Aufwand in Rechnung stellen

Das IFL informiert über Arbeitsumfang und notwendige Arbeitsschritte bei der Farbmustererstellung

Bundesfachgruppe Fahrzeuglackierer, Institut für Fahrzeuglackierung IFL

Immer wieder werden Rechnungen rund um die Arbeitsposition „Farbmuster erstellen“ gekürzt. Die Behauptungen, die in diesem Zusammenhang von Prüfdienstleistern in ihren Prüfberichten getroffen werden, sind teilweise nicht haltbar und bedürfen einiger technischer und sachlicher Erläuterungen. Insbesondere die Aussagen in Prüfberichten, das Polieren angrenzender Teile und das Auslesen mit dem Spektrometer (Farbtonmessgerät) seien bereits mit der in den Kalkulationssystemen hinterlegten Vorgabezeit abgedeckt, sind unrichtig, wie die nachfolgende Analyse des IFL belegt.

Zunächst ist festzustellen, dass die letzte Anpassung bei den Vorgabewerten für das Erstellen des Farbmusters bei 2-Schicht Lacken in der AZT Kalkulation mit der Überarbeitung des Vorwortes der AZT Schwacke-Liste Lackierung II/2006 erfolgte. Dieser seitdem hinterlegte Zeitwert spiegelt die damalige Arbeitsweise wider, die sich mit heutigen Materialien und Hilfsmitteln in einigen Punkten geändert hat.

Welche Arbeitsschritte umfasst die Arbeitsposition „Farbmuster erstellen“,
die in den jeweiligen Kalkulationsprogrammen enthalten ist? Für die Erläuterungen, welche Arbeitsumfänge bei der Position „Farbmuster erstellen“ enthalten sind, ist zu beachten, welche Kalkulationsgrundlage für die Berechnung genutzt wird: Kalkulation nach Hersteller, nach AZT-Schwacke, nach DAT oder die manuelle Erfassung des Zeitaufwands durch den Betrieb.

Die Grundlagen für die Kalkulation „Farbmuster erstellen“ in der vorliegenden Form beruhen auf REFA Zeitstudien, die vor mehreren Jahren erstellt und unter den Beteiligten abgestimmt wurden.

Grundlagen für die Berechnung

In den REFA Zeitstudien des Instituts für Fahrzeuglackierung, IFL, die durch parallel durchgeführte Studien des AZT verifiziert sind, lautet die Beschreibung für die Arbeitsposition „Farbmuster erstellen“:

„Arbeitsverfahren und Arbeitsmethode:

  • Musterrohling reinigen und befestigen
  • Farbton in 2 Gängen applizieren, bei Bedarf einen Gang Klarlack aufbringen. Die anrechenbaren Ablüft- und Trockenzeiten wurden berücksichtigt.
  • Farbton an geeigneter Stelle prüfen.
  • Eventuell Farbton durch Hinzugeben von Mischlacken anpassen und Vorgang bis zur Übereinstimmung wiederholen.
  • Bei Bedarf ist das Öffnen und Schließen der Abdeckung und das Reinigen der Spritzpistolen berücksichtigt worden.“

In der damaligen Praxis orientierte sich das Arbeitsverfahren bei der Zeitnahme an folgendem Vorgehen:

Der Farbton wurde in der Regel anhand von Paspeln in der bestmöglichen Variante herausgesucht, der gewählte Farbton wurde ausgemischt und am Fahrzeug von Hand aus den Mischlackgebinden nachnuanciert, d.h. einzelne Mischlacke wurden nach Augenmaß „hinzugetröpfelt“ („Hinzugeben von Mischlacken“ s.o.). Oft erfolgte die Mustererstellung und das Nuancieren während des Lackiervorgangs am Fahrzeug und nicht gesondert vorab.

Im Vergleich früher-heute haben sich die Prozesse für den Arbeitsgang „Farbmuster erstellen“ und die beinhalteten Arbeitsschritte zum Teil grundlegend gewandelt, wobei die hinterlegten Zeitwerte in den Kalkulationsprogrammen generell nicht angepasst wurden. Keine Anpassung erfolgte zum Beispiel bei der Kalkulation nach AZT/Schwacke und nach DAT-Eurolack.

