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Airbrushkünstler Peter Litger gestaltet Showtruck „Ring of Fire“

Showtruck „Ring of Fire“
Brennend heißes Truckdesign

Airbrushkünstler und Freelancer Peter Litger gestaltet Showtruck „Ring of Fire“


Ziemlich heißes Teil“, könnte man den ein oder anderen sagen hören, der diesen Koloss auf der Straße sieht. Bereits auf den ersten Blick ist vielen klar, welche Ikone auf diesem Truck verewigt wurde.

Zu entdecken gibt es in Schwarz-Weiß gehaltene Porträts, Zitate, alte Bilder aus Fotoalben, zusätzlich ziert die amerikanische Flagge mehrfach den Lkw. Alles gerahmt von einem brennenden Meer aus orangen und gelben Flammen. Schon erkannt, bei wem es sich um den Mann mit Gitarre und brennendem Blick handelt? Immerhin ist der „Man in Black“ mit seiner markanten, tiefen Stimme einer der einflussreichsten amerikanischen Country-Sänger und war auch als Schauspieler in Filmen und Serien zu sehen. Wir stellen ihn so vor, wie er sich selbst immer gerne vorstellte: „Hello, I‘m Johnny Cash“.

Feuer und Flamme

Die Entstehungsgeschichte zum Truck ist ebenso ungewöhnlich. Denn eigentlich wollte der Spediteur den Lackierer und Airbrushkünstler Peter Litger beauftragen, seine in weiß bestellte Zugmaschine mit dem Porträt eines namhaften deutschen Musikers zu bemalen. Doch weil Litger mit seinem Alltagsgeschäft schon genug zu tun hatte und ihn der Musiker nicht interessierte, lehnte er den Auftrag ab.
Am Telefon gab er den Hinweis, dass er eine Lackierung nur unter einer Bedingung durchführen würde: Johnny Cash auf einer schwarzen Zugmaschine. „Ich ging davon aus, dass damit die Sache erledigt ist“, erinnert er sich. Doch eine Stunde später klingelte das Telefon, der Spediteur war am Apparat: „Wir haben umdisponiert – Volvo besorgt uns eine schwarze Zugmaschine.“ Litgers erster Impuls darauf: „Oha, jetzt muss ich ja tatsächlich arbeiten!“ Für den Auftrag beschäftigte sich der Lackierer intensiv mit der Person Johnny Cash: „Ich habe seine Biografie gelesen, Dokumentationen angeschaut und seine Musik gehört – viele Stunden lang. Und so begann das Projekt „Ring of Fire“.

The Show must go on

Die fertige Zugmaschine wurde anschließend an die Firma Gesuko verkauft. „Der neue Eigentümer, Marco Reinhard, fragte mich was er denn mit dem Auflieger machen könnte. Daraufhin bot ich ihm die passende Lackierung für den Kühlkoffer.“ Und weiter ging es mit der Showlackierung.
Im Grunde ist das gesamte Lackdekor in Airbrushtechnik entstanden. Im Gegensatz zu den Porträts setzte Litger bei der Gestaltung der Flammen jedoch bewusst auf Schablonen. „Johnny Cash lebte für mich in seinem eigenen Ring aus Feuer, deswegen waren mir die Flammen besonders wichtig. Wie oft ich die Farben gewechselt habe und damit neue Schichten aufgetragen habe, kann ich gar nicht mehr nachvollziehen“, resümiert Litger und lacht, „bestimmt Tausende Male.“ Trotzdem bewegt sich die Lackschichtdicke für das Airbrush nur im geringen Tausendstelmillimeterbereich. Denn Tiefeneffekte erziele man nicht durch viel Lack, sondern durch die richtige Maltechnik.

