Frankfurt vertreten. Für die Managementsysteme aus dem Hause Audatex bedeutet dies die Integration des VALUEpilots, der ursprünglich von AUTOonline zur Ermittlung eines Wiederbeschaffungswert-Korridors entwickelt wurde, und des Diagnose-Tools AudaCheck. Auch die Integration der Restwertbörse AUTOonline in die Werkstatt-Software ist geplant sowie der Zugriff auf den AUTOonline-Gebrauchtwagenhandel. Darüber hinaus wurde ein Konzept zur Kapazitätsplanung für C@risma und AudaCar II auf der Automechanika präsentiert, welches ein durchweg positives Kundenfeedback erhielt, so Florian F. Stumm. Zudem hat man im Dialog mit den Anwendern, das weiß Jens Dürasch, der Entwicklungsverantwortliche für die Werkstattsysteme, eine Qualitätsinitiative für Produkte und Services ins Leben gerufen. Mit dieser Initiative will man in einem ersten Schritt eine flexible Datenbankstruktur etablieren, die Betriebsdatenerfassung wesentlich modernisieren und darüber hinaus den Kundensupport auf eine neue Qualitätsstufe stellen.
DAT
„Mit Fairgarage schaffen Werkstätten Kundenbindung im WWW. Denn während andere Portale den Endverbraucher ans Portal selbst binden wollen, möchten wir Endverbraucher zu den Fachbetrieben führen“, erklärt Jens Nietzschmann, DAT-Geschäftsführer Inland und Sprecher der Geschäftsleitung.
Mit zahlreichen neuen Features für SilverDAT, einen der Klassiker in Sachen Reparaturkostenkalkulation, konnte die Deutsche Automobil Treuhand in Frankfurt aufwarten. So ist nun die Teilnahme am Werkstattportal Fairgarage in die SilverDAT-Lizenz ohne Zusatzkosten integriert worden. Damit ist es möglich, dass die Betriebe, die das Produkt einsetzen, bei einer entsprechenden Suche – z. B. über Google – nach Werkstattleistungen im Internet vom Endverbraucher tatsächlich gefunden werden. Fairgarage gibt den Werkstätten darüber hinaus passende Werkzeuge an die Hand, um eigene Suchmaschinen-Kampagnen und E-Mail-Aktionen durchzuführen und damit eine neue Dimension der Kundenbindung im WWW zu realisieren. Weiterhin wurden für SilverDAT calculatePRO unter anderem eine durch farbige Kennzeichnung optimierte Teileauswahl, die Einbindung von AZT-Lack oder eine auf den spezifischen Verwendungszweck zugeschnittene Version für Dellendrücker und Hagelschaden-Profis präsentiert. Dabei bleibt die neue Generation der SilverDAT sowohl online wie auch offline verfügbar, damit die Anwender der Software die eigenen Daten auch lokal verwalten können. SilverDAT calculatePRO ist aufgrund seiner neuen Technologie für alle gängigen Tablet-PCs verfügbar, und mit SilverDAT calculateGo ist erstmals auch eine tatsächliche App für das Apple-Betriebssystem verfügbar, die weitere flexible Einsatzmöglichkeiten erlaubt. Smartphone oder Tablet machen noch mehr Innovation möglich, die bald in der neuen Generation von SilverDAT umgesetzt sein werden: so konnten beispielsweise die Identifikation der Fahrgestellnummer durch einfaches Abfotografieren oder die optischen Erkennung von beschädigten Karosserieteilen mit anschließender Berechnung der zu reparierenden Fläche auf der Automechanika in Augenschein genommen werden.
Pilz-Software
„Wir sind der Aldi unter den Softwareanbietern, das heißt Qualität für wenig Geld“, so beschreibt Geschäftsführer Uwe Pilz die Philosophie seiner Softwareschmiede, die seit 8 Jahren eine Gesamtlösung für freie Werkstätten anbietet und stetig weiterentwickelt. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf konsequenter Praxisorientierung und auf der einfachen Anwendbarkeit für den Handwerker. Folgerichtig sieht Uwe Pilz seine vorrangige Zielgruppe dann auch bei den Werkstätten, denen die Systeme der „großen“ Anbieter zu komplex und zu teuer sind. Dennoch bietet PilzSoft ein komplettes Dealer-Management-System, das über die wichtigen Schnittstellen, natürlich auch zu Audatex und DAT, sowie über zahlreiche Funktionen zur Auswertung und Organisation der betrieblichen Prozesse verfügt. So konnten zur Automechanika weitere betriebswirtschaftliche Auswertungen präsentiert werden, mit denen laut Uwe Pilz Produktivitätssteigerungen bis zu 40 Prozent durchaus machbar sind. Der Themenbereich Prozesse und Produktivität werde auch für kleinere Betriebe immer wichtiger, deswegen biete man verstärkt transparente und verständliche Auswertungsmöglichkeiten auf Basis des Betriebsdaten- und Zeiterfassungssystems an. Darüber hinaus konnte das Emsdettener Unternehmen zur Messe die Integration der Schnittstelle zur elektronischen Ersatzteilbestellung bei der Eurogarant AG vermelden.