Editorial

Lizenz zum Gelddrucken

Preisfrage: In welcher Branche sind heute noch „astronomische Margen“ zu erreichen? Und wo sind die Gewinne noch so hoch, dass die Tätigkeit in diesem Metier einer „Lizenz zum Gelddrucken“ gleichkommt? Keine Ahnung? Bitte, konzentrieren Sie sich, liebe Leser. Stellen Sie für einen Moment das Geldzählen ein und denken Sie scharf nach. Na, hat´s gefunkt? Natürlich; vom Unfallreparaturgeschäft ist die Rede.

Dass dies ein Handwerk mit immer noch goldenem Boden ist, hat, wie der Spiegel im Juli berichtete, Jürgen Thiele von der Unternehmensberatung Mummert Consulting herausgefunden. Und früher, da war´s sogar noch besser. Da kassierten, Zitat Spiegel, „die Blech-Kolonnen“ – gemeint sind die Reparaturbetriebe – „in inniger Verbundenheit mit den Kunden jahrzehntelang ungeniert ab.“ Und zwar bei den Versicherungen.
Als Kronzeugen dafür zitiert der Spiegel den als „obersten Schrauber der Republik“ titulierten ZDK-Bundesinnungsmeister Wilhelm Hülsdonk, der von „goldenen Zeiten, als man jeden Kratzer teuer lackierte“ berichtet. Natürlich sagt Wilhelm Hülsdonk korrekterweise auch, dass dies schon lange vorbei sei. Allein, man glaubt es ihm offensichtlich nicht so recht, sondern sieht die Reparaturbranche auch heute noch im Geld schwimmen. Zitat Spiegel: „Die astronomischen Margen führen dazu, dass die Unfälle weit mehr als die Werkstattgewinne ausmachen, aber branchenweit nur für ein Zehntel des Umsatzes verantwortlich sind – eine Lizenz zum Gelddrucken.“
Nur verständlich und legitim also, dass im Rahmen der Schadensteuerung – und darum geht es im Spiegel-Beitrag – die Versicherungen die Preisschraube ein ganzes Stück nach unten drehen wollen. „Die Werkstätten geraten weiter unter Druck“, weiß denn auch Jürgen Thiele, denn „die Versicherer werden zunehmend starke Preisnachlässe fordern“. Nicht, dass die Autofahrer nicht auch etwas davon hätten. Wählen sie bei der Kasko-Versicherung statt der „Luxusvariante“ mit freier Werkstattwahl eine „Aldi-Police“ oder eine „Billiglinie, die gegebenefalls auch die Werkstattbindung umfasst“, dürfen sie mit zweistelligen Prämienreduktionen rechnen. Mit anderen Worten: Wer den Aldi-Tarif wählt, darf also zur Aldi-Werkstatt.
Was in diesem Beitrag nir am Rand auftaucht: Die Qualitöts- und Service -Argumente, mt der die der die Schadensteuerung in s Werkstattneutz sonst so gerne begründet werden. Was gar nicht auftaucht: der Begriff Fachbetrieb.

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