Der „gute Wille“allein reicht nicht

Warum sich das Karosseriezentrum Lahr drei eigene Mechatroniker, neueste Diagnose- und Kalibrier-Tools leistet

Nach einem Karosserie- oder Glasschaden ist für unzählige Flottenbetreiber und gut informierte Privatleute in Baden das Karosserie- und Lackierzentrum Lahr der Anlaufpunkt schlechthin. In mehr als 40 Jahren seit der Unternehmensgründung durch Wilfried Wille ist der Ausbildungsbetrieb mit gut 50 festen Mitarbeitern zum Schrittmacher mit Pilotfunktion für die gesamte Branche avanciert. Im Schnitt können den Kunden sechs bis zehn Fahrzeuge am Tag zur Abholung bereitgestellt werden.

Doch allein der „gute Wille“, wie es auf einem Abschleppwagen im Hof geschrieben steht, hat das Unternehmen sicher nicht derart erfolgreich gemacht. Schon eher der starke Wille und Perfektionismus eines klugen Geschäftsmanns. Der Karosserie- und Diplom-Lackierermeister Wille und seine Frau haben seit jeher vorausgedacht – bei der Planung der Immobilie, bei der Einrichtung eines Qualitätsmanagements und mit dem frühzeitigen Ausbau eines leistungsfähigen Schadensmanagements. Partnerschaften mit so gut wie allen Versicherern, der IRS Group und Wintec stärken das Unternehmen.

Schäden richtig managen

„Heute ist das professionelle Schadensmanagement wichtiger denn je und unser Aufwand dafür ist beträchtlich“, erklärt Wilfried Wille. „Eine hochwertige Reparatur, deren komplexe Leistungsbausteine nicht vollständig vom Versicherer übernommen werden, kostet unser eigenes Geld. Deshalb dokumentieren wir jeden Schaden und jeden Handgriff akribisch. Außerdem liefern wir den Versicherern ungefragt zusätzliche Erklärungen, die transparent machen, warum eventuelle Verbundleistungen wie etwa Kamera- oder Radarkalibrierungen nötig waren.“ Allein drei der insgesamt sieben Büro-Mitarbeiter sind ausschließlich mit dem Schadensmanagement beschäftigt.

Aus Überzeugung genießen Qualität und Sauberkeit hohen Stellenwert. Davon dürfen sich Kunden jederzeit in den Hallen selbst überzeugen. Eine professionelle Putz-Kolonne wirbelt täglich nach Feierabend durch die Hallen. Auch wird ausnahmslos jeder Wagen gewaschen und vorübergehend in einer der großen Zeltgaragen auf dem Firmengelände geparkt, bevor er in eine der Hallen rollen darf. Dann gehört eine Bestandsaufnahme einschließlich der wichtigen Eingangsdiagnose per Diagnosegerät zu den ersten Schritten. Die folgende Instandsetzung orientiert sich an einem Prozessmanagement, das Wilfried Wille nach dem Vorbild erfolgreicher Automobilzulieferer in seiner Firma installiert hat.

Diagnose ist Standard

Ein Rundumblick in den Hallen offenbart bestens organisierte Werkzeugwände mit nebenstehenden Bildtafeln und Prozessbeschreibungen der Standard-Arbeiten. An Geräten, Werkzeugen und Maschinen fehlt hier wohl kaum etwas, was der Markt zu bieten hat. So stehen im Finishbereich eine mega-macs-66-Diagnosestation, die Kalibrierwand CSC-Tool, ein Husky für den Klimaservice und ein digitales Scheinwerfereinstellgerät der SEG V-Serie von Hella Gutmann Solutions. Dabei sind laut Wille Investitionen in die Maschinen und Gerätschaften kein großes Thema. „Wichtig ist, dass die Mitarbeiter griffbereit für jede Arbeit die optimalen modernen Maschinen und Tools haben. Wir kaufen die Maschinen ohnehin nicht, sondern mieten und leasen sie“, bemerkt der Chef leicht amüsiert. „Die müssen sich ihr Geld selbst verdienen! Das ist wirtschaftlicher.“

Zweifellos gehört ein gutes Diagnosegerät heute zur wichtigen Kernausstattung eines Karosserie- und Lackierbetriebs, was der Branchen-Primus in Lahr früh erkannt hat. Seit fast 10 Jahren verwendet das Wille-Team einen mega macs 66. Schon bei der Eingangsdiagnose liefert as Diagnosegerät wichtige Informationen zum Istzustand und entlarvt auch unsichtbare Schäden an Fahrzeugsystemen. Im Rahmen nötiger Bauteildemontagen oder deren Ersatz werden mit dem mega macs die Grundeinstellungen/Intitialisierungen/Kalibrierungen vorgenommen. Letztendlich liefert die Enddiagnose das ‚Go‘ für die dokumentierte, erfolgreiche Instandsetzung. Wie bei allen Tools wird bei Wille auch auf dem Sektor ‚Diagnose‘ laufend modernisiert: Soeben erfolgt der Stabwechsel an den neuen mega macs 77. Man will für die Zukunft optimal vorbereitet sein.

