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Ziemlich abgehoben

Das österreichische Unternehmen Wucher ist auf Helikoptertransporte spezialisiert. Die Lackierung der Hubschrauber spielt dabei eine wichtige Rolle.

Klettern, Wandern, Skifahren – die Alpen haben einiges zu bieten und immer geht es auf und ab. Doch was Urlaubern Spaß macht, stellt für den Transportverkehr ein Problem dar. Kein Wunder, dass beim Güter- und Personenverkehr wendige Helikopter, die „Akrobaten der Lüfte“, oftmals die schnellere, sicherere – und manchmal einzige Alternative zum Straßentransport sind.

Auf genau solche Aufgaben hat sich seit 40 Jahren die Firma Wucher im vorarlbergischen Ludesch spezialisiert. Mit einer Flotte eigener Hubschrauber werden unter anderem Lastenflüge, Rettungsflüge, Personen- und Rundflüge angeboten. Daneben spielt, wie generell im Flugverkehr, die Wartung und Instandhaltung der eigenen und zunehmend auch fremder Hubschrauber eine wichtige Rolle – wozu natürlich auch die Lackierung gehört. In die wurde in den vergangenen Jahren kräftig investiert. In einer neu errichteten Lackieranlage am Hauptsitz in Ludesch werden alle im Rahmen der Wartung anfallenden Lackierarbeiten ausgeführt. Immer wieder erhalten Hubschrauber dort aber auch ein ganz eigenes und individuelles Design.

Sicherheit, Schutz und Design

„Natürlich geht es bei uns in der Luftfahrt in erster Linie um Sicherheit und Schutz der Oberflächen“, erklärt Kay Robert, der Leiter der Lackiererei. „So ist zum Beispiel die Rissprüfung bei der Lackiervorbereitung unbedingt notwendig. Andererseits werden bei unseren Flughöhen von in der Regel nicht mehr als 3.000 bis 4.000 Metern keine so außerordentlichen Ansprüche an die Lackierung wie Flugzeugen gestellt, wo extreme UV-Strahlung, enorme Temperatur- und Druckschwankungen berücksichtigt werden müssen.“ Entsprechend frei ist er bei der Auswahl seiner Materialien. „Ich verwende für die Decklackierung ganz normale Autolacke von Nexa Autocolor,“ berichtet Kay Robert und setzt schmunzelnd hinzu: „Wahrscheinlich bin ich der einzige Lackierer in der Luftfahrt, der dabei auf Wasserbasislacke setzt.“ Ein Produkt gibt es jedoch, das er nicht von seinem bewährten Lackhändler Autolackprofi aus dem benachbarten Hohenems beziehen kann: „Es gibt einen besonderen Primer für die Luftfahrt, der ausdrücklich vorgeschrieben ist.“ Die weitere Untergrundbehandlung und der Lackaufbau unterscheiden sich prinzipiell nicht vom dem bei Fahrzeugen – mit einem Unterschied: „Die Bewegungen an der Hubschrauberkarosserie können je nach Aufgabe speziell im oberen Bereich enorm groß sein. Daher muss ich dafür sorgen, dass der Klarlack sehr flexibel eingestellt ist.“

Hochglanz am Hubschrauber

Die optischen Anforderungen an die Oberflächen variieren sehr stark. „Bei Maschinen, die für Transportflüge eingesetzt werden, kommt es darauf an, sauber und akkurat das Firmendesign in den richtigen Farben umzusetzen, bei Rettungshubschraubern kommen noch zahlreiche Beschriftungen und Signalfarben dazu“, erläutert Kay Robert.

