Bessere Schadenfotos erleichtern die Schadensabwicklung

 Die Kamera als Arbeitsmittel

Bessere Schadenfotos erleichtern die Schadensabwicklung

Quelle: Nürnberger Versicherung

Aussagekräftige Schadenfotos sind eine Grundvoraussetzung für eine reibungslose Schadensabwicklung. Umgekehrt sind unklare, unscharfe oder schlecht beleuchtete Fotos einer der häufigsten Gründe für Prozessstörungen oder -verzögerungen. Dabei ist es nicht schwierig, auch mit einfachem Equipment Schadenfotos zu schießen, die allen am Prozess Beteiligten das Leben einfacher machen. Die Nürnberger Versicherung hat Tipps für die Aufnahme besserer Schadenfotos zusammengestellt.

Kamera: kompakt & direkt

Die Qualität ihrer Bilder beginnt schon beim Kauf der Kamera. Lassen Sie sich also nicht von Rekordzahlen an Megapixeln blenden. Achten Sie vielmehr auf einen guten und großen Bildsensor, ein robustes, werkstatttaugliches Gehäuse, auf direkte manuelle Bedienelemente (die schnelle Einstellungen erlauben) und ein schwenkbares Display. Meist erfüllt eine mittelgroße Kompaktkamera diese Kriterien. Außerdem sollten Sie Wert auf einen optischen Bildstabilisator und ein Objektiv mit 3– bis 5-fachem optischem Zoom legen.

Auflösung: weniger ist mehr

Für den Schadendialog benötigen Sie keine Auflösungen, mit denen Sie am Ende Plakatwände gestalten könnten. Hier genügen in der Regel 3 bis 4 Megapixel bei geringer Komprimierung. Das spart zudem Speicherplatz und Rechenzeit. Ergo: Ihre Kamera reagiert schneller.

Programm: „P“ wie Parameter

Nutzen Sie zur Schadendokumentation das Kameraprogramm „P“. Sie verfügen dann zwar immer noch über eine Vollautomatik, können aber wichtige Parameter selbst einstellen und so die Qualität der Fotos entscheidend verbessern.

Blitz: nein danke

Vermeiden Sie es, das eingebaute Blitzlicht zu nutzen. Die Spiegelung des Blitzes auf dem Lack macht meist jeden Schaden unkenntlich. Besser: stellen Sie den ISO-Wert (die Empfindlichkeit) an Ihrer Kamera höher ein. Das verringert zwar geringfügig die Brillanz des Bildes; Dellen, Kratzer oder ähnliches bleiben aber deutlich zu erkennen. Wenn Sie ausnahmsweise doch den Blitz benutzen müssen, erhalten Sie mit dem höheren ISO-Wert eine bessere Ausleuchtung und Blitzreichweite.

Hilfsmittel: gezielt einsetzen

Hat Ihre Kamera eine Gesichtserkennung? Dann deaktivieren Sie diese. Nur so können Sie ausschließen, dass ein sich im Lack spiegelndes Gesicht (z. B. das Ihrige) von der exakten Fokussierung auf den eigentlichen Schaden ablenkt. Der Autofokus Ihrer Kamera stellt auf den Punkt mit dem größten Kontrastwert scharf. Bei einfarbigen Lackflächen kann dies Probleme bereiten. Schaffen Sie Abhilfe mit farbigen Pfeilen, die Sie an der Schadenstelle fixieren und dann mit der Kamera fokussieren. Noch besser sind schwarz-weiße Millimeterskalen, mit denen Sie auch gleich die Größenverhältnisse des Schadens dokumentieren. Diese lassen sich einfach mit Karosseriekitt befestigen.

Dellen: Reflektor hilft

Dellen oder Hagelschäden sind oft eine fotografische Herausforderung. Setzen Sie hier auf einen professionellen „Dellenreflektor“. Das ist ein in schwarz und weiß (oder in Kontrast-Farben) gestreifter Stoff, der in einem Rahmen befestigt wird. So setzen Sie auch kleinste Dellen in Szene. Denn die im Lack reflektierten Streifen werden in den Vertiefungen verzerrt dargestellt. Provisorisch lässt sich ein Reflektor auch einfach selbst erstellen: Bedrucken Sie ein DIN-A4-Blatt mit schwarzen Streifen und laminieren Sie es zum Schutz vor Feuchtigkeit.

Makro: für alle Fälle

Nutzen Sie zur Schadenfotografie den Makromodus Ihrer Kamera. Hinweis: er wird meist durch eine Blume symbolisiert. Stellen Sie auf „Makro“, auch wenn Sie etwas weiter von der Schadenstelle entfernt sind. Vermeiden Sie aber, mit einer Weitwinkel-Einstellung (geringe Brennweite beim Zoomen) ganz nah am Schaden oder in der Totalen zu fotografieren. In diesem Fall werden die Proportionen des Motivs im Weitwinkel verzerrt.

Auge: Vertrauen ist gut …

Oft hilft Ihnen schon der richtige Blickwinkel, eine kaum sichtbare Delle zu erkennen und fotografisch zu dokumentieren. Finden Sie deshalb mit dem bloßen Auge die Position, aus der Sie den Schaden am besten erkennen. Von dort schießen Sie dann das Foto.

Spiegel: um die Ecke geschaut

Mit schwenkbarem Kamera-Display und am Stativ montierten Spiegel dokumentieren Sie Schäden auch an schwer zugänglichen Stellen (Radkästen, Unterboden) schnell und einfach.

Zubehör: nicht sparen

Beim Kamerazubehör sollten Sie nicht sparen. Mehrere schnelle Speicherkarten namhafter Hersteller und zwei bis drei Sätze Austausch-Akkus gehören zur Grundausstattung. Nachdem (!) alle Bilder auf den Rechner überspielt wurden, formatieren Sie Ihre Speicherkarten umgehend. So halten Sie die Karten von Datenmüll frei und damit schnell. Übrigens: sollten Sie Ihre Bilder einmal versehentlich von der Karte gelöscht haben, gibt es Dienstleister, die unter Umständen Ihre Daten noch retten können.

Praxis: gelernt ist gelernt

Neben dem notwendigen Learning by doing: Wenn Sie noch effizienter und kompetenter Schäden fotografieren und dokumentieren wollen, sollten Sie einen speziellen Workshop nur zu diesem Thema besuchen.


Location schaffen

Fotografen sind ständig auf der Suche nach der idealen „Location“ für Aufnahmen. Auch für Schadenfotos ist es, wenn es die Verhältnisse erlauben, sinnvoll , einen gut beleuchteten Platz zu schaffen, um zumindest aufwändigere Schäden immer in derselben Position aufzunehmen. Hilfreich ist es, diesen Platz mit Skalierungen und Markierungen zu versehen. So vermeidet man Unklarheiten bezüglich der Position von Schäden und erleichtert die Kommunikation, z.B. am Telefon, über Schadenbilder.

Eine perfekte Location hilft bei der Einordnung von Schäden weiter.
Foto: M. Rehm