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Werkstatt-Werte-Union - neuer Verband für Lackierer und Karosseriebauer

WWU-Verband für Lackierer und Karosseriebauer
„Back to the Roots“

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Gruppenbild in Zeiten von Web-Konferenzen. Obere Reihe: Matthias Kaupp, Angelina Brunone, Marco Böge, untere Reihe: Michael Rehm, Harald Beckl.
Mit der Werkstatt-Werte-Union ist ein neuer Verband für Lackierer und Karosseriebauer gegründet worden. Wir sprachen mit den Verantwortlichen.

Es passiert nicht alle Tage, dass sich ein neuer Handwerksverband gründet. Ende Juni war es soweit – mit der Werkstatt-Werte-Union (WWU) trug sich eine Gruppe ins Vereinsregister ein, die sich laut eigener Aussage zum Ziel gesetzt hat, für „Lackierer und Karosseriebauer eine Alternative zu den bestehenden Verbänden zu schaffen“. Insbesondere im Bereich der Schadenlenkung will die WWU für Transparenz sorgen und Betrieben klare Handlungsempfehlungen geben. Letztendlich hat man eine Verbesserung der Rahmenbedingungen für Partnerbetriebe im Visier, die mit Volumenkunden zusammenarbeiten. Wir sprachen – via Webkonferenz – mit dem Vorstandsvorsitzenden Matthias Kaupp (MK) und den Vorstandsmitgliedern Marco Böge (MB), Angelina Brunone (AB) und Uli Beutel (UB).

Die WWU möchte eine Alternative zu bestehenden Verbänden wie BVdP, ZKF oder BFL sein – was unterscheidet die Werkstatt-Werte-Union denn von diesen etablierten Playern?

MK: Zunächst einmal: „Alternative“ ist nicht im Sinne eines Entweder-Oder zu verstehen. Wir möchten mit anderen Verbänden, speziell mit ZKF und BFL, kooperieren und sind diesbezüglich auch bereits in Gesprächen.

Wo liegen die Berührungspunkte?

AB: Zum einen im Bereich der Aus- und Weiterbildung. Hier gibt es viele Initiativen und bewährte Strukturen, sodass wir der Meinung sind, dass man das Rad in diesem Bereich nicht neu erfunden muss.

MB: Auch die regionale Ausrichtung und Ausdifferenzierung dieser Verbände ist ein großes Plus, denn viele Fragen im Bereich der Schadenlenkung und -abwicklung stellen sich in einzelnen Regionen sehr unterschiedich dar. Andererseits stellen wir fest, dass sich viele aktive Betriebe, die auch in der Schadenlenkung eine Rolle spielen, in den etablierten Berufsverbänden nicht mehr wiederfinden. Eine Kooperation könnte daher aus unserer Sicht für beide Seiten von Nutzen sein.

Sie erwähnten das Stichwort Schadenlenkung – setzt eine Mitgliedschaft in der WWU denn voraus, Partnerbetrieb von Volumenkunden zu sein?

MK: Es ist kein Geheimnis, dass alle hier Beteiligten in unterschiedlicher Weise im Bundesverband der Partnerwerkstätten BVdP engagiert waren. Und wir sehen einen Aufgabenschwerpunkt der WWU darin, eine starke Stimme der Mitglieder gegenüber Volumenkunden zu sein. Es ist daher naheliegend, aber kein Muss, dass unsere Mitglieder auch in der Schadenlenkung engagiert sind.

Wenn Ihre Mitgliedsbetriebe ein ähnliches Profil haben, streben Sie dann als WWU auch eine Art Reparaturbetrieb-Markenbildung an?

MK: Wenn es in unserer Branche an
einem nicht mangelt, dann sind das Marken. Es gibt etablierte Marken wie Eurogarant, es gibt mehr und mehr
Reparaturketten, es gibt die Partnerkonzepte der Lackhersteller und es gibt vor allem sehr viele starke Betriebe, die mit ihren eigenen Namen in
ihrer Region eine Marke darstellen. Wir sehen keinen Sinn darin, als Verband hier eine weitere Marke zu etablieren. Letztlich ist das mit Kosten verbunden, die sich nur mit hohen Mitgliedsbeiträgen einfangen lassen.

Nun gibt es als Stimme der in der Schadenlenkung engagierten Betriebe ja den BVdP, den Sie erwähnt haben – ist diese Stimme aus Ihrer Sicht denn zu schwach?

HB: Nein, wir sind eher der Meinung, dass der BVdP sich im Laufe der Jahre von seinem ursprünglichen Ziel und Gründungsmotiv, ein Gegengewicht zur Marktmacht der Volumenkunden darzustellen, ein wenig entfernt hat. Hier wird in manchen Aspekten ein Miteinander vorgelebt, das der Situation in der Branche nicht angemessen ist.

Zum Beispiel?

MK: Es kann nicht Aufgabe einer Interessenvertretung von Reparaturbetrieben sein, in Abstimmung mit Volumenkunden Verfahren und Prozesse zu entwickeln, um mit nicht kostendeckenden Stundensätzen und Konditionen dieser Großkunden klarzukommen – anstatt laut und deutlich zu sagen: Hier ist eine Grenze erreicht.

Gerade das hat aber der BVdB in jüngster Zeit in Form von verschiedenen Erklärungen und Presseinformationen getan …

MK: Da überrascht uns, offen gesagt, nicht nur der Zeitpunkt, sondern auch der Inhalt. Wenn ich über Jahre mit Volumenkunden konstruktiv und im Sinne der Betriebe verhandle, kann das Fazit meiner Bemühungen ja kaum sein, dass Schadenlenkung die Betriebe in den Ruin führt …

Das heißt, Sie wollen kooperativ sein, aber nicht zu sehr …

HB: Ich hätte gerne, dass die WWU den Charakter einer kleinen, schlagkräftigen Gewerkschaft hat. Wir wollen weniger „Kamingespräche“, weniger „Schadentalks“ mit den immer gleichen Entscheidern, sondern faire, notfalls harte Verhandlungen auf Augenhöhe. Da muss man auch mal klare Kante zeigen. So betrachtet, ist die Gründung der WWU auch ein Schritt „back to the roots“.

Was wäre denn ein Anlass, um klare Kante zu zeigen?

UB: Ein aktuelles Beispiel sind die Leistungsbausteine von Innovation Group. Hier ist aus unserer Sicht weder transparent, wie der Basisstundensatz zustande kommt, noch welche Rolle die Leistungsbausteine wirklich spielen. Ein solches Konzept muss hinterfragt werden. Es reicht nicht, es als „geprüft und für gut befunden“ an die Betriebe weiterzureichen.

Was macht Sie denn so optimistisch, als WWU bessere Verhandlungsergebnisse zu erzielen?

MK: Es wäre vermessen, als ganz frisch gegründeter Verband hier Aussagen zu treffen. Wir spüren aber, dass es für unsere Anliegen Rückhalt gibt. Zunächst müssen wir aber unsere Strukturen festigen und natürlich noch Mitglieder gewinnen, um auf Augen-höhe und mit der Entschlossenheit, die wir uns vorstellen, auf Volumenkunden zugehen zu können. mr ■

www.wwunion.de


Matthias Kaupp

„Wir sehen einen Aufgabenschwerpunkt der WWU
darin, eine starke Stimme der Mitglieder gegenüber Volumenkunden zu sein.“


Marco Böge

„Viele Fragen im Bereich der Schadenlenkung und -abwicklung stellen sich
in einzelnen Regionen sehr unterschiedich dar.“

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