Aufwendigerer Prozess

Die heutigen Prozesse sind in der Regel durch folgende Arbeitsschritte gekennzeichnet:

  • Die Mustererstellung erfolgt oftmals separat, losgelöst vom Lackierprozess am Fahrzeug oder den Fahrzeugteilen (zur Einschätzung Farbtonangleich erforderlich ja/nein)
  • Musterkarte, sofern erforderlich, entsprechend der Rezepturvorgabe in dem vorgegebenen Untergrundfarbton vorbereiten
  • Geeignete Stelle, ggf. auch mehrere Stellen für den Farbtonvergleich auswählen und diese Vergleichsstellen reinigen und aufpolieren
  • Bei Einsatz von Farbspektrometer:

– Farbspektrometer kalibrieren

– Farbton auslesen, Gerätvorgaben be achten (z.B. Temperatur,…)

– Farbton am PC auswerten (digital)

  • Bei Einsatz des Paspelsystems

– Paspel nach Farbcode heraussuchen

– Farbtonvergleich am Fahrzeug/ Fahrzeugteil mit Paspeln (soweit im Paspelsystem vorhanden) und/oder vorhandenen Echtspritzmustern

  • Anfertigung von Farbmuster(n)
    (Beachtung der Mindestmischmenge, aktueller Materialpreis Schwacke 3,00 Euro, Stand I/2016)
  • Farbmuster erstellen (vor dem Lackiervorgang am Fahrzeug oder Fahrzeugteil)
  • Nach Trocknung Farbtonvergleich durchführen
  • Nachnuancieren sofern erforderlich (auf Waage mit Rezeptur) und weitere Farbmuster erstellen, beschriebenen Vorgang ggf. wiederholen
  • Die Erstellung mehrerer Farbmuster für den Farbtonangleich ins angrenzende Teil/in angrenzende Teile kann für den Reparaturerfolg erforderlich sein

Wie und in welchem Umfang sind die genannten Arbeitsschritte und Prozesse in den Kalkulationsprogrammen berücksichtigt oder nicht enthalten?

In den Programmhilfen zu DAT-Eurolack, Schwacke-Kalkulation und Herstellerkalkulation finden sich zum Thema „Farbmuster erstellen“ mehr oder weniger vollständige Hinweise. Beispiele anhand der Originalzitate bei AZT und DAT:

AZT (Schwacke-Liste Lackierungen, I/2016)

Vorbereitung zur Lackierung

Welche Vorbereitungspositionen fallen zusätzlich an

  • Lack anmischen mit Mischanlage
  • Farbmuster und endgültige Farbtonfindung

DAT (SilverDAT 2)

Zusammensetzung der Arbeitszeit

Zusätzlich zur einmaligen höchsten Vorbereitungszeit können weitere Vorbereitungszeiten anfallen. Diese können sein:

  • Lack anmischen
  • Farbtonvergleichsmuster spritzen (auch Eingabe der Anzahl Musterbleche möglich)

Herstellerkalkulation

Je nach Hersteller sind entsprechende Informationen über die Hersteller-Reparaturleitfäden oder Lackierhandbücher erhältlich. In der DAT-Hilfe (silverDAT II) finden sich in den Hersteller-Infos Informationen zu den einzelnen Automobilherstellern und deren Fahrzeugtypen, inwieweit „Farbmuster erstellen“ in den Vorbereitungszeiten beinhaltet oder extra zu verrechnen ist. Dies kann auch innerhalb eines Herstellers fahrzeugtypbezogen unterschiedlich sein.

Wo kann der Betrieb bei Bedarf diese hersteller- und fahrzeugtypbezogenen Informationen zum Arbeitsumfang „Farbmuster erstellen“ erhalten?

Informationen zu den Grundlagen der Zeiterfassung bei den Automobilherstellern sind – soweit bekannt – nicht frei zugänglich. Teilweise kann der Betrieb die benötigten Informationen: Was ist hersteller-/typbezogen enthalten, wie erfolgt die Berechnung und welche Programmeinstellungen sind durch den Betrieb erforderlich.

