Lackieren Technik

Metallischer Look aus der Spritzpistole

Neuer Effektlack erzeugt auf unkomplizierte Art Oberflächen, die wie verchromt oder galvanisiert wirken

Evelyn Becker

Türgriffe, Boxenabdeckungen, Lüftungsgitter, Blenden am Armaturenbrett – verchromte, galvanisierte und andere hochwertige metallische Oberflächen sind im Autoinnenraum Standard. Allerdings trügt der Schein oft, denn was wie Chrom, Aluminum oder Edelstahl aussieht, ist meistens – lackierter Kunststoff. Ein Experte für solche metallischen Innenraumlacke ist die Firma Diegel im nordhessischen Alsfeld, die sich auf Produkte zur Beschichtung von Kunststoff und Glas spezialisiert hat.

„Mit Galvanix haben wir für metallisch, genauer gesagt: wie galvanisiert wirkende Oberflächen im Auto ein Material entwickelt, das einen perfekten metallischen Glanz erzeugt, sehr widerstandsfähig ist und sich auch einfach verarbeiten lässt“, erklärt Thomas Schäumer, Verkaufsleiter bei Diegel. „Und natürlich lag es nahe, darüber nachzudenken, ob sich der Lack nicht auch in anderen Bereichen als im Fahrzeuginnenraum einsetzen lässt.“ Thomas Schäumer hat bereits einige Stationen in der Refinishbranche hinter sich und kann die Bedürfnisse der Lackierer genau einschätzen. „Metallisch wirkende Oberflächen sind sowohl bei Lackierern, die in der Industrielackierung und im Design tätig sind, als auch im Oldtimerbereich gefragt. Eine herkömmliche Galvanisierung oder Verchromung hat aber ihre Tücken, da die Verarbeitung nicht einfach und der Aufwand hoch ist. Warum sollten wir also nicht einen Versuch starten, Galvanix auch auf Außenflächen anzuwenden?“

Von innen nach außen

Galvanix wurde ursprünglich für die Beschichtung von Griffen, Blenden, Abdeckungen, Drehknöpfen, Tasten und weiteren Komponenten im Cockpit entwickelt. Nach umfangreichen LaborTests zeigte sich jedoch, dass der Lack auch für die Außenseite geeignet ist. „Für Lacke im Innenraum werden sowieso sehr aufwendige Tests durchgeführt, um die mechanischen Eigenschaften oder die Beständigkeit gegenüber Chemikalien zu gewährleisten. Die geforderte Abriebbeständigkeit von Oberflächen im Innenraum ist beispielsweise viel höher als für Außenflächen“, erklärt der Verkaufsleiter. Um nun die Freigabe für Außenflächen entsprechend den Prüfnormen der unterschiedlichen OEMs zu erhalten, wurde Galvanix im unternehmenseigenen Labor zusätzlich auf die Benzin- und Dieselverträglichkeit sowie die Beständigkeit gegen Natronlauge, Salzsäure,
Vogelkot und Baumharz getestet. Auch die Reststenz gegenüber Hochdruckreinigern wurde getestet. „Das Material hat alle Anforderungen erfüllt, sodass dem Außeneinsatz nichts mehr im Wege steht“, bestätigt Thomas Schäumer.

„Dieses Prüfprotokoll händigen wir auch den Kunden und Verarbeitern aus. Somit legen wir transparent dar, was der Lack kann.“

Einfache Verarbeitung

Alle im Fahrzeugbereich verwendeten Kunststoffteile lassen sich direkt mit Galvanix beschichten. Eine Grundierung mit einem Haftprimer ist nicht notwendig. Metallische Oberflächen benötigen jedoch eine entsprechende Grundierung. Für die Applikation des Materials kann der Lackierer eine Designpistole oder die Lackierpistole verwenden, die er auch für den Basis- oder Klarlack benutzt. Für ein perfektes Ergebnis empfiehlt Thomas Schäumer eine 1,2er- bis 1,4er-Düse. „Hier kommt es immer darauf an, wie der Lackierer am liebsten arbeitet.“ Das Material ist zweikomponentig und kann im Ein- oder Zweischichtsystem verarbeitet werden. „Um Galvanix an Außenflächen einsetzen zu können, mussten wir eine hohe Beständigkeit erreichen“, so Thomas Schäumer. „Daher ist eine Zugabe von fünf Prozent Härter notwendig.“

