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IRS: Geschäftsführer K&L Frank Gerardy im Interview

Management
Kompetenzcenter und Satelliten

Das K&L-Netz der IRS-Betriebe wird dichter und leistungsstärker. Wir sprachen mit Frank Gerardy, Geschäftsführer IRS Karosserie & Lack und IRS Holding.

Vor ziemlich genau fünf Jahren startete die IRS (für Intelligent Repair Solutions), bis dahin Spezialist für Smart-Repair-Lösungen, den Aufbau eines Netzes von klassischen Karosserie- und Lackbetrieben. Vom Anfang an dabei: Frank Gerardy aus Polch, der seinen Betrieb an die IRS verkaufte und seitdem im Management der IRS Karosserie & Lack GmbH den Aufbau des Werkstattnetzes verantwortet. Seit Mitte 2020 trägt Frank
Gerardy in diesem mit rund 1000 Mitarbeitern zahlenmäßig größten Geschäftsbereich die Alleinverantwortung und ist gleichzeitig Geschäftsführer in der IRS Holding. Seine Auto- und Reparaturleidenschaft verfolgt er als geschäftsführender Gesellschafter der Frank Gerardy Klassiker-Manufaktur, die seit Januar 2016 als eigenständige GmbH geführt wird. Wir sprachen mit Frank Gerardy über die Entwicklung des IRS-Werkstattnetzes und die weiteren Pläne der Gruppe.

Herr Gerardy, lassen wir zunächst die Zahlen sprechen: Wie viele IRS-Karosserie- und Lack-Standorte gibt es heute in Deutschland?

Stand heute sind es genau 30, es könnte aber demnächst noch der eine oder andere Betrieb dazukommen, da wir uns mit ein paar Kandidaten in der entscheidenden Phase der Gespräche befinden.

Das Karosserie- und Lack-Netz von IRS wird also weiter ausgebaut – wie engmaschig soll es denn werden? Wie viele Betriebe streben Sie an?

Die Frage höre ich oft, aber sie lässt sich nur schwer beantworten, zumal wir im Vergleich zu unseren Anfangszeiten unser „Suchraster“ verfeinert haben.

IRS Group sucht starke Partner

Inwiefern?

Bei der Auswahl und der Ansprache infrage kommender Betriebe spielen mehr Kriterien eine Rolle. Wo sind wir regional noch nicht vertreten – obwohl es dort Potenzial gäbe? Wo gibt es bereits IRS-Betriebe? Wir möchten Interessenkollisionen ausschließen. Immer wichtiger auch: Wo haben unsere Großkunden noch Bedarf an starken Partnerwerkstätten? Und natürlich: Welcher Betrieb ist gut aufgestellt, hat einen guten Ruf – und eine entsprechend gute Margenerwartung?

Suchen Sie aktiv Betriebe, oder kommen Betriebe eher auf Sie zu?

Beides ist der Fall. Wir suchen anhand der eben genannten Kriterien Betriebe, wir werden aber auch von verkaufswilligen Inhabern angesprochen.

Welche Rolle spielt dabei der Verkauf eines K + L-Betriebs an IRS als Lösung eines Nachfolgeproblems?

Eine deutlich geringere als früher – was ja logisch ist. Es kann nicht in unserem Interesse sein, nur Betriebe zu übernehmen, die zwar stark sind, bei denen aber ein Nachfolgeproblem in der Betriebsleitung vor der Tür steht. Es ist für uns von großer Bedeutung, dass das Netzwerk des Inhabers – oder nachher des Betriebsleiters – auch nach einem Verkauf noch lange weiterexistiert.

Lösung für Smart-Repair

Bei unserem letzten Treffen haben wir über Synergien zwischen den DentWizard- und den klassischen K & L- Betrieben innerhalb des IRS-Netzwerks gesprochen. Wie hat sich dieses Thema entwickelt?

Smart-Repair ist ganz klar auf dem Vormarsch – nicht nur als Service für Privatkunden, sondern auch als Angebot für Volumenkunden. Unser Plan, innerhalb des IRS-Werkstattnetzes um unsere K & L-Kompetenzzentren herum Smart-Repair-Spezialisten zu installieren und hier das engmaschige DentWizard-Netz zu nutzen, ist aufgegangen. Dennoch ist gerade in diesem Bereich vieles in Bewegung. Zum einen, weil wir Dent Wizard weg vom reinen Hagel- und Dellengeschäft hin zum Allround-Kleinschadenservice entwickeln möchten. Zum andern, weil wir K&L-Geschäft und Smart-Repair noch enger zusammenbringen möchten.

Wie stellt sich die Trennung zwischen Smart-Repair und klassischem K&L-Geschäft bei IRS dar? Die kleinen Schäden sind ja die Domäne von Dent Wizard.

Es wird ja immer versucht, Smart-Repair und normales Lack- und Karosseriegeschäft fein säuberlich zu trennen. Nach dem Motto: Das eine ist höchstens DIN-A-4 groß und nicht ganz so hochwertig, das andere ist großflächig und qualitativ auf allerhöchstem Niveau. Ich habe nicht den Eindruck, dass diese Trennung überall gut funktioniert und die Realität widerspiegelt. Daher passen wir unser Netz hier an.

Am bestgeeigeneten Standort reparieren

In welcher Richtung?

