Design Design-Highlight

Einsteigen, Platz nehmen, entspannen

Alte Fahrzeuge erhalten bei Martin Schlund ein zweites Leben als Designermöbel

Evelyn Becker

Ob Schreibtisch, Sessel oder Sideboard – Möbel spiegeln häufig unsere eigene Leidenschaft und den individuellen Stil wider. Wie stellt man sich da die Raumausstattung bei absoluten Autofans vor? Natürlich mit viel Blech, Chrom und Leder. Beim Automöbeldesign von Martin Schlund in Endingen am Kaiserstuhl ist jedes Möbel ein Einzelstück und wird ausschließlich nach dem persönlichen Wunsch des Kunden angefertigt. Von der Art des Möbels und des Fahrzeugmodells über die Lackierung bis hin zum Polster und weiterer Ausstattung hat der zukünftige Besitzer freie Wahl. „Meine Kunden kommen meistens mit ziemlich genauen Vorstellungen zu mir“, berichtet Martin Schlund. „Sie wollen nichts von der Stange, sondern etwas, was genau zu ihren Bedürfnissen passt und Emotionen weckt.“ Deswegen fertigt der Möbelbauer selten Stücke im Voraus an, sondern nur nach Aufträgen. Es gibt jedoch auch ein paar Sachen, die gehen laut Aussage von Martin Schlund immer: Käfer, Mini, Mercedes. Ob Privathaushalt oder Büro, sogar für Ausstellungen und Unternehmen hat Martin Schlund schon Einzelstücke mit einem ganz besonderen Charme erstellt.

Persönliche Passion

Genau wie bei seinen Kunden sind die Old- und Youngtimer ein persönliches Hobby von Martin Schlund. „Ich habe eigentlich etwas ganz anderes gelernt, aber aus dem Hobby ist mittlerweile ein echtes Standbein geworden, von dem ich gut leben kann.“ Angefangen hat alles vor zwölf Jahren mit einem alten Trabbi, den er heute als Sofa und Bar nutzt. „Die Idee stammt aus den USA, dort sind Möbel aus alten Fahrzeugen weit verbreitet. Ich habe jedoch einen hohen Anspruch an die Qualität und das ist nur durch gute Handarbeit zu erreichen.“ Mittlerweile stehen diverse Arten von Sitzmöbeln, Betten, Bars, Schränken, Schreibtischen und Accessoires im Repertoire von Martin Schlund. Die Interessenten haben dabei meistens genaue Vorstellungen vom Modell und dem Möbel, das daraus werden soll. Dann fängt für den Möbelbauer die Recherche an: „Die Kunden erhalten ein grobes Angebot und einen Entwurf. Sobald alles passt, begebe ich mich auf die Suche nach den Teilen.“

Ab und an kommt es vor, dass Kunden auch mit ihren privaten Fahrzeuge zu Martin Schlund kommen. „Von fahruntüchtigen Werkstattfunden bis hin zum Totalschaden war schon alles dabei“, erinnert er sich. Darunter auch das wohl jüngste Model, das bei Automöbeldesign „wiedergeboren“ wurde: ein Jaguar von 2004 mit Getriebeschaden. Vom verstorbenen Vater vermacht, steht dieser nun als Erinnerungsstück im Whiskykeller des Besitzers.

Das i-Tüpfelchen

Dass es nicht unbedingt Oldtimer sein müssen, beweist auch die aktuelle Arbeit von Martin Schlund: Ein Porsche Boxter 986. „Den habe ich als Rechtslenker bekommen, schon ausgeschlachtet ohne Motor und Elektronik.“ Aus der Front entstand ein Bett für die Motorworld in Böblingen. Das Heck wird zu einem Sessel. Ganz originalgetreu soll der schnittige Sessel am Ende im original Porsche-Silber erstrahlen.

„Die Lackierung ist bei meinen Möbeln das riesige i-Tüpfelchen“, betont Martin Schlund. „Natürlich muss das Automöbel erstmal entworfen und gebaut werden, aber wenn die Lackierung nicht passt, hat es auch nicht die richtige Wirkung.“ Hinter vielen seiner Möbel stehen ganz persönliche Geschichten aus der Vergangenheit. „In solchen Fällen muss es nicht nur genau das passende Modell sein, sondern auch genau die Farbe des Hochzeitsautos, des ersten Autos oder gar der Geburtsstätte, wie im Falle eines gelben Käfersessels“, erinnert sich Martin Schlund.

Bis vor zwei Jahren hat der Möbeldesigner in seiner Werkstatt selbst lackiert und nur die Metallic- und Effektfarben dem Profilackierer überlassen. Mittlerweile reicht aber wegen der Auftragsdichte dafür die Zeit nicht mehr. Fertig grundiert bringt er die Teile daher zum

Lackierzentrum von Michael Kobsch, der die Lackiearbeiten übernimmt. „Die kennen die Teile mittlerweile, die ich ihnen bringe. Ein Mitarbeiter von denen ist immer ganz scharf drauf, die Arbeit zu übernehmen.“ Kein Wunder also, dass auch bei dem Boxster-Sofa wieder allgemeine Begeisterung in der Werkstatt aufkam. Nach kurzer Begutachtung durch Lackierermeister Marcel Limberg – und dem ein oder anderen Nachschleifen – ging es dann auch für dieses exklusive Sitzmöbel in die Lackierkabine. Dort nahm sich Patrick Zeimer des außergewöhnlichen
Objekts an und verlieh ihm eine edle Optik. Kurz vor der Vollendung des Werkes wollte auch der zukünftige Besitzer einen kleinen Blick auf sein Möbel werfen. „Es ist fast immer wie bei kleinen Kindern, die um ihr neues Spielzeug herumschleichen“, erzählt Martin Schlund mit einem Lachen. „Wenn die Kunden so begeistert sind und sich freuen, dann bin ich auch mit meiner Arbeit zufrieden.“ Die letzten Handgriffe für Martin Schlund: Die Polsterung und funktionierende Rückleuchten. Da bleibt einem nur noch zu sagen: Einsteigen und Entspannen.


Motorlose Möbelstücke

Ein Nickerchen im VW Bus ist für viele Autofans nichts neues. Aber Schlafen im Mini ist schon eher ungewöhnlich und hört sich auch nicht besonders bequem an. Und den alltäglichen Bürokram erledigen wohl auch nur die wenigsten in ihrem Porsche.
Da liest man doch lieber ganz entspannt sein Lieblingsbuch auf dem Rücksitz eines alten Käfers und schwelgt in Erinnerungen. Und dafür muss man nicht mal in die Garage gehen, geschweige denn Besitzer sein – nun ja, zumindest nicht ganz. Mit einem Automöbel von Martin Schlund kann man sich nämlich seinen Lieblingswagen als individuelles Designermöbel in die eigenen vier Wände holen – ganz bequem!

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