Optimal geplante Lackieranlage, perfektes Routing

Ein Bild von einem Betrieb

Die Firma Eisemann setzt ´mit einer optimal geplanten Lackieranlage und perfektem Routing Standards

Michael Rehm

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte, heißt es. Mehrere Bilder müssten demzufolge spielend in der Lage sein, einen kompletten Artikel zu ersetzen. Ein verlockender Gedanke, denn ein bisschen ist man versucht, bei einem Beitrag über den Neubau der Firma Eisemann in Fellbach bei Stuttgart die Bilder für sich sprechen zu lassen. Wer sich ein wenig auskennt, erkennt sofort die Logik und die Klarheit, die hinter diesem Projekt stecken – und die sich nicht nur im Layout der Anlage, sondern auch in zahllosen Detaillösungen zeigen. Zum Beispiel in einer optimal geplanten Lackieranlage oder im perfekten Routing. Etwas Text soll es also doch sein …

Intensive Beratung

Der Stammbetrieb wurde von den Vätern der heutigen Geschäftsführer Andreas und Frank Eisemann in der Fellbacher Innenstadt errichtet, doch immer stärker ist man an Grenzen gestoßen und vor kurzem an die Peripherie gezogen. Auf dem Gelände eines ehemaligen Baumarkts erfüllten sich die Cousins ihren Traum von einem Betrieb, der optimale Prozesse und Abläufe ermöglichen sollte – und in dem sich Mitarbeiter und Kunden gleichermaßen wohlfühlen sollten. „Wir haben nicht nur Kollegenbetriebe in Deutschland, sondern gemeinsam mit unserem Lacklieferanten Sikkens auch die DCR-Werkstattgruppe in den USA besucht“, berichtet Frank Eisemann. Das amerikanische Unternehmen gilt als „Erfinder“ des sogenannten PCE-(für: Process centered Environment)-Modells zur Werkstattorganisation und Prozessoptimierung, das im Zentrum des betriebswirtschaftlichen Beratungsangebots von AkzoNobel steht. „Eine wichtige Rolle haben bei der Planung des Betriebs aber auch die Anregungen des Lieferanten unserer Lackieranlage, Tiemo Sehon, gespielt“, erinnert sich Frank Eisemann.

Schnelle Verbindung

Die Lackieranlage ist natürlich das Herz des Unternehmens. Hier entschied sich die Firma Eisemann für eine Kombination aus zwei kabinenartig ausgebauten Universalarbeitsplätzen, einer Kombikabine und einem Doppeltrockner. Zwischen den Universalarbeitsplätzen auf der einen und der Kabinen-Trockner-Kombination auf der anderen Seite liegt eine Maskierzone. Per Schienensystem können Fahrzeuge bei Bedarf quer durch den kompletten Lackiertrakt bewegt werden. Eine Besonderheit stellt der großzügige Mischraum dar, von dem aus alle Bereiche des Lackiertrakts über zum Teil pneumatische Schiebetüren direkt erreicht werden können. „Es kommt extrem oft vor, dass man zwischen Mischraum und Kabinen hin und her gehen muss“, weiß Frank Eisemann, „deshalb spart man durch diese schnellen Verbindungen sehr viel Zeit.“ Der Mischraum bildet das Zentrum des Farbtonfindungs-Prozesses. „Wir benutzen die Farbtonpaspeln unseres Lacklieferanten gar nicht mehr“, erläutert Eisemann, „stattdessen setzen wir auf selbst gespritzte Muster, aus denen wir unser eigenes Archiv der gängigen Farbtöne zusammengestellt haben und das ständig erweitert wird. Die Kombination aus Farbtonmessgerät und eigenen Mustern stellt für uns den schnellsten und sichersten Prozess dar.“ Um die Farbmuster effektiv herzustellen, wurde der Mischraum mit einem kleinen Lackierstand und einem Trockenofen ausgestattet. Vorbereitung und Füllerauftrag erfolgen gegenüber des Kabinentrakts. Neun Vorbereitungsplätze mit Unterflurabsaugung und IR-Strahler sorgen dafür, dass der Nachschub für die Lackierer nicht abreißt.

Integriert in den Vorbereitungsbereich wurde ein separater Füllermischraum, sodass der große Mischraum ausschließlich Deck- und Klarlack vorbehalten bleibt.

Weitgehend autonom

Zu den technischen Highlights des neuen Betriebs gehört auch das Energiekonzept. Alle Lackier- und Trocknungsanlagen, die Halle und die Büros werden mit Warmwasser beheizt. Es gibt keinen Brenner, dafür ein gasbetriebenes, monovalentes 50 kW-Blockheizkraftwerk, das einen 13.000-Liter Warmwasserspeicher aufheizt. Von dort aus wird das Warmwasser vom Verbraucher mit dem höchsten Wärmebedarf, dem Trockner, über die Lackieranlage, Kombikabinen und Multifunktionsplätze bis zur Fußbodenheizung geführt, bevor es wieder erhitzt wird. Strom wird nur in Spitzenlastzeiten zugekauft, wobei sich dieser Anteil durch eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach der Halle noch weiter verringern wird.

Arbeiten mit Spaß

Doch wozu noch viel beschreiben? Die Bilder des nicht nur technisch, sondern auch in Sachen einheitlicher Gestaltung wie aus einem Guss wirkenden Betriebs sprechen eigentlich für sich. Was man auf den Bildern allerdings nicht sieht: die Ruhe, Konzentration und die spürbar gute Stimmung, die im neuen Betrieb herrschen. „Wir haben sehr viel in ein angenehmes Arbeits-ambiente investiert“, erläutert Frank Eisemann. Eine aufwendige Wärmedämmung, die Akustikdecke, das reichlich vorhandene Tageslicht und viele natürliche Materialien sorgen dafür, dass das Arbeiten im neuen Betrieb Spaß macht. „Hier im Stuttgarter Raum befinden wir uns in einer Umgebung, wo die Mitarbeiter zahlreichen Verlockungen aus der Industrie ausgesetzt sind“, erklärt Frank Eisemann. „Mit dem neuen Betrieb haben wir die Grundlage dafür geschaffen, dauerhaft gegenhalten zu können.“

Vom großzügigen Mischraum aus können alle Lackierbereiche gesteuert und betreten werden.
Foto: M. Rehm