Sehr viel höher ist der Aufwand bei Privatmaschinen, die in der Wucher-Lackiererei um- oder neu lackiert werden. „Metallic- und Perleffekt-Lackierungen sind bei Privatmaschinen beinahe Standard“, weiß der Lackierer, „und auch das Finish muss spiegelglatt sein. Ist ja auch verständlich – einer Hubschrauberoberfläche komme ich viel näher als der eines normalen Flugzeugs. Da sieht man jedes Staubkorn. Und die Eigentümer der Privatmaschinen hängen schon sehr an ihren Hubschraubern.“

So sehr, dass sie gar nicht so selten auch der Lackiererei einen Besuch abstatten, wenn ihre Millioneninvestition gerade bearbeitet wird. Nicht nur deshalb steht im Lackierbereich alles fein sauber an seinem Platz. Auch die Kabine selbst, ein Eigenbau auf Basis einer Wolf-Kabine, wirkt hell und luftig. Ein wenig trägt zu diesem Eindruck auch die schiere Größe bei. „Je nach Bedarf kann unsere Lackierkabine so erweitert werden, dass wir sogar komplette Hubschrauber mit Kabine und Ausleger hier hereinbekommen“, erzählt Kay Robert. Ein weiterer Vorteil seiner Planung: Werden die Lüftungsgitter und Filter im Boden entnommen, kann der Lackierer in den 1,50 Meter tiefen Schacht hinabsteigen und Maschinen auch bequem von unten lackieren – natürlich mit separater Absaugung. Kay Robert: „Das ist nicht mit Gold zu bezahlen, besonders bei aufwendigen Designs, die bis zum Rumpf gehen.“

Fliegende Stiere

Echte Highlights in Sachen Lackierung und Design sind Aufträge, die bei Wucher im Rahmen einer Partnerschaft mit einem weltbekannten Energiedrink-Hersteller bearbeitet werden. Dieser unterhält mit den „Flying Bulls“ eine aufwendig im Firmendesign gestaltete Kunstflug-Hubschrauberflotte. Darüber hinaus hat sich aus der Kooperation heraus auch bereits der eine oder andere absolut individuelle Spezialauftrag ergeben. Zum Beispiel ein Hubschrauber, dessen komplette Fläche mit einer topografischen Landkarte überzogen wurde, auf der dann die Umrisse eines – natürlich – Bullen zu erkennen sind. Gute und gerne 400 Arbeitsstunden können bei solchen Aufträgen am Ende auf dem Zettel stehen. Bei diesen speziellen Jobs arbeitet der Lackierer sehr eng mit dem Designbüro Zajcmaster zusammen, das die Gestaltung entwickelt hat. Designer Michael Zajc lässt es sich in solchen Fällen nicht nehmen, persönlich bei Wucher vorbeizuschauen und ein Auge auf die Lackierung zu haben. „Oft wird dann auch spontan noch etwas variiert und improvisiert“, weiß Kay Robert, „denn wenn man die Fläche direkt vor sich hat, ergeben sich manchmal andere Eindrücke und Ideen als auf dem Bildschirm.“

Die ganze Vielfalt des Berufs

Seit fast fünf Jahren ist Kay Robert nun bei Wucher, zuvor war er in der Lackiererei des Baumaschinenherstellers Liebherr im Werk Nenzing angestellt. Der Kontakt zu Wucher entstand durch persönliche Kontakte. „Ich habe, als die Lackiererei bei Wucher noch nicht ganz so professionell aufgestellt war, ein paar Mal ausgeholfen – und war natürlich höchst interessiert, als beschlossen wurde, eine ganz neue Lackierabteilung einzurichten.“ Der Kontakt zum vorherigen Arbeitgeber ist aber nicht abgerissen. Stolz ist Kay Robert auf ein Projekt, bei dem Lackierer-Auszubildende dieses Unternehmens in der Wucher-Lackiererei Praktika absolvieren. „Für Auszubildende ist es aus meiner Sicht sehr wichtig, möglichst viele Facetten des Lackiererberufs kennenzulernen. Da in ihrem Lehrbetrieb industrielle Aufgabenstellungen überwiegen, macht es diesen Auszubildenden besonderen Spaß, auch in die gestalterischen Jobs hineinzuschnuppern. Und Hubschrauber sind für Auszubildende natürlich sowieso ein ganz, ganz spannendes Metier“, meint Kay Roberts lächelnd, „Hauptsache, sie heben nicht gleich ab.“ eb ■

www.wucher.at


Der Entwurf zum Hubschrauber auf der Aufmacherseite. Designer Michael Zajc steht während des Prozesses stets in engem Kontakt zur Wucher-Lackierabteilung. (Foto/ Design: zajcmaster)

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