Die Dent-Wizard-Betriebe, die künftig unter IRS-Firmierung laufen werden, machen Smart-Repairs, wobei wir den Begriff weiter fassen werden. Für die klassischen Schäden gibt es innerhalb unseres K&L-Netzes mittelgroße Betriebe, die ein gewisses Umsatzvolumen nicht überschreiten, und sich auf Lack und Karosserie konzentrieren. Wir nennen diese Betriebe „Satelliten“. Und es gibt die großen Allround-Betriebe, die Lack, Karosserie und Mechanik anbieten. Aber auch Glas, Reifen- und Klimaservice. Einige dieser „Kompetenzcenter“ sind, so wie wir hier in Polch, auch bereits Hella-Gutmann-Checkpoint-Station.

Welchen Sinn hat diese Aufteilung?

Ganz einfach: Wer heute alle Reparaturen an allen Marken anbieten möchte, steht permanent vor neuen Investitionen. Die müssen aber, wenn sie sich amortisieren sollen, der Größe und dem Auftragsvolumen des Betriebs angepasst sein. Dass ein Karosseriebetrieb für eine Kalibrierung zum Autohaus fährt, ist heute die Ausnahme, dafür ist die Konkurrenzsituation zu groß und die Zeit zu knapp. Mit dem zweistufigen Aufbau unseres Netzes haben wir die Chance, diese Reparaturen innerhalb des Netzes beim jeweils bestqualifizierten Betrieb auszuführen.

IRS bietet Vorteil bei Mitarbeitersuche

Welche Synergien bietet ein Verbund wie die IRS beim Thema Personal und Mitarbeitersuche? Der Mitarbeitermangel ist ja eins der Hauptprobleme der Branche.

Fangen wir beim Thema Weiterbildung an. Hier gibt es für die Mitarbeiter der IRS-Betriebe einen zentralen Ausbildungskatalog, der zahlreiche Fortbildungen enthält – von E-Fahrzeug- Schulungen über Glasreparatur bis hin zu Diagnose- und Kalibrierlehrgängen. Dabei unterstützen uns Spezialisten wie zum Beispiel von Hella Gutmann direkt vor Ort in unserem Checkpoint, wo regelmäßig IRS-Mitarbeiter aus ganz Deutschland geschult werden. Beim Thema Mitarbeiterfindung kommt es auf die Position an. Gewisse Stellen, wie Betriebsleiter für einzelne Standorte, werden zentral über die IRS in Rellingen ausgeschrieben und besetzt. Bei normalen Lackierjobs ist dagegen der jeweilige Centerleiter verantwortlich. Ein Punkt, der nicht zu vernachlässigen ist: In einer Gruppe wie der IRS wird auch die Möglichkeit genutzt, sich gegenseitig bei Engpässen mit Personal auszuhelfen.

Wie hat sich denn generell in der Branche die Einstellung gegenüber „Ketten“ wie der IRS-Group entwickelt?

Schon der Begriff „Kette“ hatte, als wir angefangen haben, etwas Negatives, deshalb verwenden wir ihn nicht gerne. Manche Verbände haben uns anfangs sehr kritisch beäugt. Unser Geschäftsmodell, Betriebe zu kaufen, war etwas für den deutschen K & L-Markt ganz Neues. Außerdem wurden alle „Ketten“, die es so gab oder von denen man gehört hatte, in einen Topf geworfen. Mein Eindruck ist, dass sich die Einstellung gegenüber Gruppen wie der IRS deutlich verändert hat. Heute sind wir in einem sehr konstruktiven Austausch mit diesen Verbänden, denn es wird natürlich verstanden, dass eine Gruppe wie wir Vorteile bietet – zum Beispiel, dass sich die Betriebe stärker auf das Handwerk konzentrieren können und ein großer Teil der immer mehr ausufernden administrativen Aufgaben zentral gemanagt wird.

„Niemand wird in ein Raster gepresst“

Beruhte die Skepsis gegenüber Ketten nicht auch auf der Annahme, es werde da zu viel zentralisiert und standardisiert …

Die Skepsis uns gegenüber beruhte oft darauf, dass unser Geschäftsmodell nicht richtig erkannt wurde. Wir pressen niemanden in ein Korsett. Wir müssen natürlich standardisieren, aber es gibt da keine fertige Matrix, sondern eher eine Blaupause, das sich ganz einfach daran orientiert, was die guten Betriebe gut machen. Nicht zu vergessen: Wir haben Betriebe, die bereits bevor sie zu uns gekommen sind, das Allermeiste richtig gemacht haben.

Letzte Frage: Welche Spuren hat die Corona-Krise im IRS-Netz nach Ihrem Eindruck hinterlassen?

Wie bei allen K & L-Betrieben haben wir natürlich den Rückgang an gesteuerten Schäden gemerkt. Nach wie vor spüren wir auch bei Privatkunden eine Zurückhaltung bei den Aufträgen. Kein Wunder, viele sind noch in Kurzarbeit oder in einer beruflich unsicheren Situation. Auch die Langzeitfolgen der Corona-Krise zum Beispiel auf das Flotten- und Leasinggeschäft sind noch nicht absehbar. Solange es zum Beispiel kaum Flugverkehr gibt, werden auch wenige Mietwägen benötigt. Da hängt alles mit allem zusammen. Andererseits haben wir wirklich starke Player im Netz, die vor der Krise mehr als ausgelastet waren und auch jetzt vom Aufschwung überproportional profitieren. Letztlich hat sich während der Corona-Krise auch gezeigt, dass es ein Vorteil ist, Teil eines Verbundes wie der IRS Group zu sein. Man kann gemeinsam Maßnahmen treffen, sich gegenseitig helfen und sich ganz einfach austauschen.

Herr Gerardy, vielen Dank für das
Gespräch. mr■

www.irs-group.com


Frank Gerardy

„Während der Corona-Krise hat sich gezeigt, dass es ein Vorteil ist, Teil eines
Verbundes wie der IRS Group zu sein
.“

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