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Technik mit Anspruch

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Technik mit Anspruch

Das Institut für Fahrzeuglackierung befasste sich eingehend mit dem Wassertransferdruck

Euro. I. E. Jürgen Müller

Eine neue dreidimensionale Veredelungstechnik kommt aus dem asiatischen Raum nach Deutschland. Zur Veredelung werden beschichtungsfähige Teile vorlackiert, ins Wasserbad getaucht, gewaschen und mit Klarlack überzogen.
Im Wasserbad befindet sich eine aufgelöste Folie, die Muster wie z.B. Wurzelholz-, Marmor-, Schlangenhaut- oder Carbon auf die getauchten Teile überträgt. Die bevorrateten Folien werden ständig mit neuen Mustern ergänzt. Es können sogar Folien mit Mustern nach Kundenvorlagen hergestellt werden.
Neben den vorhandenen Vorbereitungsplätzen und Lackieranlagen müssen ein Zuschneideplatz, ein spezielles Waschbecken und ein Tauchplatz eingerichtet werden. Als Einstiegspreis können ca. 6000,- bis 9000,- Euro veranschlagt werden. Für schwere oder größere Teile wird ein Taucharm benötigt, hierfür müssen nochmals ca. 2300,- bis 2900,- Euro kalkuliert werden.
Für eine veredelte Felge lassen sich ca. 130,- bis 200,- Euro erzielen. Dafür müssen neben dem Arbeitslohn, Lackiermaterial und den Energiekosten, noch ca. 4,- Euro für die Folie und den Aktivator einkalkuliert werden.
Viel Lehrgeld haben Unternehmer gezahlt, die sich bisher mit der Veredelungstechnik befasst haben. Einige Geräte- und Folienlieferanten haben bisher nur ungenügende Beschreibungen des Verfahrens geliefert. Wenn allerdings nicht das richtige Vorlackmaterial verwendet wird, oder die vorgeschriebenen Verarbeitungszeiten und Temperaturen nicht eingehalten werden, sind Misserfolge vorprogrammiert.
Das Institut für Fahrzeuglackierung hat sich des Themas angenommen, eigene Versuche durchgeführt und eine Arbeits- und Verfahrensvorschrift erstellt. Die Vorschrift enthält auch eine Tabelle mit möglichen Fehlern und deren Ursache.
Das Verfahren
Voraussetzungen zum Wassertransferdruck
  • Tauchbecken (neue Becken vor dem Einsatz entfetten) und Waschplatz. Bei großen Teilen ein Taucharm.
  • Klimatisierung auf 23° C und Luftfeuchte 55 bis 60% (nur bei optimaler Verarbeitungsqualität).
  • Absaugvorrichtung
  • Schutzkleidung: Handschuhe sind anzulegen, und besonders beim Aktivieren des Druckfilms muss eine Atemschutzmaske, mindestens Schutzklasse A1, zur Verfügung stehen (der Aktivator enthält gesundheitsschädliche Lösemittel).
  • Betriebstemperaturen müssen eingehalten werden
– YHT Folien: Standardfilme im
Tauchbecken 30° und im Filterbecken
32°, Spezialanfertigungen nach
Lieferantenangaben.
– Cubic Folien: Wassertemperatur im
Tauchbecken 25° bis 27° C.
Füllhöhe des Leitungswassers muss beachtet werden
– Tauchbecken bis zum Überlauf voll.
– Filterbecken bis zum Rand des
Filtereinsatzes.
  • Wasserwechsel ist nötig, sobald Qualitätseinbußen festgestellt werden (siehe Hersteller-Bedienungsanleitung). Bei der Kanaleinleitung des Abwassers müssen die Einleitungs-Genehmigungsvorschriften beachtet werden.
  • Lagerung der Filme:
– YHT Folien: 20–27°C und 60% relative
Luftfeuchte. Luftgeschützt verpackt,
in dunklen Räumen.
– Cubic Folien: 18–25°C bei 50–60%
relative Luftfeuchte.
  • Spritzpistole mit Düsendurchmesser 1,3 mm und 0,8 bar oder Düsendurchmesser 1,0 mm und 0,6 bar Druck (siehe Technisches Merkblatt des Aktivators).
  • Waschplatz:
– Handwaschplatz mit Handbrause
(Gartendusche mit Handhebel),
ca. 30° warmes Waschwasser,
1 bis 2 bar Druck.
– Maschinenwaschplatz
mit automatisch ablaufendem
Waschzyklus (mit umlaufendem
Waschwasser) und Handbrause
mit Frischwasserspülung.
  • Glasplatte als Unterlage beim Folienschneiden. Ideal ist eine gehärtete Glasplatte, die auf 30° beheizt ist.
  • Verarbeitungsdaten für Standard-Druckfilme
  • Filmeinweichzeit vor dem Aktivieren: – YHT Folien: 40 µm Filme 180 Sekunden (3 Minuten) und 30 µm Filme 60 Sekunden. In der Regel sind 40 µm Filme 60 cm breit und 30 µm Filme 50 cm breit.
– Cubic Folien: 60 bis 120 Sekunden
je nach Film.
Aktivator – Einwirkzeit:
– YHT Folien: 1-K Aktivator 3 bis 15
Sekunden und 2-K Aktivator 5 bis
15 Sekunden. Die Einwirkzeit ist
farbauftragabhängig (viel Farbe =
lange Einwirkzeit).
– Cubic Folien: 3 bis 30 Sekunden
je nach Film.
Verarbeitungszeit des aktivierten Films:
– YHT Folien: 1K-Aktivator: Bis zu 30