Wie die nachfolgend genannten Beispiele hierzu belegen, weichen die Arbeitsprozessbeschreibungen der Automobilhersteller stark voneinander ab.

  • Musterblech spritzen: Schutzkleidung an- und ablegen, Musterblech vorbereiten, Musterblech spritzen
  • „Die notwendige Anfertigung von Musterblechen muss mit der tatsächlich aufgewendeten Arbeitszeit verrechnet werden. Diese Zeit kann auch die Abtönung der Farbe enthalten.“
  • Der Arbeitsaufwand für „Farbmusterblech“ ist in der Vorbereitungszeit enthalten.

Aus diesen Beschreibungen wird deutlich sichtbar, warum die Vorgabezeiten für die Position „Farbmuster erstellen“ derzeit mit 2 AW, bzw. 3 AW (10er-System) voreingestellt ist, bzw. die Zeit im Betrieb eigenständig erfasst werden muss.

Positionen aktiv anwählen

Was bedeutet dies nun für die Kalkulation?

1. Die Kalkulationspositionen

  • Vorbereitung Farbe mischen und
  • Vorbereitung Farbmuster erstellen

müssen in der Berechnung nach AZT/Schwacke und nach DAT-Eurolack aktiv in den Kalkulationsprogrammen von den Anwendern angewählt oder voreingestellt werden. Nur dann erscheinen beide Positionen mit Text und Arbeitszeitwert in der Kalkulation.
Zu beachten: Bei der Kalkulation nach AZT/Schwacke wird eine (*) Position erzeugt.

2. Bei Kalkulation nach Herstellervorgabe ist im Einzelnen in der Programmhilfe zu prüfen, ob „Farbe mischen“ und „Farbmuster erstellen“ automatisch in der Vorbereitungszeit enthalten sind, extra angewählt oder mit eigenen Arbeitszeitdaten hinterlegt werden müssen. Selbst innerhalb eines Herstellers kann dies je nach Modell oder baujahrabhängig unterschiedlich sein.

3. Aufwendige Farbtonsuche muss extra verrechnet werden. Ein Nachweis der aufgewendeten Zeit (AZ) kann der Arbeitsauftrag, die BDE oder die Selbstaufschreibung sein.

4. Die Nutzung eines Farbspektrometers ist, wie oben beschrieben, im ursprünglichen Prozess zur Position „Farbmuster erstellen“ nicht erfasst.

5. Das Polieren zum Farbtonvergleich ist zu unterscheiden vom Aufpolieren angrenzender Teile zur Angleichung des gealterten Lackes an die neue Lackierung. Das Polieren zum Farbtonvergleich wird an einer angrenzenden Stelle zu der zu lackierenden Fläche und/oder im beschädigten Teil geleistet.

6. Reichen die Vorgabewerte (2 Schicht: 3 AW im „10er-System“, bzw. 4 AW im 12er-System) und der voreingestellte Materialwert nicht aus, müssen die Vorgabewerte in der Kalkulation manuell korrigiert, bzw. als eigene Arbeitsposition (Textbaustein) erfasst werden.

7. Auch wenn grundsätzlich für Prüfdienstleister keine Veranlassung besteht, aufgeführte Arbeitspositionen in der Rechnung des Fachbetriebes in Zweifel zu ziehen, kann es zur Abwehr ungerechtfertigter Rechungskürzungen hilfreich sein, ggf. Fotos von auflackierten Mustern oder Screenshots von der Auswertung der Farbtonmessung mit dem Spektrometer zu erstellen.

Rechnungskürzungen aufgrund falscher Interpretation oder fehlender Sachkenntnis der AZT-, DAT- oder anderer Kalkulationsgrundlagen sind daher zu unterlassen.

Ergänzende und weiterführende Informationen zum Thema:
Farbe mischen und Farbmuster in der AZT- und DAT- Kalkulation, IFL 001581, 02.08.2016
Farbtonangleich ja oder nein? (Handlungsempfehlung), 2 Anlagen, IFL SA00002, 04.02.2016