Lackiertechnik-Reihe

3-D-Lackierung

Lasuren ermöglichen Lackierungen mit Durchblick

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· Eine Grundfrage der bildenden Kunst stellt sich auch bei der Designlackierung immer wieder neu: Wie gelingt es, dreidimensionale Objekte auf einer zweidimensionalen Fläche so abzubilden, dass dennoch ein räumlicher Eindruck entsteht? Gelöst wird das Problem klassischerweise durch die Wahl der Perspektive und das Spiel mit Licht und Schatten. Doch wer lackiert, hat noch eine dritte Option: die Möglichkeit, mehrere transparente Farbschichten übereinanderzulegen. Die untenliegenden Schichten erscheinen, obwohl sie objektiv betrachtet nur Mikrometer von der Oberfläche entfernt sind, deutlich als Hintergrund, und die oberen Schichten werden als Vordergrund wahrgenommen.Voraussetzung für diese Art der Gestaltung sind Lasuren, denn anders als bei deckenden Farben ist es mit Lasuren möglich, einzelne Lackschichten übereinander aufzutragen, ohne dass der Durchblick auf die untere Schicht verloren geht. Verstärkt wird der 3-D-Effekt durch den Klarlack. Einmal durch die obligatorische abschließende Klarlackschicht, zum anderen durch weitere Klarlackschichten, die man, je nach gewünschter Wirkung, auch noch zwischen den einzelnen Lasur-Spritzgängen auftragen kann.
Grundsätzlich gilt: Es sollte bei dieser Art der Gestaltung wie im gezeigten Beispiel nur mit einem einzigen Lasurfarbton gearbeitet werden. Die einzelnen Abstufungen des Farbtons kommen nur durch die Zahl der Lasur-Aufträge und damit die Schichtdicke zustande. Würden umgekehrt unterschiedliche Lasurfarben übereinander gelegt wäre der Perspektiveffekt durch die Farbtonveränderungen unberechenbar.

Bei der Gestaltung der Fläche diente eine Motorrad-Designlackierung aus den 70er-Jahren als grobe Vorlage.

Bei der Gestaltung der Fläche diente eine Motorrad-Designlackierung aus den 70er-Jahren als grobe Vorlage.

Ein alter Lackierer-Grundsatz gilt bei der hier vorgestellten Technik ganz besonders: Je sorgfältiger die Vorbereitung erfolgt, desto schneller und einfacher kommt man zum Resultat. Mit „Vorbereitung“ ist hier die Übertragung des Motivs auf die Transferfolie gemeint. Nur wenn klar durchdacht wurde und nachher erkennbar ist, welche Bereiche der Folie in welcher Reihenfolge abgezogen werden müssen, werden Perspektivbrüche vermieden. Etwas zeichnerisches Geschick und Erfahrung im Umgang mit Folie und Skalpell sind daher nötig. Belohnt wird man mit einer unverwechselbaren Lackierung, in der sich die einzelnen Partien des Motivs plastisch sichtbar überlagern – anders gesagt mit einer Lackierung in 3-D. MR