Sekunden, je nach Raumtemperatur
und Luftfeuchte. 2K-Aktivator: Bis zu
180 Sekunden, je nach Raumtempera-
tur und Luftfeuchte. Topfzeit beim
2K-Aktivator ca. 24 Stunden.
– Cubic Folien: Bis zu 60 Sekunden,
abhängig von Film, Raumtemperatur
und Luftfeuchte.
Waschen:
– Von Hand: Ca. 30 Sekunden liegen-
lassen, dann waschen.
– Mit Automat: Sofort waschen.
Betriebsvoraussetzungen des Tauchbeckens
– Pumpe und Heizung auf ein.
– Thermostat des Filterbeckens
einstellen. Einmalige Einstellung,
Veränderung nur bei Spezialfilmen
oder Wechsel des Folienlieferanten.
– Warten, bis die Betriebstemperatur
erreicht ist und Heizung auf aus.
– Filtermatte (Filterart: Bodenfilter-
material oder WTD Filtermatte)
des Filterbeckens bei ständig
steigendem Wasserstand
des Filterkastens wech seln.
– Timer auf Filmeinweichzeit
voreinstellen
Verarbeitung
  • Grundton auftragen: Zwischen dem ersten und dem letzten Verarbeitungsschritt dürfen bei Cubic-Folien 24 Stunden und bei YHT-Folien 48 Stunden vergehen. Viele ABS-Kunststoffe können ohne Vorlackieren, andere Teile sollten vorlackiert beschichtet werden; dabei Farbton, Trockenzeiten und Materialart beachten. Es können nur offenporige Lacke zum Einsatz kommen; z.B. 1K Polyurethan-Lack, Füller oder Basislack (herstellerabhängig). Glänzende Lacke sind nicht porig genug, deshalb haftet der Beschichtungsfilm nicht. Die Lacke müssen noch offenporig sein; deshalb ist die gesamte Bearbeitung innerhalb von maximal 24 bzw. 48 Stunden durchzuführen. 2K-Lacke können vom Aktivator nicht angelöst werden. Im Einzelfall müssen Versuche durchgeführt werden, um die Beschichtungsfähigkeit des Filmes sicherzustellen.
  • Druckfilm schneiden (Abwicklung der Beschichtungsfläche + 5 cm, minimal 25 cm x 25 cm). Bei Bedarf muss entfettet werden. Begrenzungen können abgeklebt werden (Farblinienband, Klebeband, Folie).
  • Druckfilm in schrägen 2 cm tiefen, ca. 45° schrägen Schnitten, am Rand ringsherum, im Abstand von 3 cm bis 5 cm einschneiden (nur bei trockener Luft u003C 60% Luftfeuchte möglich), oder im selben Abstand kleine Klebestreifen am Rand ankleben.
  • Begrenzungsbleche auf die Wasserfläche auflegen (2 bis 5 cm Abstand zum Druckfilm).
  • Film zwischen nassen Daumen und Zeigefinger legen, Finger 3 Sekunden zusammendrücken und Film mit klebriger Seite auf das Wasser legen (Folie diagonal anfassen, in der Mitte durchhängen lassen und mit einer durchhängenden Seite beginnend auf das Wasser legen). Luftblasen mit trockenem Finger oder durch Blasen mit dem Mund unter dem Film herausdrücken.
  • Start-Taste des Timers drücken.
  • Nach Ertönen des Signaltons Stopp-Taste drücken.
  • Film mit Aktivator deckend, im Licht glänzend, besprühen (Vor Beginn des Vorganges Absaugung einschalten, Atemschutzmaske aufsetzen und Handschuhe anziehen). Ein zu dicker Auftrag lässt den Film auf dem Bauteil verschwimmen. Ergiebigkeit des Aktivators ca. 20 bis 30 mg/m2, entspricht ca. 33 bis 55 Meter Filmlänge, bei 50 bis 60cm Breite, für einen Liter.
  • Einwirkszeit des Aktivators abwarten.
  • Tauchvorgang langsam mit wenigen Millimetern pro Sekunde durchführen. Beim Tauchen von Hand, im getauchten Zustand Teil leicht schütteln bis der Film am Rand abreißt. Die Verarbeitungszeit ist einzuhalten. Die Zeit bis zum Verlaufen des Films ist filmabhängig. Der Tauchwinkel kann geometrieabhängig bis zu ca. 80° betragen. Auf der bereits mit Folie beschichteten Fläche haftet beim aktuellen Tauchvorgang kein weiterer Film. Die Folienüberlagerungen lassen sich abwaschen. Bei weiteren Tauchvorgängen muss die bereits beschichtete Fläche abgeklebt werden.
  • Wartezeit einhalten
  • Teile mit warmen Wasser waschen, bis der Schmierfilm beseitigt ist. Bei umlaufendem Wasser anschließend im frischen Wasser spülen.
  • Teile gut trocknen lassen.
  • Dekorfehlstellen können beseitigt werden:
  • Bei Fehlstellen kann je nach Folienart mit einem mit Aktivator, Aceton oder Verdünnung (nur mit Verdünnung auf Ketonbasis möglich) getränkten Pinsel Farbe von der Folie gelöst und übertragen werden. Ist wenig Farbe auf der Folie, muss die Farbe auf einer Fläche von mindestens 5 mal 5 cm gelöst werden.
  • Klarlackschicht auftragen (2K Polyurethan-Lack).
IFL Institut für Fahrzeuglackierung Hahnstraße 70 60528 Frankfurt-Main Tel.: 069–66575–320 Fax: 069–66575–350 info@institut-fahrzeuglackierung.de
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