Beim ersten Camp-Treffen wurde auch über den Tellerrand hinausgeblickt. Dazu gehören verschiedene Teambuildung-Übungen. Foto: Standox

Zweite Auflage des Standox Camps gestartet

In der letzten Juniwoche fand der erste Teil des Standox Camps, einer ausbildungsunterstützenden Maßnahme der Wuppertaler Lackmarke, statt. Dazu kamen zwölf Azubis aus ganz Deutschland ins Standox Center. Dort erwartete sie eine arbeitsreiche Woche – in der es jedoch nur am Rande um das Thema Lackieren ging.

Ein Kunde betritt die Werkstatt und guckt sich suchend um. Kein Meister, kein Geselle weit und breit – nur der Auszubildende ist da. Und da kommt der Kunde auch schon forschen Schrittes auf ihn zu, um sein Anliegen zu besprechen. Was nun? Wie kann der Azubi reagieren, um dem Kunden ein positives Gefühl zu vermitteln, ohne seine fachlichen Kompetenzen zu überschreiten? – Im Rhetorik-Kurs des Standox Camps spielten die Teilnehmer diese Situation durch. Und es zeigte sich schnell, dass die Aufgabe schwieriger war als gedacht. Einige Teilnehmer zeigten Nerven: Sie vermieden den offenen Blickkontakt mit ihrem Gegenüber, die Stimme wurde unsicher und nach einer Weile immer leiser, ihre Körperhaltung verkrampfte. „Natürlich war diese Situation konstruiert. Aber sie ist durchaus vorstellbar“, erklärte Rhetorik-Coach Helmut Kutschbach. „Es ging gar nicht so sehr um das, was die Teilnehmer gesagt haben. Sondern in erster Linie um das Wie: Wie schaffe ich es durch mein Auftreten, dass der Kunde sich im Betrieb gut aufgenommen und aufgehoben fühlt?“
Das zweitägige Rhetorik-Training war Teil des ersten Camp-Treffens, an dem zwölf Lackierer-Auszubildende aus ganz Deutschland teilnahmen. Sie kommen in jedem ihrer drei Lehrjahre für jeweils eine Woche nach Wuppertal zu einer zusätzlichen Schulung. Damit will Standox die Ausbildungsanstrengungen der Karosserie- und Lackierwerkstätten unterstützen und ein positives Signal an die Branche schicken. Es ist bereits die zweite Auflage des Camps, die erste fand zwischen 2013 und 2015 statt.„Es geht uns nicht primär ums Lackieren“, betont Andreas Keller, Leiter des von Standox initiierten Reparaturnetzwerks Repanet, der das Camp-Konzept maßgeblich mitentwickelt hat. „Wir wollen den Teilnehmern Fähigkeiten und Werte vermitteln, die in keinem Ausbildungsplan stehen: Selbstbewusstsein, Zielstrebigkeit, Kommunikations- und Teamfähigkeit, sicheres Auftreten und ein Bewusstsein für das, was möglich und erreichbar ist. Das sind Skills, die Mitarbeiter und vor allem angehende Führungskräfte brauchen. Sie müssen in der Lage sein, über den Tellerrand hinauszublicken. Dazu wollen wir anregen.“
Über den Tellerrand hinausgeblickt wurde viel beim ersten Camp-Treffen. Die Azubis besuchten unter anderem einen Skulpturenpark, die Zeche Zollverein in Essen und die „Wuppertaler Tafel“, die sich um Bedürftige kümmert. Dazu absolvierten sie verschiedene Teambuildung-Übungen, sogar ein Grillkurs stand auf dem Programm. „Vor allem der Besuch der Tafel hat Eindruck gemacht“, sagt Keller. „Hier wurden die jungen Leute mit echter Not und menschlichem Leid konfrontiert.“
Bei den Camp-Treffen in den kommenden beiden Jahren tritt der handwerkliche Aspekt stärker in den Vordergrund. Dann machen sich die Teilnehmer mit den neuesten Lackiertechniken vertraut, auch als Vorbereitung auf ihre Abschlussprüfungen. Betreut und angeleitet werden sie dabei von den erfahrenen Praktikern im Standox Center. Doch auch mit diesen Inhalten verbindet Andreas Keller einen zusätzlichen Aspekt: „Wir wollen mit dem Camp die Bereitschaft fördern, sich mit einmal Erreichtem und Gelerntem nicht zufriedenzugeben“, sagt er. „Man muss ständig bereit sein, weiter zu lernen. Dies wird schon heute von Fach- und Führungskräften erwartet. Und angesichts der Herausforderungen, vor denen unsere Branche steht, wird diese Flexibilität zukünftig noch wichtiger werden.“