Lackieren in Schräglage

Karosserie Riedle baut neu – und setzt in der Lackierkabine auf eine drehbare Bühne

Michael Rehm

Qualität spielt für Martin Riedle eine große Rolle. Qualität war sogar der eigentliche Grund, warum der Inhaber von Karosserie Riedle in Erlenbach Mitte vergangenen Jahres nach 20 Jahren Konzentration aufs Blech beschlossen hatte, sich eine kleine, aber feine Lackierabteilung zuzulegen. „Wir hatten die Lackieraufträge über lange Zeit an verschiedene benachbarte Betriebe vergeben, mussten aber immer wieder Schwankungen der gelieferten Qualität feststellen“, berichtet Martin Riedle. „Irgendwann ist dann der Entschluss gereift, in eine zweite Halle zu investieren, um dort unsere Aufträge komplett zu bearbeiten.“

Das Lackiergeschäft konnte also in aller Ruhe aufgebaut werden. Dass eine leistungsfähige Kombikabine den Bedarf abdecken würde, war schnell klar. Martin Riedle entschied sich für eine Taifuno von WOLF. Ins Grübeln kam er, als er von der Option hörte, die Kabine mit der drehbaren Power-Stage-Bühne auszustatten. „Die Grundidee leuchtete mir sofort ein“, erinnert sich Martin Riedle. „Die große Mehrheit der Beschädigungen befindet sich in der unteren Fahrzeughälfte. Bei Schäden am Stoßfänger, im unteren Bereich der Tür oder am Schweller kann ich beim Lackieren die Reparaturfläche also nur eingeschränkt sehen. Wenn ich aber durch Drehen der Bühne solche Flächen genau ins Visier bekomme, kann das der Qualität nur zugutekommen. Auch wenn der Aufpreis mit der Power Stage recht happig ist, habe ich mich trotzdem für diese Lösung entschieden.“

Die Fläche im Visier

Lackierermeister Rüdiger Beck, der für die neue Abteilung verantwortlich ist, kann Martin Riedles Wahl nur bestätigen: „Die Bühne erleichtert die vielen Reparaturen in den unteren Fahrzeugbereichen. Noch offensichtlicher ist der Vorteil aber, wenn es mal ein Dach zu lackieren gibt. Bei höheren Fahrzeugen wie SUVs muss man da immer mit Leitern und Tritten arbeiten und auch bei der Applikation improvisieren: Mal vom Rand bis zur Mitte, dann von der Mitte zur anderen Seite und so weiter. Mit der Power Stage drehe ich das Fahrzeugdach in eine angenehme Position und kann zügig durchlackieren.“ Dass in einer „angenehmen Position“ gearbeitet werden kann, war auch für Martin Riedle ein wichtiges Argument: „Wir müssen heute neuen Mitarbeitern etwas bieten und dafür sorgen, dass neue und bestehende Mitarbeiter sich wohl fühlen. Eine ergonomische Ausstattung der Arbeitsplätze – und in dem Zusammenhang würde ich die Power Stage sehen – trägt auf jeden Fall dazu bei.“

Weniger Overspray, schnellere Trocknung

Als Pro-Argumente der drehbaren Bühne führt WOLF auch eine optimierte Luftführung an. Die Lacknebelabsaugung erfolgt über Filterflächen, die in die Bühne integriert sind. Dadurch, dass man die Bühne tendenziell in die Richtung dreht, aus der man appliziert, wird der Overspray auf kürzestem Weg abgesaugt. Darüber hinaus erfolgt die Lacktrocknung bzw. -ablüftung an senkrechten Fahrzeugflächen schneller, da diese beim Einsatz der Bühne so gedreht werden, dass sie schräg und damit stärker im Luftstrom stehen. Für Martin Riedle war dies der Grund, auf ein Abblassystem zu verzichten. „Ob ein Fahrzeug zwei, drei Minuten früher aus der Kabine gefahren werden kann, spielt bei uns nicht die entscheidende Rolle. Hauptsache, es wurde perfekt
lackiert.“


Jürgen Sterzik: „Es wird immer wichtiger, für die Lackierer in der Kabine optimale Arbeitsbedingungen zu schaffen. Am Ende drückt sich das auch in einer Erhöhung der Qualität aus.“
Foto: M. Rehm

Ergonomie und Qualität

Die drehbare Power Stage befindet sich seit 2016 im Wolf-Sortiment. Anders als man vielleicht vermuten würde, befindet sich der größere Teil der bislang installierten Power-Stage-Bühnen in kleineren bis mittelgroßen Lackierbetrieben. „Zum Teil liegt das daran, dass sehr große Betriebe häufig Anlagenkonstellationen wählen, bei denen Fahrzeuge per Querverschub von Station zu Station bewegt werden“, erklärt Jürgen Sterzik, bei Wolf Anlagen-Technik Vertriebsleiter Lackieranlagen. „Aus konstruktiven Gründen eignet sich die Power Stage ausschließlich für Einzelkabinen oder für Kabinen mit Trockner in Längsrichtung. Den Hauptvorteil der Power Stage sieht er in der Ergonomie: „In unseren Kundengesprächen hören wir immer häufiger, dass vielen, auch kleineren Betrieben immer wichtiger wird, den ‚Schlüssel-Mitarbeitern‘, sprich, den Lackierern in der Kabine, optimale Arbeitsbedingungen zu schaffen. Und natürlich drückt sich das letztlich auch in einer Erhöhung und Sicherung der Qualität aus. Wer sich die Power Stage einmal im Einsatz angeschaut hat, kann dies leicht nachvollziehen.“

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