Mehr Schutz, besseres Handling

Abdeckfolien sind aus dem Lackierprozess nicht mehr wegzudenken

Michael Rehm

Auf historischen Aufnahmen aus Fahrzeuglackierereien kann man sehen, wie schlichtes Zeitungspapier verwendet wurde, um die nicht zu lackierenden Stellen abzudecken. Später wurden unterschiedliche Arten von speziellem Abdeckpapier entwickelt. Doch längst hat Folie dem Papier in diesem Bereich den Rang abgelaufen. Dass es dazu kam, liegt nicht zuletzt an Folienhersteller Horn & Bauer, der Abdeckfolien für die Bedürfnisse von Lackierern optimiert und – im wahrsten Sinne des Wortes – zugeschnitten hat. Wir sprachen mit Hans-Walter Muhl, Vertriebsleiter Aftermarket, Karsten Grötecke, Stellvertretender Vertriebsleiter Aftermarket, und Fachberater Armin Heidenreich.
Horn und Bauer feiert in diesem Jahr ein ganz besonderes Jubiläum – vor 30 Jahren präsentierten Sie mit der lackhaftenden Folie ein Produkt, das aus dem heutigen Lackierprozess kaum mehr wegzudenken ist.
Das ist richtig. Wir schätzen, dass heute über 70 Prozent der Lackierbetriebe in Westeuropa mit einer lackhaftenden Folie arbeiten.
War dieser Erfolg absehbar?
Der Handwerksbereich ist eher konservativ, und zu Beginn gab es permanent den Vergleich „Folie versus Papier“. Etwa fünf Jahre nach der Markteinführung ist diese Diskussion aber völlig verstummt. Eine wichtige Rolle spielte dabei die Industrie, die die Vorteile der Folie sehr schnell erkannt hat, und natürlich die Tatsache, dass wir in einer Zeit, in der das Umweltbewusstsein aufkam, von Anfang an ein schlüssiges Recyclingkonzept hatten.
Wie verteilt sich heute Ihr Umsatz zwischen Industrie und Handwerk?
Wir unterscheiden eher zwischen Automotive und Industrie. Automotive – dazu zählen wir Serienlackierung und Aftermarket – ist unser größtes Segment. Danach kommt die klassische Industrie, seit Neuerem inklusive der Nahrungsmittelindustrie. Auch hier sind wir jedoch auf Nischen und besondere Problemlösungen spezialisiert. Unser historischer Kern ist aber der Werkstattbereich, die Autoindustrie ist erst durch die lackhaftende Folie auf uns gekommen.
Gibt es bezüglich der Beschaffenheit der Folie Unterschiede zwischen OEM- und Aftermarket-Folie?
Natürlich, in der Industrie gilt es ja, Trocknungstemperaturen von deutlich über 150 Grad zu meistern, um nur ein Beispiel zu nennen.
Was zeichnet generell eine gute Lackierfolie aus?
Es gibt mechanische und thermische Eigenschaften wie zum Beispiel die Schneidefähigkeit oder die Hitzebeständigkeit, die wir definieren können. Viele Eigenschaften einer Folie beruhen auf der Tatsache, dass wir in der Lage sind, mehrschichtige Folien zu produzieren. Ein Beispiel dafür sind unsere Sitzschutzfolien – da ist die innere, stumpfe Seite so beschaffen, dass sie am Sitz haftet, die äußere, glatte Seite ist dagegen gleitfähig. Und dazwischen kann noch eine Mittelschicht liegen, die lediglich der Verstärkung dient. Für solche Schichten verwenden wir aus Gründen des Umweltschutzes im Übrigen oft Recyclate.
Wie kann man die Handlingeigenschaften einer Folie beeinflussen?
Das ist einer der wichtigsten Punkte überhaupt. Da die Abdeckarbeiten im Lackierprozess sehr viel Zeit in Anspruch nehmen, ist es eine unserer wichtigsten Aufgaben, Folien so zu konfektionieren und dem Anwender durch entsprechende Faltung zur Verfügung zu stellen, dass sein Zeitaufwand minimiert wird. Das ist ein Bereich, in dem unsere Produktentwicklung sehr intensiv forscht und wir zahlreiche Patente besitzen.
Welche Rolle spielt die Foliengröße für das Handling?
Eine ganz entscheidende. So war die Einführung unserer Sechs-Meter-Folie für uns ein echter Meilenstein. Zum einen produktionstechnisch, denn um eine Sech-Meter-Folie zu erhalten, muss man einen Extruder bauen, der einen Folienschlauch mit sechs Metern Umfang produzieren kann. Das war eine bedeutende Investition.
Wie zahlt sich dieser Aufwand aus?
Eben durch bessere Handlingeigenschaften. Bei einer so breiten Folie kann ich normale Pkw quer abdecken, und für höhere Fahrzeuge, die ich längs abdecke, ist die Folie auch groß genug. Durch eine ausgeklügelte Faltung und einen ergonomisch klug gestalteten Folienspender kann das sogar eine einzige Person – das spart wirklich Zeit.
Wie wird die Sechs-Meter-Folie vom Markt angenommen?
Wir konnten bisher über 40 Prozent des Vier-Meter-Marktes umstellen – Tendenz steigend.
Wie lässt sich Lackierfolie sonst noch verbessern? Was hat es zum Beispiel mit wasserdampfdurchlässiger Folie auf sich, die hilft, Kalkflecken zu vermeiden?
In dieser Hinsicht bestehen im Markt falsche Vorstellungen. Eine Folie, die wirksam Lack abhält, aber ähnlich wie Funktionskleidung Wasserdampf nach außen transportiert, gibt es nicht. Uns ist es aber bei unserer Wondermask-Familie gelungen, die Folie so zu konstruieren, dass sich Restfeuchtigkeit nicht sammelt, was zu Flecken führen könnte, sondern sich unterhalb der Folie verteilt und letztlich verflüchtigt, sodass eben keine Flecken entstehen.
Woran arbeiten Ihre Entwickler sonst noch?
Im Folienbereich entwickeln wir zum Beispiel Lösungen für besondere Anwendungen. So haben wir bei der letzten Automechanika eine Folie präsentiert, die auf der einer Seite mit Aluminium kaschiert ist, um Fahrzeugteile bei der Infrarottrocknung vor Überhitzung zu schützen. Verbesserungen zeigen sich aber auch oft im Detail. Unser neues Folienmesser zum Beispiel schützt durch seine Form nicht nur vor Verletzungen, es ist auch mit einem Magneten versehen, sodass es bei der Arbeit schnell an die Karosserie geheftet werden kann und leicht auffindbar ist. Daneben befassen wir uns auch mit Folienlösungen für den Lackierbereich, die nicht unmittelbar mit dem Abdecken des Fahrzeugs zu tun haben. Unsere Opticlean-Folie schützt beispielsweise Mischbänke, Regale oder den Fußboden im Mischraum. Auch eine Kabinenschutzfolie, die mit Hochtemperatur-Klebeband moniert wird, haben wir ins Programm aufgenommen. Auch wenn die Folientechnologie von außen betrachtet mehr oder weniger ausgereizt scheint – unsere Entwickler sind bisher regelmäßig mit Innovationen auf den Markt gekommen.
Vielen Dank für das Gespräch.