„Training und Gaming“

Sherwin-Williams Automotive Finishes schult Kunden auf unterschiedlichen Kanälen: im Trainingszentrum, im Netz – und irgendwann virtuell?

Es herrscht entspannte Atmosphäre im „Business and Technical Center“ (BTC) von Sherwin-Williams Automotive Finishes im niederländischen Lely-
stad. Sechs Lackierer, allesamt gemeinsam mit dem Anwendungstechniker ihres Lackhändlers Pannenbecker aus Deutschland angereist, fachsimpeln an der Kaffeetheke des Centers. Vor ein paar Minuten haben sie, von Trainer Michael Kibel angeleitet, einen kompletten Vorderwagen mit Klarlack beschichtet und wenig später werden sie das Ergebnis begutachten und diskutieren. Die Gruppe aus Deutschland gehört zu den rund 580 Kunden aus aller Welt, die alljährlich im BTC ihre Kenntnisse vertiefen und mit neuen Produkten von DeBeer, Octoral, Spralac und VIM vertraut gemacht werden.

Das Ausbildungs- und Schulungsprogramm des BTC für Reparaturlackierer reicht von technischen und coloristischen Schulungen bis hin zu Verkaufs-, Marketing- und Organisationskursen.

Training als Event

„Die Teilnehmer kommen dabei normalerweise aus einer Region und werden von den Händlern ausgewählt“, erläutert Technical Sales Manager
Harry van Roekel. „Das erleichtert unserer Erfahrung nach den Austausch der Teilnehmer untereinander und macht das Ganze zu einem echten Event.“ So dienen Trainings beim Lackhersteller nicht ausschließlich der Vermittlung von lackierpraktischen Kenntnissen, sondern auch der Intensivierung der Partnerschaft zwischen Lackierer und Lackhersteller. „Hier am Standort Lelystad haben wir Produktion, Coloristik, Forschung und Entwicklung, eigentlich alles, was einen Kunden interessiert, auf einem Fleck. So können wir den Kunden, die zu uns kommen, unsere Kompetenzen sehr plastisch vermitteln.“

Online lernen

Aber auch den Kunden, die nicht den Weg nach Lelystad finden, wird geholfen – zum Beispiel mit brandneuen Tools wie dem Online-Trainingsprogramm „Rembrandt“. „Beim Thema Ausbildung eröffnet uns die Digitalisierung unterschiedliche und auch neue Wege zu den Anwendern“, erläutert Harry van Roekel. „Der Sinn von Rembrandt ist es nicht nur, jungen Lackierern den Einstieg in den Job zu erleichtern. Auch erfahrene Lackierer haben mit diesem Tool die Möglichkeit, ihr Wissen zu überprüfen und zu aktualisieren.“ „Rembrandt“ ist in Lernmodule aufgeteilt, die jeweils in rund 15 Minuten bearbeitet werden können. Am Ende der Module gibt es ein kleines Quiz, um sich die Inhalte noch einmal vor Augen zu führen und den Lernerfolg zu überprüfen. „Es gibt bereits verschiedene Online-Schulungsmodule auf dem Markt“, erklärt Bert Bos, Technical Marketing Specialist bei Sherwin-Williams Automotive Finishes. „Wir wollten aber mehr bieten als eine Aneinanderreihung von Videos – eben ein echtes Schulungsprogramm, das genau den Bedürfnissen der Anwender entspricht.“ Das Login zu „Rembrandt“ erfolgt über die Sherwin-Williams Zentrale in Lelystad. „Es ist zwar nicht so, dass ausschließlich Kunden unserer Marken das System nutzen können“ erklärt Bert Bos, „allerdings gibt es neben allgemeingültigen Lerninhalten natürlich auch ganz praktische Anleitungen zu einzelnen Tätigkeiten. Und die sind auf die Produkte unserer Marken abgestimmt.“ „Klassische praktische Trainings sind unverzichtbar“, ergänzt Harry van Roekel. „Aber wenn man sich an 20 Prozent eines klassischen praktischen Trainings später noch erinnert, war es ein gutes Training. Bei Rembrandt geht nichts verloren, denn man kann permanent nachholen, was man nicht verstanden hat und sich so kontinuierlich verbessern. Umgekehrt verfügt Rembrandt über ein Auswertungs-Tool, das dem Mitarbeiter oder auch dem Chef sehr präzise signalisiert, wo Defizite bestehen – und wie sie zum Beispiel mit einem Training behoben werden können. Aus unserer Sicht greifen Trainings im BTC und Online-Trainings optimal ineinander.“

