Die etwas andere Lackierwerkstatt

Die Lackierer im Europa-Park Rust arbeiten dort, wo andere ihre Freizeit verbringen

Evelyn Becker

Lackierkabine, Trockenraum, Mischmaschine, Fahrzeugteile – alles da. Auf den ersten Blick sieht diese Lackierwerkstatt in Rust wie eine ganz normale Werkstatt aus. In einer Kabine lackiert ein Mitarbeiter gerade ein Metallteil, im Vorbereitungsbereich wird geschliffen und nebenan ist jemand mit der Airbrush-Pistole am Werk. Aber woran genau? Bei näherem Hinsehen entpuppt sich das Objekt als riesiger Wikingerkopf, dem per Airbrush ein furchteinflößendes Aussehen verpasst wird. Im Hintergrund leuchtet ein überdimensionaler Totenkopf. So ganz normal ist diese Werkstatt doch nicht, oder? Für die Mitarbeiter hier ist das jedoch der alltägliche „Wahnsinn“. In der Lackierwerkstatt des Europa-Park sind die Arbeiten nun mal etwas spezieller. Wer hier arbeitet, findet das aber richtig gut, denn wo sonst kann man sich solch vielseitigen Tätigkeiten widmen wie in einem Freizeitpark?

Während die einen arbeiten …

Arbeit und Freizeit? Das passt ja eigentlich so gar nicht zusammen. Falsch gedacht, denn im Europa-Park arbeiten die Mitarbeiter der Maler- und Lackierwerkstatt inmitten von 15 europäischen Themenbereichen mit über 100 Attraktionen und mehr als 5,6 Millionen Besuchern, die im letzten Jahr aus der ganzen Welt zu Gast waren. In Freizeitparks taucht man in eine andere Welt ein – oder besser gesagt in viele unterschiedliche Welten. Ganze Städte oder Länder lassen sich erkunden. Hinter den Kulissen sind dafür viele Mitarbeiter zuständig, die dem Park sein besonderes Aussehen verpassen.

In der Werkstatt herrscht genauso rege Betriebsamkeit wie in Deutschlands größtem Freizeitpark selbst. Praktisch, dass die Lackiererei auf dem betriebseigenen Gelände nur wenige Gehminuten von den Attraktionen entfernt ist. Mit ihren kleinen Elektrofahrzeugen sind die Mitarbeiter schnell zur Stelle, wenn vor Ort mal etwas ausgebessert werden muss oder die neuen Dekorationen und Gegenstände an ihren finalen Platz gebracht werden. „Hier ist es dringend notwendig, dass man sich auf dem Gelände gut auskennt“, erklärt Daniel Klausmann, der Leiter der Maler- und Lackiererwerkstatt, „bei der Größe des Parks muss man die Wege gut kennen, um schnell vor Ort zu sein.“

„Wir bearbeiten alles“

Natürlich werden hier auch Fahrzeuge lackiert. Na gut, es sind die firmeneigenen Elektromobile, die natürlich in den Farben des Europa-Parks lackiert werden. Ansonsten stehen eher andere Fahrzeuge im Vordergrund – nämlich die auf Schienen. In ganz neuem Glanz erstrahlen zum Beispiel die Wagen des „Eurosat – CanCan Coasters“, der Mitte September eröffnet hat. Von den Fahrgeschäften und den Schienen bis hin zu Geländern oder Dekoelemente wird hier alles bearbeitet.

Da kann es auch mal vorkommen, dass ein Fahrrad einen Komplettanstrich in blauem Lack erhält. „Alles was hier vor Ort geschieht, wird von unseren Mitarbeitern durchgeführt. Nur bei ganz neuen Attraktionen wird die Originallackierung von den Herstellerfirmen ausgeführt. Für alle folgenden Lackierarbeiten sind wir zuständig.“

Sicherheit groß geschrieben

Jeden Tag kommen Tausende Besucher in den Park – klar, dass die Beanspruchung der Beschichtungen da extrem hoch ist. Es wird angefasst, draufgesetzt, gegengelehnt … da müssen Lack und Farbe einiges aushalten. Dazu kommen noch die thermischen Ansprüche durch die Witterung bei extremer Sonneneinstrahlung, Kälte oder hoher Luftfeuchtigkeit sowie chemische Belastungen durch Reinigungsmittel. „Wir verwenden aus diesem Grund ausschließlich lösemittelhaltige Lacke“, betont Daniel Klausmann. „Unser Fokus liegt eher im Bereich der Industrielackierung als der klassischen Fahrzeuglackierung. Hier kommt es nicht so sehr auf das perfekte Oberflächenfinish an, sondern auf die Haltbarkeit und die Gestaltung.“

Zudem sind gewisse Anforderungen auch vom Gesetzgeber genauestens vorgegeben. Die Brandschutzbeschichtung spielt hierbei eine besonders wichtige Rolle, denn die Sicherheit im Park, für Mitarbeiter und Besucher, wird natürlich ganz groß geschrieben.

26 Maler und Lackierer sind zur Zeit in den Werkstätten des Europa-Parks angestellt. „Unser Bedarf ist sehr groß“, so Daniel Klausmann, „Bei der Menge an Arbeit, die auch durch die große Wasserwelt „Rulantica“ bis 2019 nicht weniger wird, brauchen wir immer Leute. Daher beziehen wir auch Personal von Leihfirmen.“ Kaum zu glauben, aber der Fachkräfte- und Nachwuchsmangel macht sich selbst hier bemerkbar. Dabei sind die speziellen und abwechslungsreichen Aufgaben ein echter Traumjob. Arbeiten in einer ganz eigenen, kleinen, kunterbunten Welt voller Abenteuer und Nervenkitzel – ständig mit dem Geruch von frischem Popcorn in der Nase.


Fotos: Evelyn Becker
Fotos: Evelyn Becker
Fotos: Evelyn Becker
Fotos: Evelyn Becker

Hier werden die verschiedensten
Arten von Fahrzeugen lackiert. Besonders chic sind die Oldtimer, die Teil der täglichen Parade sind.