Kalibriert wird täglich

So verwundert es nicht weiter, dass bei Wille neben dem CSC-Tool-Grundträger und gängigen Kamera-Kalibriertafeln für VW-Marken weitere 17 Kalibriertafeln für insgesamt 24 Marken, die langen seitlichen Kalibriermatten für die Rundumkameras sowie die Radarkits vorgehalten werden – wie an allen wichtigen Arbeitsplätzen fein säuberlich griffbereit verstaut und versehen mit Kurzanleitungen zu wichtigen Arbeitsschritten. Was nicht heißen soll, dass es den Mitarbeitern an Know-how fehle. „Die Kurzanleitungen an den verschiedenen Arbeitsplätzen sollen die Mitarbeiter einfach nur entlasten. Durch die klare Definition wichtiger Schritte können Fehler vermieden und somit die Qualität gesichert werden. Dabei orientieren wir uns am Prozessmanagement der Industrie“, erklärt Wille.

Dem zunehmenden Anteil mechatronischer Leistungen an den Unfallinstandsetzungen neuer Fahrzeuge trägt Wille auch personell Rechnung: Drei der in der Karosserie- und Lackierwerkstatt aktiven Mitarbeiter sind ausgebildete Mechatroniker, die zudem ein entsprechendes Hella-Gutmann-Training für FAS absolviert haben. „Die Werkstattdurchläufe, an denen nach einer Instandsetzung die Kamera hinter der Frontscheibe, die Rundumkameras oder die Radarsensoren kalibriert werden müssen, nimmt rasant zu. Wir nutzen das CSC-Tool mehrmals täglich“, bestätigt denn auch Mechatronik-Meister Patrick Schneider. Er weist bespielhaft auf einen neuen Passat, bei dem ein LED-Scheinwerfer und das Steuergerät ersetzt werden mussten. „Hier mussten wir das Steuergerät, das wir vorinitialisiert von VW bezogen haben, mit dem mega macs im Fahrzeug anmelden. Anschließend ist die Kamera-Kalibrierung mit dem CSC-Tool notwendig und letztendlich auch noch die Scheinwerfereinstellung selbst. Diese Systemvernetzungen nehmen nicht ab, sondern zu und betreffen mittlerweile auch Kleinfahrzeuge. Aber an einem gut ausgestatteten Arbeitsplatz lassen sich die nötigen Schritte effizient durchführen.“

100 Prozent vorgabenkonform

Das erklärt, warum auf dem Werkstattboden des Karosserie- und Lackierbetriebs ein Scheinwerfereinstellplatz markiert ist, denn eigentlich richtet sich diese Vorschrift nur an Werkstätten, die In-house-HU anbieten. „Unser Boden ist zwar grundsätzlich sehr eben, aber beim heutigen Genauigkeitsanspruch moderner Scheinwerfer und FAS-Sensoren machen schon Zehntelmillimeter einen Unterschied. Deshalb haben wir den perfekten Ort in der Werkstatt gesucht und hier gefunden“, erklärt Wille. Der Mechatroniker bestätigt: „Ein Wagen dessen FAS-Sensoren und Scheinwerfer von uns eingestellt bzw. kalibriert wurden, entspricht bei seiner Auslieferung zu hundert Prozent den strengen Vorgaben des Herstellers. Darauf können sich unsere Kunden verlassen.“ Optische Markierungen der Fahrzeuge nach der Endkontrolle lassen auch hier keinen Raum für Irrtümer.

Mit den elektronischen Geräten, wie dem mega macs und dem digitalen Scheinwerfereinstellgerät SEG V, das alle Fahrzeugdaten beinhaltet und den Bediener durch die Einstellung führt, ist das Wille-Team sehr zufrieden. Doch man geht davon aus, dass die Zukunft weitere Herausforderungen bringen wird. So sei es absehbar, dass immer mehr Bauteile nach dem Ersetzen erst nach herstellerspezifischen Freischaltungen in den Fahrzeugen in Betrieb gehen können. Dann werde eine Möglichkeit zur Nutzung der OEM-Portale hilfreich sein. „Auch dazu bietet der mega macs im PassThru-Verfahren Möglichkeiten. Da gehen wir als nächstens ran“, meint der agile Senior Wille.

Weitere Informationen:
www.wille-lahr.de
www.irs-kundl.de