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Kunst aus Autos

Kunst aus Autos
Die Kunst der Kollision

Kunst aus Autos: Oldtimer verformt er zu verschlungenen Skulpturen – und malt mit altem Motoröl Gemälde. Stefan Rohrer lässt die Grenzen zwischen Handwerk und Kunst verschmelzen.

Die Karosserie grotesk verbogen, die Räder von den Achsen gerissen, selbst der Motor liegt neben dem Fahrzeug. Das sieht nach einer Kollision mit ungeheurer Wucht aus. Doch keine Sorge, wir schauen hier nicht auf einen Verkehrsunfall. Was Stefan Rohrer bietet, ist Kunst. „Im Zentrum meiner Werke stehen meist Entgleisungen, Kontrollverlust oder Unfälle“, erklärt der Künstler.

Wieso eigentlich Kunst aus Autos?

Schleifen, Schweißen, Füllern, Lackieren – viele handwerkliche Fertigkeiten hat Stefan Rohrer sich über die Jahre autodidaktisch angeeignet. Gerne nutzt er auch die Möglichkeit, geschulten Karosseriebauern oder Fahrzeuglackierern bei der Arbeit über die Schulter zuschauen. Dass er sich nicht beruflich dem Design oder der Reparatur von Autos zugewandt hat, sondern Künstler wurde, ist eigentlich seinem Umfeld geschuldet: „Eigentlich wollte ich Autodesigner werden“, erklärt Stefan Rohrer und führt fort: „Ich war aber in einem eher alternativem Umfeld unterwegs. Die Beschäftigung mit Autos passte da nicht ins Bild. Also habe ich sie zum Medium meiner Kunst gemacht.“ Nach einer Ausbildung zum Steinmetzmeister absolvierte Rohrer ein Bildhauerei- und ein Kunststudium. Was all seinen Stationen im Leben gemein blieb: seine Leidenschaft zu Autos. Bereits im Studium begann er, in die Jahre gekommene Fahrzeugkarosserien für Skulpturen aufzubereiten und umzuformen.

Lackierarbeit für Künstlerzwecke

Autoskulpturen stellen bis heute einen wichtigen Teil seines Schaffens dar. Um bei den oft raumfüllenden Skulpturen sicher zu gehen, dass die Werke stabil stehen können, fertigt Rohrer vorab kleine Modelle an, um die Statik zu überprüfen. Die Dauer je Projekt ist unterschiedlich. Etwa 600 bis 800 Stunden können bei großen Skulpturen schnell anfallen. „Die Werke sind natürlich auch alle zu kaufen, aber bei meinen großen Skulpturen kommt neben dem Preis dann doch oft ein Platzproblem für Privatpersonen hinzu“, so Rohrer. Für die Designs wählt er zeitgenössisch passende Farbtöne, in vielen Fällen auch den Originalfarbton. Meist arbeitet der Künstler parallel an mehreren Werken gleichzeitig: „Oft lackiere ich die Werke, an denen ich arbeite, alle auf einmal. Dann hat man auch den Vorbereitungs- und Reinigungsaufwand nur einmal.“ Die Lackierarbeiten führt Rohrer in seinem Atelier in den Wagenhallen aus: Spritzpistole, Kompressor, eine provisorische Absaugung und offene Türen, die für Frischluft sorgen. 2-K-Lackmaterialien sorgen für das kunstgerechte Finish.

Alles eine Frage des Preises

Die Fahrzeuge besorgt Rohrer sich meist über das Internet, „Manche meiner Exponate habe ich auch geschenkt bekommen mit dem Auftrag, da Kunst draus zu machen“, erklärt der 54-Jährige. Besonders bei den Oldtimern ist die Materialbeschaffung oft sehr kostenintensiv. „Wenn ich zum Beispiel eine alte Ente zu einem Kunstwerk modellieren möchte, ist an ein fahrtüchtiges Modell gar nicht zu denken. In der Regel sind das dann stark beschädigte Karosserien, die ich erst aufbereiten muss, um sie überhaupt verwenden zu können“, lacht Rohrer.

Ein Stück eigene Geschichte

Käufer und Interessenten seiner Kunst sind oft selbst Autoliebhaber. „Aber nicht ausschließlich“, ergänzt Rohrer und erklärt: „Ein bisschen sollte man schon etwas mit Autos anfangen können. Aber in der Regel haben ja heute alle irgendeinen Bezug zum Auto.“ Besonders gilt das, wenn Oldtimer im Spiel sind. „Oldtimerkarosserien tragen oft per se ein Erinnerungsmoment in sich“, hat Stefan Rohrer beobachtet, „auch wenn man selbst kein eigenes Auto hat, finden viele Leute ein Stück eigene Geschichte in den alten Modellen wieder. Getreu dem Motto: Mein Onkel hat jahrelang dieses Auto gefahren. Ich erinnere mich noch genau an den Geruch der alten Ledersitze als Kind“, erklärt der Künstler.

Ein Herz für Klassiker

Gibt es eigentlich auch Fahrzeuge, bei denen Stefan Rohrer auch Hemmungen hätte, sie zu verbiegen und verformen? „Eine alte Dame hatte mal einen verrosteten Porsche 911er, den ich zu Kunst verarbeiten sollte.“ Nach mehreren Entwürfen war schnell klar: Sein Lieblingsthema Kollision konnte er hier nicht anbringen. „Das Verformen der Karosserie hätte meiner Kundin das Herz gebrochen“, erklärt Rohrer. Die Lösung? Statt den Porsche zu verbiegen, bezog er ihn einfach mit Blattgold. am ■

www.stefanrohrer.de


 
 
Stefan Rohrers gemalte Kunstwerke entwickeln durch das Motoröl eine Eigendynamik. (Foto: A. Hauser)

Mit Motoröl gemalt

Stefan Rohrer malt auch Bilder. Das Besondere? Die vorgezeichneten Skizzen koloriert der Künstler anschließend statt mit Farbe mit gebrauchtem Motoröl. Dadurch entwickeln die Bilder eine interessante Eigendynamik: Die Leinwand wirkt wie ein Filter, der Ruß und Schmutzpartikel aussiebt. Das gefilterte Öl wandert weiter, so bilden die Werke eine „Fett-Aura“ aus, die sich mit der Zeit vergrößert. Nach dem Motorölauftrag malt sich das Kunstwerk gewissermaßen eine Weile von alleine weiter“, erklärt der Künstler, „das lässt sich aber nur bedingt beeinflussen. Am Anfang bestanden 90 Prozent der Bilder aus Ausschuss, weil es nach nichts aussah: Man muss das Material halt beherrschen.“

www.galerie-scheffel.de


Stefan Rohrer

„Im Zentrum meiner
Werke stehen meist
Entgleisungen, Kollisionen oder Kontrollverlust.“


Das Video zu Stefan Rohrers Werken finden Sie auf dem Lackiererblatt-YouTube-Channel. Einfach den QR-Code scannen oder den Link anklicken!

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