Erhitzen, filtern, ionisieren

Mit vorbehandelter Pistolenluft das Lackierergebnis verbessern

Prozesssicher zu lackieren bedeutet, die originale Lackstruktur und den originalen Farbton soweit wie möglich standardisiert und mit größter Effizienz zu erreichen. Lackierfehler, insbesondere Staubeinschlüsse stören diesen Prozess empfindlich. Staubpartikel zu vermeiden ist nicht nur aus Qualitätsgründen zwingend notwendig, auch wirtschaftliche Gründe sprechen dafür, den Finish-Aufwand zur Entfernung von Staubpartikeln in der Lackierung auf ein Minimum zu reduzieren. Schließlich werden Finish-Arbeiten nicht bezahlt und reduzieren damit direkt die Wirtschaftlichkeit.

Seit geraumer Zeit gibt es verschiedene Geräte auf dem Markt, die mithilfe von Ionisierung und Erwärmung der Spritzluft bessere Lackierergebnisse und dadurch standardisierte Bedingungen versprechen – zahlreiche Lackierer denken über die Investition in ein solches Equipment nach. Wir haben dieses Thema aufgegriffen, um aus unserer Sicht zu zeigen, welche Unterschiede zwischen den einzelnen Systemen bestehen.

Die drei Geräte die wir verglichen haben sind:

  • die Stat-Gun,
  • das Nitrotherm-System und
  • der Aircommander

Wirkungsweise unterschiedlich

Die Stat-Gun nimmt in Einsatz und Wirkungsweise unter den drei Geräten eine Sonderstellung ein. Mit der Stat-Gun wird die Oberfläche ionisiert und dadurch werden die zu lackierenden Teile direkt entladen. Die Stat-Gun neutralisiert im Prinzip auf allen Oberflächen, speziell aber auf Kunststoffen, die statische Aufladung. Dies verhindert Staubanhaftung unmittelbar an der Oberfläche. Zusätzlich sorgt die Entladung der Oberfläche für eine gleichmäßige Ausrichtung der Metallics, dies zeigt sich besonders im Bereich der Auslaufzonen beim Beilackieren als deutlicher Vorteil für den Lackierer. Der Hauptnutzen der Stat-Gun liegt im Ionisieren der Teile vor dem Lackieren.

Der Hauptnutzen von Nitrotherm und Aircommander liegt darin, eine weichere Zerstäubung, einen besseren Verlauf und letztlich einen höheren Auftragswirkungsgrad zu erzielen. Die beiden Systeme unterstützen zusätzlich das Entladen, vor allem dadurch, dass sich die zu lackierende Oberfläche beim Lackieren nicht wieder auflädt. Das bedeutet, dass die Stat-Gun sehr gut in Kombination mit den anderen Geräten verwendet werden kann, da dadurch sowohl die Druckluft als auch die Oberfläche entladen werden. Die Kombination stellt damit eine optimale Ausstattung dar.

Frage des Spritzmediums

Zwischen dem Aircommander und dem Nitrotherm gibt es signifikante Unterschiede. So wird beim Nitrotherm die Spritzluft über eine Membrane gefiltert, sodass zum größten Teil Stickstoff als Spritzmedium übrig bleibt. Um ein Spritzmedium mit 98-prozentigem Stickstoffgehalt zu erhalten, wird allerdings die 1,8 – bis zweifache Luftmenge benötigt. Zusätzlich wird der Spritzdruck von 2 auf ca. 1,5 bar reduziert. Beim Aircommander-System bleibt der Spritzdruck gegenüber der herkömmlichen Applikation gleich. Die Luft wird durch ein Magnetfeld geführt, welches die Ionen gleichrichtet, sie weicher macht und dadurch die Fließfähigkeit des Materials verbessert. Bei beiden Systemen ist eine individuelle Temperatureinstellung der Druckluft möglich. Zusätzlich wird bei beiden Systemen die Druckluft auf 35 °C bis 40 °C am Ausgang der Pistole erwärmt. Dies unterstützt die Verspritzbarkeit und den Verlauf des Materials und sorgt für einen höheren Auftragswirkungsgrad. Die Erstellung der Temperatur unterscheidet sich technisch bei beiden Geräten. Beim Arbeiten mit dem Aircommander kann ein handelsüblicher, antistatischer Druckluftschlauch eingesetzt werden.

Thema Farbton

Für Lackierbetriebe entscheidend ist die Frage, ob Veränderungen bei der Applikationsluft die Farbtongenauigkeit gegenüber der normalen Spritzweise nach technischem Datenblatt verändern. Hier hat der Aircommander den Vorteil, dass der Spritzdruck gleich bleibt, während er beim Nitrotherm deutlich verringert werden muss. Aus unserer Sicht festzuhalten ist allerdings, dass Kunden, die dieses System bereits im Einsatz haben, keine Farbtonveränderungen melden. Deshalb ist es wichtig, dass Kunden die sich eine eigene Datenbank aufgebaut haben und über den Kauf eines solchen Systems nachdenken, die Reproduzierbarkeit ihrer Spritzmuster, mit dem vom Gerätehersteller empfohlenen Spritzdruck, überprüfen.

Ein nicht zu unterschätzender Faktor ist natürlich der Gesundheitsschutz. Der Trend geht immer mehr zu fremdbelüfteten Atemschutzsystemen. Benutzt ein Betrieb so ein System, ist zu beachten, dass bei Stickstoff-unterstützten Systemen ein separater Druckluftschlauch vom Kompressor in die Kabine verlegt werden muss.

Investition lohnt sich

Trotz der hohen Investitionen für zumindest zwei der vorgestellten Systeme, kann sich eine Anschaffung bereits in kurzer Zeit amortisieren, da die Einsparpotenziale aus dem Finishbereich in aller Regel beträchtlich sind. Dazu eine einfache Rechnung:

Ein Betrieb lackiert 1.000 Fahrzeuge pro Jahr. Den Aufwand zum Polieren kann man unserer Erfahrung nach mit ca. 60 Minuten veranschlagen. Natürlich gibt es Betriebe, die schneller und auch solche, die langsamer sind, aber nehmen wir diesen Wert einmal als Durchschnitt. 1.000 Fahrzeuge mal eine Stunde Finish ergeben bei einem Kostensatz pro Stunde von 60 Euro 60.000 Euro Finishkosten pro Jahr. Gelingt es, durch Einsatz eines Gerätes zur Spritzluft-Vorbehandlung diese Kosten um nur zehn Prozent zu reduzieren, dann hat sich so ein Gerät bereits nach zwei bis drei Jahren, ohne Wartungs- und Folgekosten zu berücksichtigen, amortisiert. Inwiefern sich so ein System für den Betrieb rechnet, hängt natürlich auch davon ab, wie hoch der „Leidensdruck“ durch Staubeinschlüsse im jeweiligen Betrieb ist. Bedacht werden muss auch, dass dort, wo Staubeinschlüsse verstärkt auftreten, in der Regel eine einzige Maßnahme zur Behebung der Probleme nicht ausreichen wird. Eines steht aber fest: Die Finishkosten sind eben ein großer Kostenfaktor, der durch diese Systeme reduziert werden kann.

Armin Dürr, Technical Manager
AkzoNobel VR DACH