Virtuell lackieren lernen

Eine dritte Lern-Option präsentierte Sherwin-Williams Automotive Fini-
shes auf der Frankfurter Automechanika: Die Lackier-Simulation mithilfe einer Virtual-Reality-Brille. Für Technical Sales Manager Harry van Roekel ist dies eine Technologie, die an Bedeutung gewinnen könnte: „Die Technologie entwickelt sich erst noch in unserer Branche. Aber die Möglichkeit, eine große Menge von Lackierparametern einzuprogrammieren und zu überprüfen, könnte eine interessante Option für Lackierer darstellen, um ihre Fähigkeiten effektiv zu erweitern.“ Darüber hinaus spricht für Lernprogramme wie „Rembrandt“ und Systeme wie den Virtual Painter ein entscheidendes Argument: Sie machen Spaß – besonders einer Generation, für die Computerspiele zum täglichen Alltag gehören. Training und Gaming fließen so ineinander.

Reales und Online-Training

„Wir sehen diese Systeme als gute Gelegenheit, junge Leute an das Thema Lack heranzuführen und so dem Nachwuchsmangel zu begegnen“, erklärt Harry van Roekel. Dass die Digitalisierung auch in der Lackiererausbildung neue Chancen eröffnet, hat man bei Sherwin Williams Automotive Finishes erkannt. „Das klassische Training beim Hersteller wird seine Bedeutung behalten“, ist Harry van Roekel sicher, „ich denke, dass die Zukunft einer Kombination aus realem und Online-Training gehört.“

Michael Rehm


Mike Püllen: „Wir Seminarteilnehmer haben uns angefreundet und tauschen auch nach dem Seminar Erfahrungen und Anwendungstipps aus.“
Foto: STARLACK

„Produkt und Partner kennenlernen“

Mike Püllen von der Autolackiererei STARLACK in Kevelaer hat ein Octoral-Seminar im Sherwin Williams Automotive Finishes- Schulungszentrum in Lelystad besucht

Herr Püllen, worin liegt der besondere Nutzen eines Seminars „direkt“ beim Lackhersteller?

Als Inhaber hat es mich natürlich besonders gereizt, unseren Partner und das Produkt noch näher kennenzulernen. Für mich war es daher reizvoll, mit Kollegen zu sprechen, die das Produkt teilweise schon viel länger einsetzen als wir. Wir haben uns angefreundet und tauschen auch nach dem Seminar Erfahrungen und Anwendungstipps aus.

Besuchen Sie regelmäßig solche Seminare? Inwieweit ergänzen sie das Knowhow, das man durch die klassische Lackiererausbildung erhalten hat?

Ich war bereits auf vielen ähnlichen Veranstaltungen in meinem Leben. Hier war es so, dass auf alle Fragen und Anforderungen der Teilnehmer direkt eingegangen wurde. Es ist kein Seminar von der Stange, sondern es geht gezielt um die Anwendung, um die Feinheiten und Kniffe. Mit der klassischen „Lackiererausbildung“ sind solche Seminare nicht zu vergleichen, es handelt sich um eine gezielte Weiterbildung für die Lösung aller täglichen Aufgaben in einer Lackiererei.

Sind weitere Seminarbesuche geplant?

Wir bei STARLACK freuen uns auf die gemeinsame Zukunft und auf viele neue Octoral-Seminare und Projekte. Eines der nächsten Produkte, die wir testen werden, sind die neuen Füllspachtel.