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Digital Incubation Unit BASF

Technik
Digitale Ideenschmiede

Die Digital Incubation Unit der BASF Coatings verbindet Automotive- und Oberflächen-Know-how mit digitaler Expertise – und entwickelt so neue Geschäftsideen.

Die Digital Incubation Unit (DIU) des Unternehmensbereichs Coatings der BASF am Standort Münster wurde Anfang 2019 gegründet. Die Aufgabe des Teams: Trends aus den Bereichen der Automobilindustrie und Oberflächenlösungen nutzen und mit dem Aufbau digitaler Geschäftsmodelle zu einem diversifizierteren Portfolio des Unternehmens beitragen. Teil des Konzepts war es von Anfang an, die DIU nach und nach global aufzustellen, um nah an regionalen Trends und innovativen Marktteilnehmern zu sein. Hier ist der Unternehmensbereich Coatings mit dem Aufbau des DIU Studios in Shanghai Mitte Juli den nächsten wichtigen Schritt gegangen. Beide Standorte bieten mit ihren Netzwerken und regionalen Gegebenheiten je ein ganz unterschiedliches Umfeld für das Entwickeln und Validieren von digitalen Geschäftsideen. Das mittlerweile auf neun Köpfe gewachsene Team in Münster, das seit Mai dieses Jahres von Dominic Rudloff geleitet wird, ist divers aufgestellt – teils Kolleginnen und Kollegen, die zuvor in den Geschäftseinheiten tätig waren und teils auch externe Talente, die BASF Coatings für die DIU gewinnen konnte. Expertise und Erfahrung bringen die Mitarbeitenden in den Bereichen Marketing und Produktmanagement, Venture Development sowie User Experience und User Interface (UX / UI) Design mit. Zusätzlich arbeitet das Team eng mit Universitäten zusammen und bietet regelmäßig Werkstudenten und Praktikanten die Möglichkeit, in ein Corporate-Start-up hineinzuschnuppern. Über Aufgaben, Projekte und Herangehensweise der DIU sprachen wir mit DIU-Leiter Dominic Rudloff.

Herr Rudloff, warum befasst sich ein Lackhersteller so weit über den „Tellerrand“ hinaus mit Mobilitätsthemen?

Dominic Rudloff: Für uns als einen der führenden Anbieter im Bereich der Beschichtungstechnik ist die Automobilindustrie ein sehr wichtiger Markt. Schon lange setzen unsere Kunden in ihren Produktionsstätten auf digitale Lösungen. BASF Coatings unterstützt sie dabei und sieht Digitalisierung auch für sich selbst als wichtigen Treiber. Trends der letzten fünf Jahre deuten allerdings auch darauf hin, dass die Veränderungen in der Industrie weitreichender sind: Die Art und Weise, wie wir in Zukunft mobil sein werden, verändert sich, sodass wir uns neue Fragen stellen müssen.

Welche Fragen sind das?

Dominic Rudloff: Wer besitzt, wartet und gestaltet ein Fahrzeug bei einer zunehmenden Beliebtheit von Carsharing-Angeboten? Welchen Einfluss haben die Anforderungen an elektrische und autonome Fahrzeuge auf ihr Äußeres und inneres Erscheinungsbild? Werden Teile, die zurzeit noch lackiert werden, in Zukunft vielleicht aus anderen Materialien bestehen oder anderweitig beschichtet? All diese Fragen zeigen, dass zündende Ideen unsere derzeitige Wertschöpfungskette stark verändern können und Lösungen gefordert sind. Und hier kommt die DIU ins Spiel.

Lassen sich die Themen inhaltlich einkreisen, mit denen sich die DIU beschäftigt?

Dominic Rudloff: Die DIU interessiert sich für Trends und Entwicklungen aus dem Automobilbereich und der Oberflächenindustrie – gestützt durch das Know-how des Unternehmens über Lacke und Beschichtungen – und entwickelt nachhaltige digitale Geschäftsmodelle für das Unternehmen.

Woher kommen Anregungen für Themen oder Projekte?

Dominic Rudloff: Trendscouting ist eine sehr wichtige Aufgabe für die DIU. Das geschieht auf vielerlei Art und Weise: Zunächst sind die Mitarbeitenden inmitten der Start-up-Szene in Downtown Shanghai und im Digital Hub münsterLAND am Hafen in Münster angesiedelt und auch darüber hinaus in der Gründerszene vernetzt. Egal ob in Corona-zeiten virtuell oder zuvor in Präsenz: Seminare, Workshops und Events schaffen so regelmäßig Inspiration. Der zweite relevante Pfeiler ist die Verbindung zur BASF und dem Unternehmensbereich Coatings. Durch den Austausch mit Kolleginnen und Kollegen aus den Geschäftseinheiten, die wiederum in engem Kontakt mit ihren Kunden stehen, sind sie am Puls des Geschehens. Auch abseits des regulären Austauschs erhält das Team Anregungen aus den eigenen Reihen. Bei einem internen Ideenwettbewerb Ende 2019 kamen so beispielsweise über 80 Denkanstöße zusammen, von denen die besten weiter evaluiert wurden. Unter ihnen war auch PAJOO, an dessen Weiterentwicklung das Team in Münster derzeit arbeitet.