Hauchdünne Schicht

Einen wichtigen Unterschied zu normalen Lacken gibt es: Die Schichtstärke, in der Galvanix aufgetragen wird, beträgt nur etwa acht bis zwölf µm. Es wird also tatsächlich nur ein „Hauch“ des Materials aufgetragen. Der Vorteil dabei: Die Trocknung erfolgt sehr schnell, bereits nach kurzer Zeit kann die Oberfläche angefasst werden. Thomas Schäumer: „Das bedeutet natürlich nicht, dass das Material komplett durchgetrocknet ist, bei 60 Grad im Ofen reichen jedoch zehn Minuten, bis das Teil belastbar ist.“ Der Nachteil dieser dünnen Schicht: Durch die geringe Schichtstärke können mit dem Material alleine feine Unebenheiten wie Schleifspuren nicht ausgeglichen werden. Teile, die umlackiert werden, sind daher entsprechend gut vorzubereiten. Hier muss man zunächst einen Binder, einen Nass-in-Nass-Lack oder eine Schicht Basislack vorlegen.

Edel silbrig oder bunt

Vom dunklen Anthrazit über klassisches Silber bis hin zu strahlenden Farben wie Grün und Pink ist alles dabei. Bisher ist Galvanix in sieben Farbtönen erhältlich, alle eher sanft in ihrer Farbintensität, dafür stark im Effekt. „Der Farbton kann aber ganz individuell nach Kundenwunsch angepasst werden“, betont Thomas Schäumer. „Tiefere Farbtöne sind allerdings nur bedingt möglich, denn der metallische Effekt nimmt ab, je mehr farbige Pigmente ins Spiel kommen.“ Einen Vorteil gegenüber anderen metallischen Lackierungen sieht Thomas Schäumer vor allem darin, dass Galvanix ein Einschichtsystem ist. „Vergleichbare Farbtöne bekommt man sonst nur im 3-Schicht-System hin. Das bedeutet zum einen mehr Material, zum anderen auch mehr Aufwand beim Lackaufbau und uneffektive Trocknungszeiten. Zudem können sich bei jedem Durchgang auch Lackierfehler einschleichen.“

Für das perfekte Finish bietet Diegel einen speziellen Klarlack an. „Galvanix harmoniert auch mit 2-K-Lacken anderer Hersteller, jedoch konnten wir hier natürlich nicht alles testen. Wir haben im Labor ein oder zwei Fälle gehabt, bei denen es zu einer gewissen Wolkenbildung kam.“ Der Experte rät daher, sich vorsichtig heranzutasten, wenn mit einem anderen Produkt gearbeitet wird.

Gut zu integrieren

Auf den Markt kommt Galvanix in Ein-Liter-Gebinden beziehungsweise in entsprechenden Sets inklusive Härter und Klarlack. Wie groß der Markt für metallische Oberflächen aus der Spritzpistole ist, lässt sich schwer abschätzen, doch Thomas Schäumer ist optimistisch: „Viele Lackierer haben ihre Erfahrungen mit Metallisierungsverfahren gemacht, nur wenige sind dauerhaft an dem Thema drangeblieben, weil die Technik kompliziert und es sehr schwer ist, konstant gute und dauerhafte Ergebnisse zu erzielen. Unser Material entspricht in Wirkung und Haptik vielleicht nur zu 95 Prozent den Metalloberflächen, dafür lässt sich das Verfahren zu 100 Prozent in den ganz normalen Werkstattablauf integrieren.“

Weitere Informatioen:
Ernst Diegel GmbH
Tel.: +49 6631 785-0
info@diegel.de


Spiegelglanz hinter Glas

Spiegelartiger Chromglanz lässt sich mit Galavanix auf Metall nicht erreichen. Auf glatten , transparenten Oberflächen wie Glas oder Plexiglas sieht das ganz anders aus. Das Material haftet direkt auf Glas, sodass, von der Rückseite betrachtet, tatsächlich Spiegelglanz entsteht –
und das in zahlreichen möglichen Farben.



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