„Ein echtes Mammutprojekt“

Der Lackaufbau unterscheidet sich nicht sehr von herkömmlichen Lackierungen. Spezieller wird es jedoch bei den Werkzeugen, die Litger für seine Designs benutzt. Bei Airbrushpistolen setzt er seit Jahrzehnten auf „Olympus“ und „Badger“. Ein entscheidender Punkt dabei sei das Stecksystem für die Farbbehälter. „Damit kann ich nicht nur Lacke in größerer Menge verarbeiten, sondern auch die Farben in Sekundenschnelle wechseln. Das mache ich in jeder Arbeitsstunde etwa 20 bis 50 mal. Da kommt es auf jeden Arbeitsschritt an, denn ich male ja nicht zum Spaß, sondern im Akkord.“ Schließlich geht es hier auch um Wirtschaftlichkeit, also die Einhaltung des Budgets und die fristgerechte Termineinhaltung gegenüber seinen Kunden.
Der Entwurf, unter Mitwirkung einer Grafikerin, hat gut 20 bis 30 Stunden gekostet. Zusätzlich kamen Termine für die Präsentation und Absprache. Insgesamt stand der Auflieger drei Monate in seinem Betrieb. Die Lackierung der Zugmaschine hat ungefähr drei Wochen gedauert. Für das Zerlegen, Schleifen, Airbrush, Klarlack, Zwischenschliff und Montage arbeiteten Litger und seine Mitarbeiter fast 120 Stunden. „Es wurde jeden Tag daran gearbeitet. Auch an den Wochenenden.“ Den gesamten zeitlichen Aufwand für das Projekt kann Litger nur noch schätzen. „Es dürften schon um die 800 Stunden gewesen sein – vielleicht sogar mehr.“

Die Fahrt geht weiter

„Meine Kunden finden mich über Facebook oder die Außendienstler des Handels“, erklärt Freelancer Litger. „Das werde ich so lange machen, bis ich die geeigneten Räume finde, um mit einem für Deutschland neuen Konzept und ohne Personal wieder eine eigene Karosserie- und Lackierwerkstatt zu betreiben.“ Bis es soweit ist, ist er weiterhin auf Unterstützung anderer Betriebe in Sachen Werkstatt angewiesen. Der „Ring of Fire“ ist Peter Litgers bislang größte und aufwendigste Arbeit. Aber in Sachen handwerkliches Niveau und Designanspruch besteht für den Lackierer durchaus noch Luft nach oben. Wie sagte doch der Meister Johnny Cash einmal selbst: „Ich weiß, dass es für mich keine Grenzen gibt, solange ich alles nach meinen Regeln mache“. Genau dies, meint Peter
Litger, habe er selbst bei diesem Auftrag berücksichtigt. „Eigentlich war das sogar einer der Gründe, weshalb ich meine eigene Lackiererei geschlossen habe. Ich möchte den Rest meines
Berufslebens, hoffentlich noch sehr lange, genau so weiter machen. Nach meinen Regeln“ eb ■

www.peterlitger.de


Aufgeflammte Leidenschaft

Foto: Peter Litger

Eine außergewöhnliche Geschichte hat auch der verantwortliche Lackierer und Airbrushkünstler Peter Litger vorzuweisen. Ausbildung, Meister, Selbstständigkeit – soweit, so normal. Auch als Anwendungstechniker im Außendienst sowie als Schulungsleiter bei einem Lackhersteller hat der passionierte Handwerker gearbeitet. Seit 2003 ist er Inhaber und Geschäftsführer der Karosserie- und Lackcenter Rhein-Sieg GmbH. „2019 habe ich aus einer Vielzahl von Gründen beschlossen, mein Pachtverhältnis für diesen Betrieb nicht mehr zu verlängern.“ Als andere Lackierereien und Händler hörten, dass Litger nun ohne Werkstatt dasteht, kamen sie auf ihn zu. „Viele Betriebe brauchen Know-how bzw. Manpower.“ Denn Fachpersonal – das sieht auch Litger – ist ein rares Gut. „Seitdem betreue ich temporär Lackierbetriebe.“ Freelancer nennt man dies im modernen Jargon. Und genau so kann er auch sein persönliches Hobby – nämlich die Airbrushkunst – nach Herzenslust ausleben.

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