Gibt es einen personellen Austausch mit den klassischen BASF-Coatings-Abteilungen?

Dominic Rudloff: Es gibt einen regen Austausch der DIU mit den Geschäftseinheiten. Auch bietet die DIU die Möglichkeit sich weiterzuentwickeln. Tatsächlich gab es Wechsel von den Geschäftseinheiten in die DIU und umgekehrt. Digitale Kompetenz wird immer wichtiger, insbesondere auch für junge Talente wie Trainees oder Auszubildende. Diese haben daher die Möglichkeit, nach Absprache eine Station ihrer Ausbildung bei der DIU zu absolvieren.

In welcher Form erfolgt dieser Austausch?

Dominic Rudloff: Die Digital Community Meetings, die mindestens einmal monatlich stattfinden, dienen als Plattform für den inhaltlichen Austausch über Projekte und Bedarfe. Hieraus ergeben sich viele individuelle Kontakte. Zudem bringen Projekte, bei denen die Expertise aus unseren Geschäftseinheiten gefordert ist, automatisch einen engen Austausch mit sich. Dies ist beispielsweise aktuell bei PAJOO der Fall. Hier arbeiten die Kolleginnen und Kollegen der DIU stark mit der Einheit Autoreparaturlacke zusammen.

Welche Projekte wurden bereits auf die Schiene gebracht?

Dominic Rudloff: Insgesamt hat die DIU zahlreiche Ideen entwickelt und einige davon mit ersten Prototypen validiert. Diejenigen, für die potenzielle Kunden Interesse äußern – für die es also einen Markt gibt – werden weiterverfolgt und entweder als eigene Unternehmungen ausgegründet oder als Geschäft in das Unternehmen überführt.

RepairFix ist das erste separate Unternehmen, das aus der Digital Incubation Unit hervorgegangen ist. Das Tech-Start-up entwickelt und betreibt die unabhängige europaweite Plattform „motum“. Diese verbindet im Schadens- oder Servicefall Fahrzeughalter und -fahrer auf einfache Art und Weise mit Anbietern des Aftersales-Markts im Automobilbereich. Die digitale Kundenkommunikation für Werkstätten, das digitale Schadens- und Servicemanagement für Fuhrparks sowie die digitale Verwaltung und Terminierung von Wartungsbedarfen sind nur einige Beispiele der vielfältigen Lösungen.

Welche Projekte sind in der Pipeline?

Aktuell arbeitet das Team mit voller Kraft an der digitalen Jobplattform PAJOO. Ziel der DIU ist es immer, eine Lösung für ein relevantes Nutzerproblem wie in diesem Falle den Arbeitskräftemangel im Bereich der Fahrzeuglackierung zu finden und diese Lösung bis zur Marktreife zu entwickeln.

Herr Rudloff, vielen Dank für das Gespräch. mr■

www.basf-coatings.com


Die Plattform PAJOO soll eine Lösung für das länderübergreifende Problem des Fachkräftemangels darstellen.
(Foto: BASF)

PAJOO: Digital, international

Die mehrsprachige, digitale Jobplattform verbindet gezielt europäische Fachkräfte aus dem Kfz-Bereich mit Betrieben. Durch den engen Austausch mit Mitarbeitenden aus der Geschäftseinheit Autoreparaturlacke, die jahrelange Expertise und Erfahrung im Bereich der Autoreparatur haben, weiß das Team genau, worauf es bei guten Lackierern sowie Karosseriebauern ankommt. PAJOOs Suche ist deshalb individuell. Zudem unterstützt das Team bei der Vorauswahl der Bewerberinnen und Bewerber, organisiert für die qualifizierten europäischen Fachkräfte Termine wie Probearbeiten und Formalitäten und hilft bei der Übersetzung der Arbeitsverträge. Das Team konnte bereits erste Fachkräfte vermitteln und arbeitet aktuell an der Skalierung des Produktes.

www.pajoo.eu


Dominic Rudloff

„Die Art und Weise, wie wir in Zukunft mobil sein werden, verändert sich, sodass wir uns neue Fragen stellen müssen.“

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